Personen

MICHAEL STAIKOS (1946-2011)

Mit höchster Wertschätzung gedenkt der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit des verstorbenen Metropoliten Erzbischof Dr. Michael Staikos.

Unter seinem Vorsitz beschloss der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich, alljährlich den 17. Jänner als "Tag des Judentums" zu begehen. Am 17. Jänner 2010 erinnerte er aus diesem Anlass in der rumänisch-orthodoxen Kirche Wien Simmering daran, dass ein Christentum ohne Bezugnahme auf seine jüdische Grundlage wie "ein Baum ohne Wurzeln" sei. Das liturgische Beten der Orthodoxie sei zutiefst vom Alten Testament geprägt. Mit Recht habe der Heilige Athanasios von Alexandrien verlangt, dass jeder aus der Kirche ausgeschlossen werden sollte, der "das Alte Testament vom Neuen Testament trennen möchte". Staikos unterstrich die Bedeutung des intensiv gepflegten Dialogs zwischen der orthodoxen Kirche und dem Judentum. Der Dialog dürfe aber nicht nur auf der Ebene theologischer Kommissionen geführt werden, er müsse auch das Volk einbeziehen.
Seine persönliche Überzeugung war, dass es ganz generell keine Alternative zum Dialog gibt: "Der echt geführte Dialog kann immer helfen und erst dann noch mehr, wenn die Beziehungen der Partner oder der Gegner in tieferen Krisen geraten. Deshalb halte ich auch nichts davon, wenn manche immer wieder mit dem Abbruch der Gespräche und es Dialogs drohen, wenn die Situation oder Beziehungen kritischer werden. Wenn der Dialog verweigert wird, ist die friedliche Koexistenz der Menschen ernsthaft gefährdet."
Wir verlieren mit Metropolit Michael wichtigen einen Weggefährten des christlich-jüdischen Dialogs, dem die Erneuerung der Kirchen aus dem Geist christlich-jüdischer Begegnung ein ernsthaftes Anliegen war. Und wir sind stolz darauf, dass für ihn unsere Initiative in dieser Richtung bedeutsam war: "Das Gespräch des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich mit den Juden ist auch ein Ergebnis dieser mühevollen Arbeit des Koordinierungsausschusses, durch welchen auch die Orthodoxe Kirche in Österreich den Weg zum hiesigen Judentum gefunden hat", würdigte Meropolit Michael 2006 zum 50-Jahr-Jubiläum des Koordinierungsausschusses unsere Zusammenarbeit.

"Als einer, der den Metropoliten seit seiner Ankunft in Wien vor fast fünfzig Jahren kennt, bin ich voll Trauer", erklärt Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle. Der Tod Staikos' ist "ein großer Verlust für die Orthodoxe Kirche, die Ökumene, für Österreich und darüber hinaus".

HELMUT NAUSNER 75

nausner

Am 24. März 2010 feiert der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Professor Helmut Nausner, seinen 75. Geburtstag. Seit mehreren Jahrzehnten der christlichen Ökumene verbunden gilt sein besonderer Einsatz seit vielen Jahren der christlich-jüdischen Verständigung.
Der Nachfahre einer aus Salzburg vertriebenen protestantischen Familie war seit 1959 als Pfarrer der evangelisch-methodistischen Kirche. 2001 ging er als Superintendent seiner Kirche in Pension. 1965 bis 1967 war Nausner Vorsitzender des Ökumenischen Jugendrates, von 1967 bis 2009 vertrat er seine Kirche im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich; zuletzt war er Pressesprecher dieses Gremiums. Seit 1968 beteiligte sich Nausner von Beginn an an der Gestaltung der "ökumenischen Morgenfeier" im Ö 1 Radio. Seit 1998 ist er im Vorstand des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit tätig, seit 2003 dessen Präsident. Weiters ist Nausner Vizepräsident der Österreichischen Bibelgesellschaft und sitzt im Beirat der Kontaktstelle für Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz.
Als sachkundiger Theologe und wohlüberlegt agierender Vermittler genießt er höchstes Ansehen bei den Spitzen der Kirchen und in der jüdischen Gemeinde und ist auch international ein gefragter Prediger und Lehrer. Sein Wort hat Gewicht und wir können ihm dankbar sein, dass er seine Persönlichkeit und seine Zeit für den Koordinierungsausschuss einsetzt. Die Erfolge etwa in der Weiterentwicklung des Profils unserer Arbeit sind deutlich sichtbar.
Die besten Wünsche an dieser Stelle zum symbolträchtigen Geburtstag – bis 120!

HANS KOSMALA (1903 – 1981)

Eigentlich hätte es ein ganz normaler Lebenslauf sein können: Der am 30.9.1903 als Schneidermeisterssohn in Breslau geborene Hans Kosmala entschied sich auf Drängen seiner Eltern zunächst für einen ordentlichen Beruf. Er begann Volkswirtschaft zu studieren, um Kaufmann zu werden. Doch schon nach kurzer Zeit begeisterte er sich für die Sprachen und die Kunst, was ihn reichlich brotlos machte. Deshalb begann er 1924 in einem Kohlebergwerk zu arbeiten. Bei einem Grubenunglück kam er gerade noch mit dem Leben davon. Die Sehnsucht nach einem ordentlichen Beruf schien dabei verschüttet worden zu sein. Was mit ihm zu Tage trat, war wohl aber die Begeisterung, sich fortan einem prägenden Lebensmotto anheim zu geben: Was man nicht einfach ausdrücken kann, lohnt sich überhaupt nicht auszudrücken! Als protestantischer Theologe wandte er diese Maxime späterhin aus Liebe zu Gott, den Menschen, ihren Sprachen und zur theologischen Wissenschaft auf das Verständnis des Judentums an. In einem Brief an Martin Buber formuliert er es selbst so: “ ... ich weiß nur, oder ich glaube es wenigstens, dass ich mein Leben mit der Aufgabe füllen könnte, Judentum und Christentum einander näher führen zu helfen.“mehr …

Trinks, Ulrich: DIE SCHWEDISCHE MISSION IN DER SEEGASSE

Für den 17. Jänner rufen die christlichen Kirchen in Österreich zum “Tag des Judentums“ auf. Die zentrale Veranstaltung des Jahres 2001 in Wien fand im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde im 9. Bezirk statt. Das Haus in der Seegasse Nr. 16 wurde 1973 von der lutherischen Kirche erworben als die “Schwedische Mission in Wien“ sich ganz zurückzog, wie in vielen anderen europäischen Hauptstädten außerhalb Schwedens auch, nachdem schon etwa 40 Jahre zuvor die missionarische Arbeit unter Juden zu einer dem Dialog verpflichteten Aufgabe geworden war.mehr …