Predigt

Franz Kangler CM EINE LANGE SCHMERZVOLLE GESCHICHTE

Gedenkfeier zum Jom haSchoa in der Aschkenasi-Synagoge in Istanbul
2. Mai 2011
 
Sehr geehrter Herr Oberrabbiner, geschätzte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde!

Ich spreche am heutigen Abend mit innerer Bewegung, weil ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Sie zur heutigen Gedenkfeier einen katholischen Priester, der noch dazu ein deutsch sprechender Österreicher ist, einladen.
Ich wurde 1950 geboren, einem Jahr, das nicht so weit entfernt ist vom schrecklichen Geschehen in Warschau. Und doch habe ich in meiner Kindheit und Jugend wenig von dieser Zeit, aber auch vom Judentum selbst gehört. Ich bin dabei in einer Tradition des Verdrängens aufgewachsen, in der man sehr gerne davon gesprochen hat, dass Österreich das erste Opfer Nazi-Deutschlands gewesen sei, und die vielen österreichischen Täter dieser Zeit nicht sehen wollte. Es hat einige Zeit gebraucht, bis in einem Teil meiner Heimat das Bewusstsein um gemeinsame Schuld, vor der man nicht davonlaufen darf, gewachsen ist.
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Nausner, Helmut MAGNIFIKAT

LK 1,46-55: BESINNUNG AM 25. MAI 2011 BEI DER ÖKUMENISCHEN MAIANDACHT IN WIEN-KAGRAN
 
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
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Kauer, Robert TU SMO BILI DOMA - WIR GEHÖRTEN DOCH HIERHER

PREDIGT AM ISRAELSONNTAG 2008, DEM 27. JULI IN STOCKERAU ÜBER RÖM 11,25-32
25 Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist;
26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob.
27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«
28 Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen.
29 Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.
30 Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams,
31 so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen.
32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

scharfberg-web
Unlängst haben meine Frau und ich unseren ältesten Sohn Robert und seine Familie in Kärnten besucht. Sie leben auf dem Hof von Longo Mai, was übersetzt heißt "es möge lange währen". Dort auf dem Hof Stopar in Lobnik, oberhalb von Bad Eisenkappel, werden Schafe gezüchtet und Tagungen abgehalten, bei denen auf vielerlei Weise versucht wird, die Volksgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen. In Eisenkappel selbst arbeitet seit 100 Jahren der Kulturverein Zarja für eine bessere Verständigung, mein Sohn ist dort Obmannstellvertreter. Im Vorjahr hat der Verein auf dem Hauptplatz von Bad Eisenkappel das "Forum Zarja" eröffnet und weil Jubiläen immer ein Anlass für Feste, Feiern und Ausstellungen sind, ist dort nun eine Ausstellung über die jüdische Familie Scharfberg "Tu smo bili doma ... Wir gehörten hierher". Die Scharfbergs hatten seit 1930 ein Textilwarengeschäft auf dem Hauptplatz, ein Schreiben der Marktgemeinde aus 1963 vermerkt: Die Familie Josef Scharfberg wurde von Eisenkappel mit 31. August 1938 abgemeldet. Das war alles über die einzige jüdische Familie in Eisenkappel.

Eine Familie in Eisenkappel, viele, allzu viele in Wien, wenige Rettungsinseln, allzu wenige. Eine davon in der Seegasse im 9. Bezirk in der Schwedischen Israelmission, heute die "Messiaskapelle" der evangelischen Pfarrgemeinde Alsergrund. Im Sammelband "protestantismus & literatur" berichtet Roland Werneck über die Arbeit der Schwedischen Israelmission in der Seegasse. Ilse Aichinger, Tochter eines nichtjüdischen Lehrers und einer jüdischen Ärztin, erinnert sich in dem Gedicht "Seegasse" an ihre Zeit dort. Das Gedicht beginnt: "Die Arche Noah ist auf dem Kanal vorbeigefahren ... " In ihrem Roman "Die größere Hoffnung" verarbeitet Ilse Aichinger offenbar ihre Erfahrungen mit den beiden christlichen Konfessionen und sagt: "Das Jauchzen Jerusalems versickerte in der Seegasse".
WO WAR UNSERE KIRCHE DAMALS, VOR 70 JAHREN ?
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AUF DEM WEG DER UMKEHR

10. Sonntag nach Trinitatis - Israelsonntag - 27. Juli 2008
AUF DEM WEG DER UMKEHR

JAHR DER STANDORTBESTIMMUNG ZUM EVANGELISCH-JÜDISCHEN VERHÄLTNIS IN ÖSTERREICH


Warum ist es für Christen und Christinnen wichtig, sich im jüdischen Festkalender, in der jüdischen Tradition auszukennen? mehr …

Aichern, Maximilian FÜR EIN NEUES MITEINANDER WORTE BEI DER GEDENKKUNDGEBUNG ZUR „REICHSKRISTALLNACHT

“ AM JÜDISCHEN FRIEDHOF IN STEYR AM 8.11.2007
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Geschätzer Herr Bürgermeister und geschätzte Mitglieder des Gemeinderates!
Geschätzter Herr Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde!
Liebe Vertreter der christlichen Kirchen!
Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe junge Menschen!
Die Gedenkkundgebung anlässlich der sogenannten „Reichskristallnacht“ ist hier in Steyr bereits zu einer guten Tradition geworden. Der jüdische Friedhof und Gedenktafeln in der Eisenstadt erinnern an die gewaltsam ausgelöschte jüdische Tradition in Steyr und das Leid der jüdischen Mitbürger in der NS-Zeit.
 
Wie eindrucksvoll in dem Buch „Vergessene Spuren“ von Waltraud Neuhauser-Pfeiffer und Karl Ramsmaier dokumentiert ist, gab es bereits im 14. Jahrhundert jüdische Mitbürger in Steyr. Sie haben viel Positives für die Stadt geleistet, mussten aber immer wieder auch Verfolgung und Benachteiligung erleiden. Das Ärgste war sicherlich die NS-Zeit von 1938 bis 1945, die in der „Reichskristallnacht“ einen ersten Höhepunkt erreichte. Es folgten Vertreibungen, Konzentrationslager – in Münichholz war ein Außenlager von Mauthausen – heute unvorstellbare Unmenschlichkeiten wie zum Beispiel der Todesmarsch der Juden im Jahr 1945, von dem auch das Ennstal und Steyr betroffen waren.
Es ist das große Verdienst des Mauthausen-Komitees Steyr, dass diese Gräueltaten nicht unter den Teppich gekehrt werden.
 
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Hennefeld, Thomas NICHT SCHWEIGEN

1 Um Zions willen kann ich nicht schweigen, / um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht / und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.
2 Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit / und alle Könige deine strahlende Pracht.Man ruft dich mit einem neuen Namen, / den der Mund des Herrn für dich bestimmt.
3 Du wirst zu einer prächtigen Krone / in der Hand des Herrn, zu einem königlichen Diadem / in der Rechten deines Gottes.
4 Nicht länger nennt man dich «Die Verlassene» / und dein Land nicht mehr «Das Ödland»,sondern man nennt dich «Meine Wonne» / und dein Land «Die Vermählte». Denn der Herr hat an dir seine Freude / und dein Land wird mit ihm vermählt.
5 Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, / so vermählt sich mit dir dein Erbauer.Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, / so freut sich dein Gott über dich.
6 Auf deine Mauern, Jerusalem, stellte ich Wächter. / Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen. Ihr, die ihr den Herrn (an Zion) erinnern sollt, / gönnt euch keine Ruhe!
Jesaja 62, 1-6
Wenn man über Jahrzehnte einen Gedenkgottesdienst zu so einem konkreten Anlass veranstaltet, dann kann es passieren, dass sich selbst bei ganz unterschiedlichen Bibelstellen Gedanken wiederholen. Aber genau genommen gibt es diese Wiederholung nicht, denn wenn wir uns auch an dasselbe Ereignis erinnern und dieses reflektieren, so wiederholt sich nicht unser Leben. Wir bewegen uns vorwärts, ob wir wollen oder nicht. Die Umstände, unter denen wir leben, der Zusammenhang mit der Welt um uns verändert sich und wird immer wieder neu.mehr …

Fürnsinn, Maximilian WO BLEIBT GOTT?

Jes 40, 21-31: Die aber dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. (31)

Einleitung
Wir kennen die brennende Frage im Leid: Wo bleibt Gott?
Wir kennen den Vorwurf einer Mutter, die ihr totes Kind in ihren Armen hält: Warum, Gott?
Manchmal meine ich, in den gebrochenen Augen leidender, unschuldiger Menschen die Frage ablesen zu können: “Mein Gott, warum hast du uns verlassen?“
Und wir verstehen die Frage bei der Katastrophe der Judenvernichtung in den Konzentrationslagern: “Wo warst du, Gott, als Millionen Frauen, Männer und Kinder in die Gaskammern geschickt wurden?“ – “Kann man deshalb nach Auschwitz noch Lieder singen?“
Auf diese Fragen gibt es keine wirklichen Antworten – höchstens Antwortversuche. Die Frage nach Gott und dem Leid bleibt offen.
Trotzdem sind uns Glaubenszeugnisse geschenkt, die im Leid stützen. Die Lesung aus dem Propheten Jesaja ermutigt uns, Antworten zu geben. Ein paar
Versuche dazu:
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Himmelbauer, Markus GEDENKE DER WUNDER DES HERRN

Gott gibt uns immer wieder Gelegenheit, damit wir uns an das Heil erinnern, das er seinem Volk Israel und der gesamtem Menschheit geschenkt hat: Der Regenbogen nach der Flut, der Schabbat, die männliche Bescheidung als Zeichen des Bundes, das Pascha-Fest als Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischer Sklaverei.
Für kein Erignis fordert die Tora so häufig und eindringlich die Pflicht des Gedenkens wie für den Auszug aus Ägypten. Das gilt auch für die folgenden Generationen und nicht allein am Pascha-Fest, sondern "alle Tage deines Lebens" (Dtn 16,3). Jede Generation und jeder jüdische Mensch soll diese Pflicht so beachten, als wäre er selber mitgezogen.
"Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat" ist die Quelle des jüdischen Gottesglaubens, auch des Glaubens Jesu. Nicht als der ferne Weltenschöpfer wurde Gott in Israel erkannt und verehrt, sondern als der Weltenlenker, den man anrufen kann, der sich in der Knechtschaft als Fels und Erlöser kundgetan hat.
Jesus hat Zeichen der rettenden Gerechtigkeit Gottes gesetzt. In diese befreiende Tradition stellt er seine deutenden Worte über Wein und Brot: Als sein Leib und Blut sind sie die bleibende Gegenwart unter uns. Auferstehung ist eine gute jüdisch-pharisäische Glaubenserfahrung: Christus ist der erste der Entschlafenen, bekennt der Pharisäer Paulus. So wird Ostern das Grunddatum des christlichen Glaubens.
Im Pascha und zu Ostern stehen Leidensgedächtnis und Freude über Befreiung und Erlösung im Mittelpunkt. "Gott schafft den Sieg mit seiner Rechten" (Ps 98) singen und beten Jüdinnen und Juden, Christinnen und Christen - ein Bekenntnis, das Juden und Christen verbindet.

Himmelbauer, Markus LERNEN AUS DER GESCHICHTE?

Was bedeutet es zu lernen? Einige Handgriffe einzuüben, die dann bei der passenden Gelegenheit angewendet werden? Das sicherlich auch. Von der gelungenen Herstellung eines Produkts bis zum großartigen Konzert beruht der Erfolg auf der Wiederholung eingeübter Handbewegungen.
Aber noch mehr: Lernen ist wissen, etwas können, ein gewisses Repertoire an Fertigkeiten und Reaktionsmöglichkeiten zu erwerben und die Gabe, Fähigkeiten im richtigen Moment angemessen einzusetzen. Lernen ist auch die Unterscheidung der Geister.
Lernen aus der Geschichte? Das mit den eingelernten Handbewegungen klappt nicht, wenn es um Geschichte geht. Geschichte wiederholt sich nicht. Es ist nicht so, dass wir bestimmtes geschichtliches Wissen mit dem Trichter abgefüllt bekommen und dann ist klar, was heute zu tun ist. Lernen aus der Geschichte ist nicht so geradlinig und eindimensional.
Werfen wir einen Blick in die Bibel. Als das Volk Israel das gelobte Land betritt und das erste Mal Dankopfer darbringen soll, wird es von Gott aufgefordert, sich seiner Geschichte zu erinnern. Im Buch Deuteronomium, dem 5. Buch Mose, Kapitel 26 des Ersten Testaments soll das Volk Israel beim Eintritt in das Gelobte Land das folgende Bekenntnis sprechen: „Meine Eltern waren umherirrende aramäische Leute. Sie stiegen hinab nach Ägypten und lebten dort als Fremde in der Minderheit.“ Der Blick auf das gute Ende der Geschichte heute bedeutet für Israel: „Freue dich an dem Guten, das Adonaj, deine Gottheit, dir und deiner Familie zukommen lässt: Du und die levitischen Familien und die Fremden, die in deiner Mitte sind.“
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Dinkelbach, Mirjam SCHAUT, DASS IHR LEID NICHT UMSONST WAR!

Worte zu Jes 52,13 - 53,12 beim Gottesdienst Mechaje Hametim am 9. November 2005, am Gedenktag der Novemberpogrome 1938, in der Kirche St. Ruprecht in Wien

Wir haben dieses furchtbare und wunderbare Lied gehört.
Die Einladung zu dieser Gedenkstunde und das Denken an dieses Lied waren eins.
Das Bild stand mir vor Augen, das Bild dessen,
der verachtet war und von den Menschen gemieden; der dahingerafft wurde durch Haft und Gericht, obwohl er kein Unrecht getan. Doch wen kümmerte sein Geschick?mehr …

Jäggle, Martin

JESUS WAR JUDE.
GEDANKEN ZUM FEIERTAGSEVANGELIUMAM 1. JÄNNER. (LK 2,15-21)
Wohl wissend um die großen Themen des heutigen Evangelientextes, will ich am Beginn eines neuen bürgerlichen Jahres die Aufmerksamkeit auf einen kleinen Aspekt richten. Dieser – auf den ersten Blick so klein scheinende – Aspekt ist aber von einschneidender Bedeutung und hat weit reichende Folgen.
Lukas – und nur er – schreibt: „Und als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, ...“ (V. 21a).
Ein klarer Sachverhalt, jeder Frau und jedem Mann eigentlich geläufig: Jesus wurde der Tora gemäß beschnitten. Das Buch Genesis enthält den entsprechenden Auftrag an Abraham: „Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen, ... So soll mein Bund, dessen Zeichen ihr an eurem Fleisch tragt, ein ewiger Bund sein.“ (Gen 17,10-12)mehr …