Vorurteilen gegen Juden mit Dialog begegnen

Neue Folge des Religionspodcasts "Wer glaubt, wird selig" über das Jugend- und Dialogprojekt "Likrat" der Israelitischen Kultusgemeinde

Mit dem Jugend- und Dialogprojekt "Likrat" setzt die Israelitische Kultusgemeinde Wien seit 2015 ein Zeichen für Verständigung und für den Abbau von Vorurteilen. Junge Jüdinnen und Juden besuchen Schulklassen in ganz Österreich und treten in Dialog mit Jugendlichen ihres Alters, die einen anderen ethnischen bzw. religiösen Hintergrund haben. In der neuen Folge des Religionspodcasts "Wer glaubt, wird selig" erzählen die "Likrat"-Projektverantwortliche Betty Kricheli und Viktor Zirelman, einer der jüdischen Jugendlichen, die in die Schulen gehen, von ihren Erfahrungen. Und sie nehmen auch dazu Stellung, wie sie sich fühlen, wenn Coronaleugner und Impfgegner bei Demonstrationen Davidsterne mit der Aufschrift "Ungeimpft" tragen.

"Likrat" heißt auf deutsch "auf jemanden zugehen". 2021 wurde die Initiative mit dem Leon-Zelman-Preis des Jewish Welcome Service ausgezeichnet. Der Podcast ist u.a. über die Website der Katholischen Kirche in Österreich (katholisch.at) abrufbar.

"Eine Likrat-Begegnung dauert meist eine Schulstunde, da hat man nicht viel Zeit", berichtet Viktor Zirelman: "Nach dem Kennenlernen erzählen wir ihnen von den Feiertagen, die als Nächstes bei uns kommen, und danach ist es meist so, dass sofort Fragen gestellt werden". Die meisten Schülerinnen und Schüler kämen so zum ersten Mal mit einem Juden in Kontakt. Dabei würden die Lehrkraft aus der Klasse gebeten, um ein noch unbefangeneres Gespräch zu ermöglichen. Im Rahmen der Unterrichtsstunde werden den Schülern auch jüdische Gegenstände, wie eine Kippa oder ein Gebetsbuch, erklärt und herumgereicht.

Immer wieder würden auch Vorurteile deutlich, so Betty Kricheli. Etwa wenn Fragen kämen wie "Zahlen Juden Steuern?", oder warum die Juden in Israel palästinensischen Kindern dasselbe antun würden, wie die Nazis den jüdischen Kindern. Kricheli: "Es ist interessant, wie solche Vorurteile auch in diesem Alter bereits Thema sind." Die meisten Fragen gingen aber in die Richtung, wie jüdisches Leben in Österreich aussieht. "Einmal einen Juden kennengelernt zu haben ist für die Schüler ganz wichtig. So sehen sie, dass dieser Jude genauso ein Teil der Gesellschaft ist, wie sie selbst", zeigt sich Kricheli überzeugt.

Mit antisemitischen Vorurteilen sind Kricheli und Zirelman im Alltag immer wieder konfrontiert. Zirelman berichtet über ein Mail, das er von einer Schuldirektorin bekommen hatte: "Sie hat mir geschrieben: 'Ihr mit euren Themen braucht gar nicht hierher kommen.' - So etwas macht mich wütend."

Fassungslos machen beide auch die Anti-Corona-Demonstrationen, wenn sie sehen, wie Impfgegner Davidsterne mit der Aufschrift "Ungeimpft" tragen. "Es ist erschreckend und schlimm, dass diese Menschen nicht wissen, was damals passiert ist, und sich als Opfer darstellen", betont Kricheli. Und er frage sich, so Zirelman, wie man "das mit dem Davidstern und dem 'Ungeimpft' überhaupt vergleichen kann, wenn im Holocaust 6,8 Millionen Menschen ermordet wurden. Die Menschen ziehen Vergleiche, ohne darüber nachzudenken". Fassungslos mache ihn besonders auch der hohe Anteil an jungen Menschen bei den Demonstrationen. Hier habe das Bildungswesen einiges verabsäumt. Gerade deswegen sei es wichtig, dass es Initiativen wie "Likrat" gibt.

Der von der ökumenischen Radioagentur Studio Omega produzierte Religionspodcast "Wer glaubt, ist selig", ist auf der Website der katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at), auf www.studio-omega.at, auf "https://studio-omega-der-podcast.simplecast.com" sowie auf iTunes, allen Smartphone-Apps für Podcasts und auf Spotify abrufbar.

Infos zu "Likrat": www.likrat.at.


Quelle: Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at)

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