Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
als Verantwortlicher in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche A.B. für das christlich-jüdische Gespräch grüße ich die Feiernden an diesem Abend herzlich und bedaure, nicht unter den Festgästen sein zu können. Zunächst Gratulation dem Koordinierungsausschuss, dem Präsidenten und der Geschäftsführung für diese beständige Weiterentwicklung eines Verständigungsdialoges (Café Abraham, Tag des Judentums etc.). Wir profitieren in unserer Kirche von der Arbeit des Koordinierungsausschusses, bedanken uns dafür und wünschen uns findige Fortsetzungen!
Christlich-jüdische Beziehungen sind auch heute noch mit dem Faktum einer 2000jährigen mörderischen Geschichte schwer zu gestalten. Die Erfahrung der Tödlichkeit einer kirchlichen Theologie lässt einen Dialog zwischen Christen und Juden im Sinne einer Buber’schen Wesensbegegnung zwischen ICH und DU auf längere Sicht wohl noch nicht zu. Umso mehr besteht die Notwendigkeit des Lernens, allerdings kann ein christliches Lernen, das bloß Informationen zum Judentum und seiner Geschichte erarbeitet, nicht genügen. Die Unbelehrbarkeit eines Antijudaismus verlangt nach Kritik und Selbstkritik, v.a. theologischer Aussagen.
Für dieses – aus meiner Sicht – theologische Weiter-Lernen ist die Arbeit des Koordinierungsausschusses unverzichtbar. Auch wenn wir noch meilenweit weit weg sind von einem von tiefem Verständnis getragenen christlich-jüdischem Verhältnis, so sind es die kleinen Schritte, die den Glauben an ein Verstehen fördern können. Dazu brauchen wir Erfahrungen in einem talmud-tora, einem Tora-Lernen, um nicht nur über ein Judentum zu lernen, sondern mit Jüdinnen und Juden die Grundlagenarbeit zu verstärken.
„Geschwisterlichkeit statt Judenfeindschaft“ ist ein hohes Ziel: wir dürfen es mit der Arbeit des Koordinierungsausschusses nicht aus den Augen verlieren!
Einen gelungenen Abend und den shalom untereinander und für die kommenden Jahre wünscht

Karl Schiefermair
Oberkirchenrat

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