2009

DEMOKRATIE LERNEN

Ansfelden – Zum dritten Mal fand heuer am 29. April an der Volksschule Ansfelden (Oberösterreich) ein „geh-denken“ statt: Ein Gedenkmarsch der vierten Klassen zur Kremsbrücke, wo im April 1945 beim Todesmarsch ungarischer Jüdinnen und Juden eine namenlose Frau vor den Augen ihrer Tochter ermordet wurde.
Ausgehend von einem Text von Th. W. Adorno „Erziehung nach Ausschwitz“ versuchen die  Pädagoginnen Demokratie in Theorie und Praxis zu lehren. In der 4.  Schulstufe wurde versucht, durch lokale-historische Wissensvermittlung auf die Bedeutung und Wichtigkeit demokratischen Handelns hinzuweisen. Da der Todesmarsch durch Ansfelden  führte, soll durch die lokale Nähe ein „emotionales berührt Werden“ durch die Geschichte ermöglicht werden.
Der Lernprozess Demokratie um das „geh-denken“ hat viele Facetten: Die Kinder der der VS Ansfelden erzählten musikalisch, dramaturgisch, mit Steinen und Glasperlen was in ihrem Ort/ in ihrem Land vor mehr als 60 Jahren geschehen ist. Daten und Fakten aus der Geschichte belegen die menschenverachtende Politik des Nationalsozialismus. Das ist weder zu leugnen noch in Zweifel zu stellen.
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Die Gedenkveranstaltung  in Ansfelden steht  unter dem Zitat Ingeborg  Bachmanns: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, in diesem Sinn haben sich die Erinnernden vor den Jüdinnen und Juden verneigt – möge sich der Schrecken nie mehr wiederholen.
Hermine Hauer

MITTEL-OSTEUROPAKONFERENZ IN ARAD

Am 26. und 27. Mai 2009 fand im rumänischen Arad ein mittel-osteuropäisches Netzwerktreffen christlich-jüdischer Initiativen statt. Perfekt organisiert wurde die Konferenz von Ionel Schlesinger, Präsident der jüdischen Gemeinde in Arad. Neben dem Gedankenaustausch zur Lage der christlich-jüdischen Zusammenarbeit in den einzelnen Ländern waren konkrete Schritte hin zur Gründung einer christlich-jüdischen Dialogorganisation in Rumänien ein Thema der Konferenz.
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GENERALVERSAMMLUNG 2009

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Eine große Zahl von Mitgliedern und Gästen konnte Koordinierungsausschuss-Präsident Helmut Nausner zur Generalversammlung am 4. März 2009  in den Räumen der Evangelisch-Theologischen Fakultät Wien begrüßen. Unter anderen waren der lutherische Bischof i.R. Herwig Sturm als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen, der katholische Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer als Ökumenebeauftragter der Bischofskonferenz, IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer und Pro Oriente Präsident Johann Marte gekommen.
Bei der Neuwahl des Vorstands wurden die bisherigen Vorsitzenden Pastor Prof. Helmut Nausner, Prof. Martin Jäggle und Willy Weisz in ihren Funktionen bestätigt. Weiters wurden in das Vorstandsteam gewählt: Christoph Konrath (Jurist der Parlamentsdirektion als Finanzreferent), Eleonore Lappin (Historikerin als Schriftführer), Roland Werneck (Studienleiter der Evangelischen Akademie Wien), Ruth Schelander-Glaser (Mitarbeiterin der Diakonie für interkulturelle Projekte), Ferenc Simon (Pfarrer und Dechant in Wien Leopoldstadt) und Friederike Habsburg-Lothringen. Prof. Nausner dankte den scheidenden Vorstandsmitgliedern Gisela Porges und Brigitte Ungar-Klein für ihre Unterstützung der Vereinstätigkeit.mehr …

1670: DIE VERTREIBUNG DER JUDEN AUS WIEN

Wien. Am 15. Oktober wurden durch eine szenische Lesung die Ereignisse von 1670 direkt am Ort des Geschehens, im Zentrum der heutigen Leopoldstadt, wieder in Erinnerung gerufen. Das berührende Stück stammt aus der Feder von Helmut Korherr.
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Ein Volksstück im besten Sinne ist das Werk von Helmut Korherr. Es nimmt sich dem Bildungsauftrag an, die grausamen Ereignisse von 1670 anschaulich darzustellen, die verschiedenen Parteiungen und Haltungen gegenüber der jüdischen Gemeinde. Dazu gibt es noch eine Liebesgeschichte und einen guten Ausgang einige Jahre später, als die jüdischen Flüchtlinge in Eisenstadt eine neue Heimat finden.
Im Ghetto im Werd hatte seit 1625 die wachsende jüdische Gemeinde Wiens unter kaiserlichem Schutz und weitgehender innerer Autonomie gelebt, während ihr das Betreten der Stadt nur während des Tages gestattet war. Repressalien und Gewalttaten gegen die Wiener Juden häuften sich mehr und mehr in den 1660er-Jahren; schließlich gipfelten diese in der vollständigen Ausweisung im Jahr 1670. Eine der drei Synagogen wurde in eine Kirche zu Ehren des Heiligen Leopold umgewandelt.
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Dieckmann, Detlef „DIE NEUE BIBELÜBERSETZUNG SOLL DEM GEGENWÄRTIGEN GESPRÄCH MIT JÜDINNEN UND JUDEN GERECHT WERDEN.“

Seit den achtziger Jahren wuchs in den Vorbereitungsgruppen des deutschen evangelischen Kirchentags die Überzeugung, dass es einen Bedarf für eine neue Bibelübersetzung gibt. Denn keine der vielen deutschsprachigen Übersetzungen berücksichtigte die neuesten exegetischen Meinungen und die Veränderungen, die in der Theologie, in der Gesellschaft und in den Sprachgewohnheiten der Menschen feststellbar waren. Deshalb haben die Kirchentagsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter die biblischen Texte für den Kirchentag stets neu ins Deutsche übertragen und sich dabei die folgenden vier Kriterien auferlegt:mehr …

Pawlikowski, John T.   DEFINIERT SICH KATHOLISCHES SELBSTVERSTÄNDNIS GEGEN DIE JUDEN?

PAPST BENEDIKT XVI. UND DIE FRAGE DER JUDENMISSION
 
Seit dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung bis zum II. Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche ihr grundlegendes Selbstverständnis weitgehend als Gegensatz zu Juden und Judentum definiert. Sie bezeichnete sich selbst als das „neue Israel“. Sie verkündete, dass sie das jüdische Volk im weiter bestehenden Bund mit dem Schöpfergott ersetzt hätte. Sie beschrieb, dass durch Jesus der ursprüngliche Bund mit dem jüdischen Volk erfüllt wurde und ließ so im Grunde das Judentum beraubt seiner Stellung einer gültigen religiösen Tradition zurück.
Manchmal wurde diese Selbstdefinition als Gegensatz zum Judentum extrem hasserfüllt zur Sprache gebracht, besonders unter den Kirchenvätern, in einer Sprache, die sich – wie verschiedene Untersuchungen katholischer Lehrbücher deutlich erwiesen haben – bis gut in die Mitte des 20. Jahrhunderts gehalten hat.
Zu manchen Zeiten war der Ton etwas gemäßigter. Das Judentum wurde gepriesen wegen seines ursprünglichen Bundes und seiner prophetischen Tradition, aber es wurde betont, dass letztlich mit dem Erscheinen Christi alles Wertvolle des Judentums im Christentum aufgegangen sei.
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GEMEINSAM LICHT GESUCHT UND GEFUNDEN Beobachtungen und Themen des christlich-jüdischen Dialogs

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Vor einem Jahr besuchte Papst Benedikt XVI. zum „Tag des Judentums“ die Synagoge in Rom. Das war ein wichtiges symbolisches Zeichen. Der Pontifex zitierte wie zu erwarten seinen Vorgänger, aber auch den Heiligen Paulus: „Das jüdische Volk besitzt ‚die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus’ (Röm 9,4–5), denn ‚unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt’ (Röm 11,29)“.
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Paul Chaim Eisenberg "MITEINANDER REDEN - DAS IST FÜR MICH WESENTLICH"

Grusswort zum 50-jährigen Bestehen der Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.mehr …

ABTREIBUNG: JEDWEDER VERGLEICH MIT DEM HOLOCAUST IST ABZULEHNEN

Im Rahmen aktueller Diskussionen gab es öffentliche Stellungnahmen, in denen Abtreibung mit dem Holocaust verglichen wurde. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit weist darauf hin, dass jedweder Vergleich mit dem Holocaust abzulehnen ist, auch in Bezug auf Abtreibung.mehr …

OFFENER BRIEF AN DIE ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE GRAZ

S. g. Herrn
Präsidenten Gérard Sonnenschein
Israelitische Kultusgemeinde Graz

Sehr geehrter Herr Präsident!

Angesichts der Ereignisse, die durch die Entscheidung des Papstes am 25.1.2009 ausgelöst wurden, ist es uns ein Anliegen, uns mit diesem Brief an die Israelitische Kultusgemeinde zu wenden, um ihren Mitgliedern Folgendes zu versichern:
Mit Entsetzen haben wir, der Vorstand des christlich-jüdischen Komitees in Graz, die Entscheidung des Papstes aufgenommen, die Exkommunikation für die vier Bischöfe der Piusbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Wir kritisieren nicht die Absicht des Papstes, einer abgespaltenen Gruppe die Hand zu reichen. Aber wir halten es für völlig inakzeptabel, eine Bruderschaft, die mit antijudaistischen Äußerungen hervortritt, wieder in die römisch-katholische Kirche einzugliedern, und das nach dem II. Vatikanischen Konzil. Ganz besonders empört uns die Rücknahme der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Williamson. Auch wenn Papst Benedikt der XVI. Bischof Williamson am 4.2.2009 aufgefordert hat, sich eindeutig und öffentlich von seinen Äußerungen zu distanzieren und sich in der letzten Woche selbst klar gegen jede Holocaust-Leugnung ausgesprochen hat, bleibt die Entscheidung unverständlich.
Wir unterstützen alle Äußerungen, in denen die Leugnung der Schoa verurteilt wird.
Wir sehen die Ereignisse der letzten Wochen als die Bestätigung des Auftrags, den das christlich- jüdische Komitee sich selbst gegeben hat, nämlich jeglichem Antisemitismus zu wehren und für den christlich-jüdischen Dialog einzutreten, den wir weiterhin zielstrebig verfolgen werden. Wir sind dankbar für alle Beziehungen und die gute Zusammenarbeit zwischen dem christlich-jüdischen Komitee, den Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde, die in über 15 Jahren gewachsen sind. Wir werden uns das Miteinander von Christen und Juden nicht zerstören lassen und den gemeinsamen Weg des christlich-jüdischen Dialogs unbeirrt weitergehen.


17. Februar 2009
Mag. Sabine Maurer, Vorsitzende

LESUNG BEI DER WELTGEBETSWOCHE FÜR DIE EINHEIT DER CHRISTEN 2009

Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich
Herrn Bischof
Mag. Herwig Sturm
Severin Schreiber-Gasse 3
1180 Wien

28. Jänner 2009

Gottesdienstvorschlag Weltgebetswoche

Lieber Herr Bischof Sturm,
im Namen des Vorstands des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit übermittle ich Ihnen unsere Anmerkungen zur Auswahl des Predigtextes für die heurige Weltgebetswoche für die Einheit der Kirchen. Ich bitte Sie, unseren Brief an die Verantwortlichen beim Weltkirchenrat weiterzuleiten.
Die Eingrenzung des Lesungstexts aus dem Buch Ezechiel (Ez 37, 15-19, 22-24a) erfolgt nach einem traditionellen kirchlichen Muster, also ob es Jahrzehnte des christlich-jüdischen Dialogs nie gegeben hätte. Einzelne Verse der Perikope wurden so gewählt, dass eine rein christlich-kirchliche Interpretation möglich wird: Ein allgemeiner Text zum Thema Einheit und der „Knecht Davids“ kann geradewegs mit Jesus Christus als „einziger Hirte“ der Kirche identifiziert werden.mehr …

Otto Friedrich: EIN HEITERER UNTERTON IN SCHWERSTER ZEIT

Das Foto des jungen Mannes an Bord des Überseedampfers Lexa Mærsk, anno 1939, auf der monatelangen Fahrt von Dänemark via New York, Panamakanal,Japan, Hongkong auf die Philippinen, scheint unbeschwert: Ein 31-jähriger Rechtsanwalt ausWien macht sich auf zu neuen Ufern. Tatsächlich – das Datum verrät es – kann von Unbeschwertheit keine Spur sein. Denn Hans Steiner, so der Name des Passagiers im weißen Outfit, konnte durch glückliche Fügungen den Schergen und Mördern, denen auch viele seiner Verwandten zum Opfer fielen, entkommen.
MEHR ALS „NOCH EINE GESCHICHTE“mehr …

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