2011

VORGEBURTLICHES LEBEN

Graz. Wann beginnt menschliches Leben? Mit dieser Frage und den ethischen und religiösen Herausforderungen durch die Reproduktionsmedizin beschäftigte sich eine interreligiöse Veranstaltung am 30. November 2011 in der Synagoge, die das Grazer Komitee für christlich-jüdische Zusammenarbeit initiierte.
 
In ihren Einleitungsworten zu diesem Abend machte die Vorsitzende des Grazer Komitees, Sabine Maurer, darauf aufmerksam, dass der religiöse Aspekt in den öffentlichen Debatten über medizinethische Themen häufig zu kurz kommt, bzw. bewusst ausgeblendet wird. Daher sollten an diesem Abend einmal die religiösen Hintergrundanschauungen der drei Bekenntnisse in den Blick genommen werden, ihre je spezifische Sicht vom menschlichen Leben und wie damit umzugehen ist.

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Die weithin bekannte Auffassung der röm.-katholischen Kirche erläuterte Herr Professor Walter Schaupp vom Institut für Moraltheologie der Universität Graz im Podiumsgespräch. Die katholische Auffassung, wonach mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle das menschliche Leben beginnt, unterscheidet sich sowohl von jüdischer als auch islamischer Sichtweise: Nach jüdischer Überzeugung, so Willy Weisz, (Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit) wird dem Embryo bis zum 40. Tag nach der Befruchtung ein geringerer Status zugesprochen als nach Ablauf dieser Frist, da ab diesem Zeitpunkt der Embryo als beseelt gilt. Daher sollte eine Abtreibung nach Möglichkeit vor dieser Frist stattfinden.
Die islamische Vertreterin Zeynep Elibol (Direktorin der Islamischen Fachschule für soziale Berufe) erläuterte ihre Tradition, in der der Embryo einen abgestuften Schutz genießt: Hier spielt in einigen Rechtsschulen der 40. Tag, in anderen  der 120. Tag nach der Befruchtung eine Rolle, ab dem der Embryo als beseelt angesehen wird. Die islamische und die jüdische Ansicht waren sich in vielen Punkten sehr ähnlich. So bejahen beide beispielsweise die In-Vitro-Fertilisation, wenn Samen- und Eizellenspenden von verheirateten Ehepartnern stammen und für ihren Nachwuchs eingesetzt werden.
 
Alle drei Diskussionspartner waren sich darin einig, dass die Forschung im Bereich der Reproduktionsmedizin weitergeführt werden solle, dass aber ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Möglichkeiten auch von den Kirchen und GlaubensGemeinschaften einzufordern sei. Die Podiumsdiskussion endete mit der Feststellung, dass ein interreligiöses Gespräch zu den Fragen des vorgeburtlichen Lebens aus unterschiedlicher religiöser Sicht sehr wertvoll und das Lernen aus den Traditionen der anderen weiterzuführen sei. Der Abend schloss mit angeregten Gesprächen bei Brot und Wein im Veranstaltungsraum der Synagoge.

Sabine Maurer

BUCHPRÄSENTATION: ALTTESTAMENTLICHE PROPHETINNEN

In herzlicher Atmosphäre fand am 16. November 2011 in der Bibliothek des christlich-jüdischen Informationszentrums die Präsentation des Bandes "Die alttestamentlichen Prophetinnen in der patristischen Rezeption" der katholischen Alltestamentlerin Agnethe Siquans statt.
 
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Gemeinsam mit Eva Synek (rechts), Assistenzprofessorin am Institut für Rechtsphilosophie, Religions-. und Kulturrecht der Universität Wien, stellte die Autorin (links) das Werk vor.
 
Die Untersuchung geht der Rezeptionsgeschichte der alttestamentlichen Texte über Prophetinnen (Mirjam, Debora, Hulda, Noadja, Jes 8,3, Ez 13 und Joël 3,1f) im Schrifttum der Kirchenväter nach. Schwerpunkte der Quellenanalyse sind Hermeneutik und Methoden der patristischen Bibelauslegung sowie die Frage nach der geschlechtsspezifischen Deutung von Prophetinnen.
In einem zweiten Teil wird der kulturelle und theologische Kontext der Texte dargestellt: die Vorstellung von Prophetie, das Reden von Frauen in der Öffentlichkeit, der Unterschied zwischen den Geschlechtern, Askese und Jungfräulichkeit sowie antijüdische Polemik. Abschließend kommen wichtige Fragen patristischer Schrifthermeneutik wie Allegorese und Typologie, kanonischer Zugang zur Bibel und pastorales Anliegen der Auslegung zur Sprache.
 
Manche Quellen aus den Texten der Kirchenvätern wurden im Rahmen der vorliegenden Studie erstmals ins Deutsche übersetzt.

Agnethe Siquans
Die alttestamentlichen Prophetinnen in der patristischen Rezeption
Texte - Kontexte - Hermeneutik
Herders Biblische Studien 65
Freiburg i.Br., 2011
624 Seiten, Eur 70.-

AUS DEM CHRISTLICH-JÜDISCHEN DIALOG ERNEUERTE KIRCHEN

Der christlich-jüdische Dialog schafft nicht nur eine neue Beziehung zum jüdischen Gegenüber, er hat auch Konsequenzen für das Selbstverständnis der Kirchen. Ein Bericht von einem angeregten Diskussionsabend im Wiener Kardinal König Haus.

Ein breites Spektrum Interessierter aus unterschiedlichen Kirchen diskutierte am 15. November im Kardinal König Haus darüber, wie eine Kirche aussehen müsste, die sich das Anliegen des christlich-jüdischen Dialogs zu Eigen gemacht hat. Katholikinnen und Katholiken, evangelische Christinnen und Christen sowie Mitglieder verschiedner Freikirchen füllten den Konferenzraum im Bildungshaus der Jesuiten.
Markus Himmelbauer, Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, führte in einem Vortrag ins Thema ein: Erneuerter Glaube – Wohin soll der christlich-jüdische Dialog die Kirchen führen? Als Gesprächspartner für die anschließende Diskussion standen die protestantische Theologin Susanne Heine, emeritierte Professorin für Praktische Theologie und Religionspsychologie, der katholische Kommunikationswissenschaftler Maximilian Gottschlich und Pastor Helmuth Eiwen, Leiter der freikirchlichen Ichthys-Gemeinde in Wiener Neustadt, zur Verfügung. An diesem Abend ging es um ein zentrales Stück des christlichen Selbstverständnisses. Entsprechend engagiert waren die Wortmeldungen.mehr …

DAS JUDENTUM IM RELIGIONSUNTERRICHT

Wien. „Die Zwölf Thesen von Berlin“, aktuelle Meilensteine des christlich-jüdischen Dialogs, waren das Thema einer Tagung, zu der der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Internationale Rat der Christen und Juden ICCJ von 23. bis 25. Oktober 2011 nach Wien geladen hatten.
 
Etwa 20 Personen repräsentierten dort Dialoginitiativen und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem mitteleuropäischen Raum; Vertreterinnen und Vertreter aus der Tschechischen Republik, aus Polen, aus der Slowakei, aus Ungarn, Rumänien, Kroatien und Österreich waren anwesend.
 
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CLEMENS THOMA (1932-2011)

Zug CH. Der Judaist Clemens Thoma, Mitglied der Steyler Missionare SVD, ist am 7. Dezember 2011 friedlich im Herrn entschlafen. Von 1965 bis 1971 war er - während und nach seinem Studium der Judaistik in Wien - Vorstandsmitglied unseres Vereins.
Nachrufe sind häufig bessere Aufzählung der herausragenden Taten eines Menschen. Dies wird noch zahlreich in der nächsten Zeit geschehen. Ich möchte diese Form jedoch bewusst meiden und mich an Clemens Thoma erinnern, wie ich ihn kennenlernte, ihn schätzen lernte und mich an ihm auch reiben konnte.
Es war in einem Fahrstuhl in Salzburg, als Clemens vor vielen Jahren mit mir gemeinsam fuhr, auf dem Weg zu einer Tagung, und er mich nach einem anregenden Gespräch einlud zu einer Vorlesung in Fribourg, wo es unter anderem um das Thema Theodizee ging. Ich wusste von ihm, da er einer der ersten Schüler Kurt Schuberts war, zu denen ich mich viel später als er stolz selber zählen durfte. Ich sah in ihm den großen Begründer eines Instituts, das einzigartig im deutschen Sprachraum unter anderem ein Anliegen umsetzte, von dem in den Durchführungsbestimmungen von Nostra aetate die Rede war, nämlich den Theologiestudierenden das Judentum verpflichtend nahezubringen. Ich bewunderte ihn damals aus der Ferne und lernte ihn bald als quirligen und durchaus streitbaren Geist kennen.
Das jüdisch-christliche Gespräch war eine Sache, die Clemens mit ganzer Lebensenergie vertrat und mich darin sehr tief bewegte. Er begutachtete schließlich auch einen wichtigen Schritt meiner wissenschaftlichen Laufbahn und bemerkte viele wichtige Details für meine Habilitation. Das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung in der doppelten Zuordnung zu einer geisteswissenschaftlichen und theologischen Fakultät schwebte mir damals als ein Idealzustand vor, den es auch in Österreich zu erreichen gelte. Der Einsatz Thomas im Bereich der katholischen Kirche (etwa als Konsultor der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und Berater der Schweizer Bischofskonferenz) und in der Gesellschaft, mit dem erklärten Ziel, den Antisemitismus als eine Sünde zu brandmarken, imponierte mir und es war mehr als eine Ehre, als ich auch beruflich nach Luzern gelangte, wo ich dieses Institut für ein Jahr leiten durfte. Damals habe ich Clemens als einen Menschen erlebt, der mit allem Herzblut mit dem Institut verbunden war, mit den damit verbundenen Ideen, mit dem Anliegen, das er und nur er in authentischer Weise zu vertreten meinte.
Seine Arbeit an den Gleichnissen, die ihn vor allem mit seinem jüdischen Kollegen Simon Lauer verband, war allseits gegenwärtig, ebenso wie sein Engagement für die von ihm mitbegründete Theologische Realenzyklopädie oder die Judaica et Christiana und den Freiburger Rundbrief. Als man mich einmal bei einer Fernsehsendung fragte, ob ich ein Buch empfehlen könnte, war es Clemens Thomas "Messiasprojekt", das mich zu einer langen Beschäftigung mit dem Thema Messias anregte, die ich schriftlich bisher nie abschloss oder gar veröffentlichte.
In Ansätzen hat sich damals leider schon die Krankheit bemerkbar gemacht, wie ich erst einige Jahre später wirklich bewusst registrierte. Stimmungsschwankungen, Aufbrausen und gelegentlich auch harte Worte vermochte ich erst im Nachhinein loszulösen von einer Person, die auf die Versöhnung von Juden und Christen, auf das Verbindende schaute und die christliche Theologie durch das Judentum zu bereichern suchte. Mit Kurt Schubert im Jahr 2007 und mit Clemens Thoma jetzt sind zwei Persönlichkeiten verstorben, die in Österreich und der Schweiz ein geändertes Bewusstsein für das Judentum geprägt haben.

Gerhard Langer, Institutsvorstand Institut für Judaistik, Universität Wien

BEGEGNUNG MIT DEM JUDENTUM

Wien. Etwa 50 Personen nutzten die Chance zur Begegnung mit dem Judentum beim Ökumene-Fachtag des Vikariats Wien-Stadt der Erzdiözese Wien. Er fand am 3. November 2011 in der röm.kath. Pfarre Am Tabor in Wien Leopoldstadt statt und wurde gemeinsam mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gestaltet.

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MICHAEL STAIKOS (1946-2011)

Mit höchster Wertschätzung gedenkt der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit des verstorbenen Metropoliten Erzbischof Dr. Michael Staikos.

Unter seinem Vorsitz beschloss der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich, alljährlich den 17. Jänner als "Tag des Judentums" zu begehen. Am 17. Jänner 2010 erinnerte er aus diesem Anlass in der rumänisch-orthodoxen Kirche Wien Simmering daran, dass ein Christentum ohne Bezugnahme auf seine jüdische Grundlage wie "ein Baum ohne Wurzeln" sei. Das liturgische Beten der Orthodoxie sei zutiefst vom Alten Testament geprägt. Mit Recht habe der Heilige Athanasios von Alexandrien verlangt, dass jeder aus der Kirche ausgeschlossen werden sollte, der "das Alte Testament vom Neuen Testament trennen möchte". Staikos unterstrich die Bedeutung des intensiv gepflegten Dialogs zwischen der orthodoxen Kirche und dem Judentum. Der Dialog dürfe aber nicht nur auf der Ebene theologischer Kommissionen geführt werden, er müsse auch das Volk einbeziehen.
Seine persönliche Überzeugung war, dass es ganz generell keine Alternative zum Dialog gibt: "Der echt geführte Dialog kann immer helfen und erst dann noch mehr, wenn die Beziehungen der Partner oder der Gegner in tieferen Krisen geraten. Deshalb halte ich auch nichts davon, wenn manche immer wieder mit dem Abbruch der Gespräche und es Dialogs drohen, wenn die Situation oder Beziehungen kritischer werden. Wenn der Dialog verweigert wird, ist die friedliche Koexistenz der Menschen ernsthaft gefährdet."
Wir verlieren mit Metropolit Michael wichtigen einen Weggefährten des christlich-jüdischen Dialogs, dem die Erneuerung der Kirchen aus dem Geist christlich-jüdischer Begegnung ein ernsthaftes Anliegen war. Und wir sind stolz darauf, dass für ihn unsere Initiative in dieser Richtung bedeutsam war: "Das Gespräch des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich mit den Juden ist auch ein Ergebnis dieser mühevollen Arbeit des Koordinierungsausschusses, durch welchen auch die Orthodoxe Kirche in Österreich den Weg zum hiesigen Judentum gefunden hat", würdigte Meropolit Michael 2006 zum 50-Jahr-Jubiläum des Koordinierungsausschusses unsere Zusammenarbeit.

"Als einer, der den Metropoliten seit seiner Ankunft in Wien vor fast fünfzig Jahren kennt, bin ich voll Trauer", erklärt Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle. Der Tod Staikos' ist "ein großer Verlust für die Orthodoxe Kirche, die Ökumene, für Österreich und darüber hinaus".

ICCJ KONFERENZ 2011 IN KRAKAU

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Anfang Juli fand die Jahreskonferenz 2011 des Internationbalen Rats der Christen und Juden ICCJ in Krakau statt. Das Thema: "Religionen und Ideologien - Polnische Perspektiven und mehr".
Sabine Maurer, Helga Schwarzinger, Willy Weisz und Markus Himmelbauer waren die österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Lesen Sie hier den Bericht von Helga Schwarzinger auf der Website der Diözese Linz.
Weitere Berichte und Vortragsmanuskripte finden Sie auf der Website des ICCJ.
 
Bei der Generalversammlung wurde Deborah Weissman für weitere drei Jahre im Amt als Präsidentin des ICCJ bestätigt. Die nächste Jahrestagung des ICCJ soll vom 1. bis 5. Juli 2012 in Manchester/England stattfinden, 2013 in Aix-en-Provence in Frankreich.

NORBERT HÖSLINGER (1930-2011)

Prof. Dr. Dr.hc Norbert Höslinger, Augustiner-Chorherr des Stifts Klosterneuburg und Ehrenvorstandsmitglied des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, ist am 1. April 2011 im 81. Lebensjahr verstorben. Die Verankerung des christlich-jüdischen Dialogs im Gottesdienst war sein großes Anliegen.mehr …

INTERRELIGIÖSER DIALOG

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INTERRELIGIÖSER DIALOG
Der Warschauer Mathematiker und Philosoph Stanislaw Krajewski sprach am 22. März 2011 im Rahmen der Generalversammlung des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit über „Die Philosophie des interreligiösen Dialogs und das Judentum“.mehr …

GENERALVERSAMMLUNG 2011

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Bei der Generalversammlung 2011 am 22. März blickte der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf zwei erfolgreiche Jahre zurück.mehr …

DAS ALTARBILD DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN VOITSBERG

Voitsberg. Dem Altarfresko in der evangelischen Kirche in Voitsberg in der Steiermark war am 19. Jänner 2011 ein Vortragsabend mit anschließender Diskussionsmöglichkeit gewidmet.

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ERNST DEGASPERI: FREUND ISRAELS UND DES JUDENTUMS

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Wien. Am Donnerstag, 20. Jänner 2011 luden der Katholische Akademikerverband - Forum Zeit und Glaube und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu einer Ausstellung mit Werken von Ernst Degasperi ins Otto Mauer Zentrum.
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EIN HAUS FÜR ALLE VÖLKER

Gottesdienst zum Tag des Judentums 2011 in Graz.
 
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"Ein Haus für alle Völker" lautete das Thema des Gottesdienstes zum Tag des Judentums am 17. Jänner 2011 in der evangelischen Heilandskirche Graz. Profesdssin Irmtraud Fischer hielt dabei die Predigt. Sie sprach davon, dass nach der Hebräischen Bibel die Völker Zugang zum Heil durch Israel erhalten. Im ausgewählten Predigttext Jesaja 19,18-25 wage sich der Prophet sehr weit vor, wenn er in einer Art Vision die Völker Assur und Ägypten, die traditionell feindlichen Nachbarn Israels, jeweils als Volk des Gottes Israels bezeichne. Die Christenheit als eines der „Völker“ könne nur hoffen, dass sie in dieses Heil vermittelt durch Israel hineingenommen werde.

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MARKTWIRTSCHAFT UND JÜDISCH-CHRISTLICHE WERTE Von Jonathan Sacks

Wie die politischen Führer einander treffen, um Europa und den Euro zu retten, so sollten es auch die religiösen tun. Deswegen bin ich nach Rom gekommen, um unsere gemeinsamen Sorgen an der Universität Gregoriana und mit seiner Heiligkeit dem Papst zu besprechen.
Die Idee klingt absurd. Was hat Religion mit Wirtschaft zu tun oder Glauben mit Finanzinstitutionen? Die Antwort ist: Die Marktwirtschaft hat religiöse Wurzeln. Sie entstand in einem Europa, das mit jüdisch-christlichen Werten erfüllt war.
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PAULUS – BEGRÜNDER DES CHRISTENTUMS ODER GLÄUBIGER JUDE? Von John T. Pawlikowski OSM

Das Jubiläumsjahr 2008 zu Ehren des Dienstes und der Schriften des Apostel Paulus bietet den christlichen Kirchen eine Gelegenheit, ihre Standpunkte über seine Rolle in der Kirchengeschichte zu überprüfen. Über Jahrhunderte tendierte eine auf der Apostelgeschichte beruhende vorherrschende Überlieferung, das christliche Verständnis der paulinischen Sicht des Judentums und der Tora zu dominieren.
Diese vorherrschende Überlieferung beginnt mit dem endgültigen Bruch des Stephanus mit dem Judentum in Kapitel 7 der Apostelgeschichte. Dann beginnen bis Kapitel 11 so genannte jüdische Christen von dieser Überlieferung zu verschwinden. Später fallen diese dann im Anschluss an Vision des Petrus, durch die er überzeugt wurde, seine vorherige Zugehörigkeit zu jüdischer Observanz aufzugeben, ganz aus der Geschichte.
Von diesem Punkt an konzentriert sich diese vorherrschende Überlieferung ausschließlich um die Heiden als das neue Gottesvolk und das geographische Zentrum der Christenheit bewegt sich an Stelle von Jerusalem nach Rom. Auf diese Weise entstand ganz zu Beginn der Christenheit die Haltung der Kirche, das Judentum ist ersetzt und sogar widerrufen. Paulus gilt als der erste Bote dieser Lehre. Diese vorherrschende Überlieferung aus der Apostelgeschichte hat auch das katholische liturgische Leben beeinflusst, denn es dominiert die Lesungen während der Osterzeit.
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Franz Kangler CM EINE LANGE SCHMERZVOLLE GESCHICHTE

Gedenkfeier zum Jom haSchoa in der Aschkenasi-Synagoge in Istanbul
2. Mai 2011
 
Sehr geehrter Herr Oberrabbiner, geschätzte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde!

Ich spreche am heutigen Abend mit innerer Bewegung, weil ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Sie zur heutigen Gedenkfeier einen katholischen Priester, der noch dazu ein deutsch sprechender Österreicher ist, einladen.
Ich wurde 1950 geboren, einem Jahr, das nicht so weit entfernt ist vom schrecklichen Geschehen in Warschau. Und doch habe ich in meiner Kindheit und Jugend wenig von dieser Zeit, aber auch vom Judentum selbst gehört. Ich bin dabei in einer Tradition des Verdrängens aufgewachsen, in der man sehr gerne davon gesprochen hat, dass Österreich das erste Opfer Nazi-Deutschlands gewesen sei, und die vielen österreichischen Täter dieser Zeit nicht sehen wollte. Es hat einige Zeit gebraucht, bis in einem Teil meiner Heimat das Bewusstsein um gemeinsame Schuld, vor der man nicht davonlaufen darf, gewachsen ist.
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Nausner, Helmut MAGNIFIKAT

LK 1,46-55: BESINNUNG AM 25. MAI 2011 BEI DER ÖKUMENISCHEN MAIANDACHT IN WIEN-KAGRAN
 
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
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Höslinger, Norbert W. DIE PRAXIS DES CHRISTLICH-JÜDISCHEN DIALOGS

Zu Beginn drei Begebenheiten:
1 Eine Dame schlägt vor, im Bildungswerk über Judentum ein Referat halten zu lassen. Die Reaktion des Pfarrers: „Wie kommen Sie auf eine solche Idee?“
2 Nach einem Vortrag über christlich-jüdische Beziehung meldet sich ein Teilnehmer sofort zu Wort mit der Feststellung: „Einen Antisemitismus gibt es heute überhaupt nicht mehr.“ Darauf hin frage ich ihn: „Sind sie der Meinung, dass im Fernsehen sehr viele Juden beschäftigt sind?“ Er antwortet spontan: „Ja, viel zu viel!“
3 In der Slowakei hörte ich den Ausspruch: „Gut, dass wir von den Tschechen weg sind, in Prag regieren ja nur mehr Juden und Freimaurer…“
Auch bei uns kann man bei älteren Zeitgenossen ähnliche Äußerungen hören, so etwa: Die Juden haben das Geld der ganzen Welt in der Hand, sie bilden eine weltweite, unvergleichbare Lobby (Rückgabe!), sie benützen die Schoa für ihre Interessen. Manche äußern sich vorsichtig und sprechen von „gewissen Kreisen“ wenn sie „die Juden“ meinen.
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Himmelbauer, Markus 21 JAHRE OR CHADASCH EINE WÜRDIGUNG DER WIENER JÜDISCHEN REFORMGEMEINDE

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Für uns Christinnen und Christinnen gilt das Judentum als positives Beispiel gelebter Vielfalt. Es ist eine Glaubensgemeinschaft, in der Diskussion zum innersten Wesen gehört, in der es ohne formelles religiöses Oberhaupt dennoch eine Einheit in aller Unterschiedlichkeit gibt. Manche meinten sogar, es wäre das Besondere am Judentum, dass man einander das Jude-Sein trotz aller Gegensätze nicht abspreche – im Unterschied zu uns Christinnen und Christen. Nun, wer das Werden der Wiener Reformgemeinde Or Chadasch (Neues Licht) in Wien seit 1990 mitverfolgt hat, wird das wohl nicht mehr so einfach sagen können. Christlich wie jüdisch menschelt es und bisweilen fällt einem die Begegnung mit Gläubigen anderer Bekenntnisse anscheinend leichter als mit einer anderen Richtung innerhalb der eigenen Gemeinschaft, ja schwieriger gar der Dialog religiöser Jüdinnen und Juden untereinander als mit säkularen.mehr …

Weissman, Deborah INTERRELIGIÖSER DIALOG – EINE PERSPEKTIVE AUS ISRAEL

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Lassen Sie mich mit einer persönlichen Geschichte beginnen: 1993. Von dem Augenblick, in dem im Radio verlautbart wurde, dass Israel geheime Gespräche mit der PLO führt, bis zu dem berühmten Handschlag zwischen Rabin und Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses verstrichen gerade zwei Wochen.
Zu dieser Zeit führte ich ein Gespräch mit einem Kollegen, der Professor für Politikwissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem ist. Ich sagte zu ihm: „Sie wissen, dass ich auf diesen Moment seit Jahrzehnten gehofft, für ihn gebetet und auf ihn hingearbeitet habe. Aber nur 15 Tage von Erzfeindschaft zu Handschlag und einer unterzeichneten Verlautbarung im Weißen Haus? Ist das nicht ein bisschen schnell? Brauchen die Menschen auf beiden Seiten nicht Zeit, um ihre Ängste zu überwinden, um ihre Vorurteile abzubauen und um einander als menschliche Wesen kennenzulernen? Wäre es nicht besser gewesen, den Menschen zu sagen, dass wir uns in einem Prozess befinden und dann mit ihnen diesen Prozess zu durchleben – indem Palästinenser eingeladen würden, in israelische Medien, Schulen, Synagogen und Gemeindezentren zu sprechen und Israelis in palästinensischen Medien, Schulen, Kirchen und Moscheen auftreten könnten. Wäre es nicht besser gewesen, es hätte Gespräche gegeben, und dann, nach einigen Monaten, hätten sich die Führer treffen und Hände schütteln können?“mehr …

10 THESEN VON SEELISBERG

Im August 1947 verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer internationalen "Dringlichkeitskonferenz gegen den Antisemitismus" in den "10 Thesen von Seelisberg" einen Forderungskatalog an die Kirchen. Es werden jene Themen genannt, die in Predigt und Katechese einer Aufarbeitung brauchten, um durch eine sachgerechte Darstellung des Judentums in Zukunft keinen Nährboden mehr für jegliche Form der Judenfeindschaft zu bieten.mehr …

MARTIN LUTHER UND DAS JUDENTUM

Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ)


Herausforderungen für die Lutherischen Kirchen heute

Die lutherischen Kirchen begehen im Jahr 2017 den 500. Jahrestag der Reformation. Dies ist Anlass, auch Martin Luthers Verhältnis zum Judentum erneut zu bedenken.mehr …

KONSULTATION: 10 JAHRE „KIRCHE UND ISRAEL“

Leuenberger Texte 6

Vom 17. bis 19.6.2011 fand im Martin-Niemöller-Haus in Schmitten-Arnoldshain, Deutschland, die Konsultation „"Kirche und Israel“ - Eine Bestandsaufnahme“ statt. Anlass der Konsultation, zu der die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eingeladen hatte, war das zehnjährige Jubiläum der Studie „Kirche und Israel“, die sich die 5. Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft (heute GEKE) am 24. Juni 2001 in Belfast einstimmig zu eigen gemacht hatte. Die 38 Teilnehmenden aus 20 Mitgliedskirchen der GEKE in 10 europäischen Ländern tauschten sich über die Rezeption der Studie „Kirche und Israel“ und über den Stand der jüdisch-christlichen Beziehungen in ihren Kirchen aus und verabschiedeten die folgende Erklärung. mehr …

KRITIK AN "TAL DER WÖLFE - PALÄSTINA"

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit kritisiert die Aufführung des türkischen Films "Tal der Wölfe". "Die Freiheit der Kunst und Fiktion haben dort ihre Grenze, wo rassistische, antisemitische Stereotypen präsentiert werden und alte Vorurteile neue Nahrung erhalten", sagt Koordinierungsausschuss Präsident Prof. Helmut Nausner. In der gewalttätigen Actionstory, die den Gaza-Flottenzwischenfall behandelt, werden Klischees wie jenes von der jüdischen Weltverschwörung verwendet. Die Rolle von Hamas und der türkischen IHH wird verherrlicht, die Existenz des Staates Israel in Frage gestellt.mehr …

"FEKTERS AUSSAGE IST UNGEHEUERLICH UND VERANTWORTUNGSLOS."

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit kritisiert die Äußerungen von Finanzministerin Fekter

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit kritisiert aus Schärfste die Äußerungen von Finanzministerin Maria Fekter, die einen Zusammenhang zwischen "Juden" und "Reichtum" herstellen. "Diese Stereotypen sind antisemitisch und fördern Antisemitismus", sagt Professor Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses: "Fekters Aussage ist ungeheuerlich und verantwortungslos." mehr …

HEDWIG WAR KLUG UND HATTE EIN GROSSES HERZ

Ich erinnere mich lebhaft an Gespräche mit Sr. Hedwig, besonders zur Zeit, als sie das ICCJ Education Committee leitete. Sie sagte mir oft, dass ihre eigene Lebenserfahrung sie höchst sensitiv besonders auf dem Gebiet des Denkens und Umdenkens machte.
Aber mit Hedwig konnte man auch viel Spass haben. Ich war einige Male in Wien zu Veranstaltungen der „Aktion gegen den Antisemitismus“, der damaligen Mitgliedsorganisation des Internationalen Rats der Christen und Juden ICCJ. Der damalige Vorsitzende war vehement uneinig mit ihr. Er sagte, dass man „gegen“ etwas sein und das bezeugen muss, nicht „für“ etwas. Das klinge ja wie Mutterliebe oder Sorge um misshandelte Kinder oder wie Werbung für Apple Pie. Hedwig nahm den Kampf um den Titel der Organisation auf, indem sie sagte sie sei „gegen“ festgefahrene Vorstellungen, was der Herr ein wenig übel nahm.mehr …