2020

Auch in Österreich weiter Kritik an EuGH-Urteil zum Schächten

Nach dem jüngsten EuGH-Urteil zu rituellen Schlachtungen fordert der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit die heimische Politik auf, an den in Österreich geltenden Regelungen zum Schächten festzuhalten. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, "den europäischen Staaten zu gestatten, der Religionsfreiheit einen geringeren Wert zuzumessen als einem angenommenen Tierschutz, gibt Anlass zu großer Sorge, dass sich damit ein Schächtverbot, welcher Art auch immer, innerhalb der EU ausbreiten könnte", heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen Schreiben des Koordinierungsausschuss-Präsidiums an die Klubobleute der Parlamentsparteien.

In Österreich ist das Schächten mit Einschränkungen erlaubt. Die heimische Rechtslage beruhe auf einem Ausgleich zwischen den Ansprüchen des Tierschutzes und der Religionsfreiheit, erklären die Präsidiums-Mitglieder Martin Jäggle, Margit Leuthold und Willy Weisz. Unter Bedingungen, die das Tierleid bestmöglich minimierten und trotzdem den religiösen Notwendigkeiten gerecht würden, sei Schächten erlaubt. Auch habe der Verfassungsgerichtshof bereits festgestellt, dass ein Schächtverbot verfassungswidrig wäre, erinnern die Koordinierungsausschuss-Vertreter. "Wir erwarten, dass die im Parlament vertretenen Parteien sich weiterhin dafür einsetzen, dass Schächten in Österreich unter Einhaltung der festgelegten Auflagen auch weiterhin möglich ist", halten sie in dem Schreiben an die Klubobleute fest.

Hintergrund ist eine EuGH-Entscheidung vom 17. Dezember. Basierend auf einem Rechtsstreit um eine staatlich verordnete Beschränkung zum Schächten in der belgischen Region Flandern, entschieden die Luxemburger Richter, dass EU-Länder eine Betäubung von Tieren auch im Rahmen religiöser Schlachtungen vorschreiben dürfen.

In der EuGH-Entscheidung heißt es, dass eine Vorschrift zur Betäubung der Tiere zwar die Ausübung der Religionsfreiheit einschränke. Mit Verweis auf den Tierschutz sei dies aber verhältnismäßig. Konkret sieht das Gericht im flämischen Schächtverbot ein "angemessenes Gleichgewicht" zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit. Auch beziehe sich die Einschränkung nur auf einen Aspekt der rituellen Handlung und verbiete nicht die Schlachtung insgesamt. Das flämische Dekret erlaube zudem, rituell geschlachtetes Fleisch zu importieren und vor Ort zu verkaufen.

Scharfe Kritik übte schon unmittelbar nach Bekanntwerden der EuGH-Entscheidung die Europäische Rabbinerkonferenz (CER). Sie sieht das Recht auf freie Religionsausübung in Gefahr. Die jüdische Gemeinde in Europa müsse sich "einmal mehr die Frage stellen, ob sie in Europa wirklich willkommen ist", erklärte der CER-Präsident und Moskauer Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt. Das flämische Dekret habe einen Präzedenzfall geschaffen, der bereits spürbare Folgen für die jüdische Gemeinde Belgiens habe. So sei es während der Corona-Pandemie zu Versorgungsengpässen gekommen. Zu befürchten sei, dass nun jüdische Gemeinden in ganz Europa Auswirkungen des Urteils "zu spüren bekommen".

Ähnlich äußerte sich die orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD). "Mit dem Argument, das Wohl des Tieres habe Vorrang vor religiösen Praktiken, wird religiösen Minderheiten das Leben noch schwerer gemacht als zuvor und die ihnen bislang garantierte Religionsfreiheit wesentlich eingeschränkt." Zudem sei das religiöse Schlachten in der EU bereits stark reguliert.


Quelle: Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at)

Chanukka - Weihnachten

Die Sehnsucht nach Licht

Meist vor, aber, wenn auch seltener, zugleich mit oder nach dem Weihnachtsfest, feiern die Juden Chanukkah (deutsch: Einweihung) zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels zu Jerusalem, nachdem er durch die Errichtung einer Zeusstatue und die Opferung rituell unreiner Tiere durch die griechisch-seleukidischen Besatzer entweiht worden war. Im Zentrum des Fests steht wie beim Weihnachtsfest das Licht, das die Finsternis beiseite schiebt. Öllichter oder Kerzen, deren Flammen nur um ihres selbst willen, nicht zur allgemeinen Beleuchtung brennen.

Nach einem Jahr, das durch die Pandemie gekennzeichnet ist, kommen wir den Hoffnungslichtern besserer Therapien und sogar einer Schutzimpfung immer näher, sodass wir erwarten können, bald der psychischen Finsternis der von Politik und Wissenschaft eingeforderten Isolation selbst von den Nächsten zu entrinnen, ohne irgend eines Menschen Gesundheit zu gefährden.

In diesem Sinne wünscht der Vorstand des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Chanukkah sameach
und
ein gesegnetes Weihnachtsfest

sowie ein gutes, insbesondere gesundes Jahr 2021.

Der mögliche Dialog

FUCH_WIEN_1201_29_X

FUCH_WIEN_1201_30_X

Wir laden ein, zu einem stillen persönlichen Gedenken

Worte des Gedenkens auf Facebook hier posten.
„Gedenken der Novemberpogrome 1938“

Novemberprogrome Predigt von Regina Polak 9.11.2020

Wie ist das möglich – mehr als sieben Jahrzehnte nach der Schoah?
Wie kann nach der Erschütterung der Menschheit durch die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden das Gift des Antisemitismus erneut die menschliche Zivilisation zersetzen?
Warum ist diese Drachensaat bis heute nicht ausgerottet?
https://www.youtube.com/watch?v=czFOSyGT7Gk

mehr …

Dieses Mal ist es anders: Novemberpogrom-Gedenken 2020

Erklärung des Präsidenten des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Martin Jäggle, zum Jahrestag der NS-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung am 9. November – „Gedenken ist nicht abgesagt“

Der Vorsitzende des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Martin Jäggle, hat in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung zum Jahrestag der NS-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung am 9. November 1938  auf die besonderen Bedingungen dieses Gedenkens „zwischen Terror und Pandemie“ verwiesen. Der November-Pogrome zu gedenken, bedeute zugleich, Wert und Würde eines jeden Menschen zu respektieren.  Ebenso bedeute dieses Gedenken, alles zu tun, damit jüdische Menschen in Österreich in Sicherheit, in Würde und Wertschätzung leben können.

Die Erklärung von Prof. Jäggle hat folgenden Wortlaut:

Das Gedenken an die Novemberpogrome des NS-Regimes vom 9. November 1938 findet dieses Jahr im Schatten des Attentats im Umfeld des Wiener Stadttempels und unter den Bedingungen der Pandemie statt.
Das Attentat schockiert uns, die Opfer machen uns betroffen und das Leid der Angehörigen ruft nach unserer Anteilnahme. Umso ermutigender sind die vielen Zeichen der Verbundenheit, besonders der Repräsentanten der Kirchen und Religionsgesellschaften, aber auch die Worte, die Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz gesprochen haben. Der Österreichischen Ordenskonferenz ist zuzustimmen: „Stehen wir ein für ein offenes Wien, für eine Stadt, die sich nicht fürchtet, sondern zusammenhält. In Gebet oder Gedenken verbinden wir uns mehr, als dass Hass uns zu trennen vermag!“
Die Bedingungen der Pandemie führten zur Absage fast aller Veranstaltungen zum Gedenken der Novemberpogrome. Ebenso kann der ökumenische Gottesdienst in der Kirche St. Ruprecht, die direkt am Tatort des Attentats liegt, nicht stattfinden. Doch damit ist und darf das Gedenken nicht abgesagt sein.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Synagogen im ganzen damaligen Deutschen Reich NS-Herrschaftsbereich zerstört, auch in Österreich brannten die jüdischen Gebetshäuser. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet, 6.547 jüdische Wiener wurden verhaftet. Die Novemberpogrome 1938 waren der Auftakt zur Shoah, in der sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet worden sind. Was staatlich organisiert war, hatte im tiefverwurzelten gesellschaftlichem Antisemitismus und Judenhass seinen Rückhalt.

Die Zerstörung der Synagogen, der jüdischen Orte des Gebetes, des Gottesdienstes, der Versammlung und des Lernens, sollte auch die jüdischen Gemeinden zerstören. Zu oft werden Beschädigungen jüdischer Einrichtungen unter Sachschäden bagatellisiert, sie sind aber Aggressionen auf jüdisches Leben, das gedemütigt, herabgewürdigt und möglichst klein gehalten, gestört und zerstört werden soll. Ähnliches gilt auch für Beschädigungen von Kirchen und Moscheen, erst Recht von Attentaten in diesen.

Im Jahre 2020, im Schatten des Attentats von Wien und unter den Bedingungen der Pandemie, ist das Gedenken der Novemberpogrome in besonderer Weise in die Verantwortung der Einzelnen gestellt. Die ökumenische Initiative „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ lädt zu einem stillen persönlichen Gedenken ein:
- Worte des Gedenkens auf den Blog „Gedenken der Novemberpogrome 1938“ zu posten.
- Die Lesungen aus der Bibel zu hören (oder zu lesen): Ex 20,1-17
- Die Gedanken von Prof. Regina Polak dazu zu hören
- Orte, an denen es früher jüdisches Leben gab (Synagogen, Steine des Gedenkens etc.)  im Laufe des Tages in aller Stille und allein aufzusuchen.
- Beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah am Judenplatz eine Kerze zu entzünden.
Alle Informationen sind zu finden auf www.christenundjuden.org. Die Möglichkeit zum Posten und die Audiofiles gibt es dort am 9. November 2020.

Gedenken des Vergangenen in der Gegenwart ist stets auf Zukunft gerichtet, sonst bleibt das „Nie wieder!“ hohles Pathos. Der Novemberpogrome zu gedenken, bedeutet zugleich, Wert und Würde eines jeden Menschen zu respektieren. Im Talmud heißt es: "Jeder einzelne soll sich sagen: Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich.“

Österreich braucht noch mehr Anstrengungen, ein aktiv offenes und einander wertschätzendes Zusammenleben zu gestalten und allen Polarisierungen eine Absage zu erteilen. Dringend erforderlich sind Schritte, wie sie das aktuelle Regierungsprogramm „Verantwortung für Österreich“ vorsieht, das erstmals den Kampf gegen Antisemitismus als politische Querschnittmaterie etabliert hat. Leider fehlt bisher dafür ein konsistentes konkretes Durchführungskonzept.
Jüdisches Leben ist ein unverzichtbarer Teil von Österreich. Dass es nach der Shoah wieder aufgeblüht ist, macht uns dankbar und verantwortlich, alles zu tun, damit jüdische Bürgerinnen und Bürger nicht nur in Sicherheit, sondern auch in Würde und Wertschätzung leben können.

Baruch Dajan haEmet (Gepriesen sei der wahrhaftige Richter)

Mit diesen Worten leiten Juden die Nachricht über das Ableben eines Menschen ein. Dass dies beim Einschalten elektronischer Medien nach Ende des Schabbat gleich doppelt angezeigt wurde, schockierte die jüdische Welt: Zwei der bedeutendsten Rabbinerpersönlichkeiten haben diese Welt verlassen.
Am Freitag, den 6. November, verstarb im Alter von 91 Jahren Rabbiner Dovid Feinstein, s“l, der Sohn des Gedol haDor, des Großen der Generation, Rabbiner Moshe Feinstein, s“l, und dessen Nachfolger als Leiter der Yeshiva Mesivtha Tifereth Jerusalem in Manhattan. Er war ein Gelehrter und produktiver Schreiber. Er war ein Mann weniger Worte, aber ein Possek, Dezisor, der bedeutende bindende Entscheidungen für das jüdische Leben getroffen hat.
Am Tag darauf wurde das Ableben von Rabbiner Lord Jonathan Saks, s“l, im Alter von 72 Jahren bekanntgegeben. Er war von 1991 bis 2013 Oberrabbiner der United Hebrew Congregations of the Commonwealth. Sein schriftliches Werk umfasst sowohl innerjüdische Themen, von der Herausgabe eines Siddur, eines Gebetsbuchs für alle Tage, mit neuer englischer Übersetzung und Kommentaren zu theologischen und philosophischen Abhandlungen, u.A. zu den Wochenlesungen der Torah, als auch Texte zum interreligiösen Dialog. Bei letzterem ging es ihm insbesondere um den Respekt für die nicht zu versteckenden Unterschiede zwischen den Religionen, damit das Zusammenleben funktionieren kann, wie in The Dignity of Difference. Andrerseits scheute er auch nicht die Konfrontation innerhalb des Judentums sowohl mit dem ultra-orthodoxen wie mit dem reformatorischen Flügel, wenn er es für gerechtfertigt hielt.
Im Unterschied zu Rabbiner Feinstein war Rabbiner Sacks ein Mann des Wortes, das er in vielen religiösen wie politischen Vorträgen feinsinnig und als Virtuose der englischen Sprache treffend einzusetzen wusste.
Beide Rabbiner waren begnadete Lehrer und, wie der hebräische Ausdruck für einen Torah-Gelehrten lautet, Talmidei chachamin, gelehrte Schüler, die nie aufhörten zu lernen.
Ohne diese beiden Geistesgrößen ist die jüdische Welt ein Stück ärmer geworden.

Yehi sichram baruch – ihr Andenken sei gesegnet

Hinweis: s“l steht für sichrono liwracha und bedeutet möge sein Andenken zum Segen sein

MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT

In großer Betroffenheit und Trauer gedenken wir der Opfer des Terroranschlags der vergangenen Nacht. Deren Angehörigen gilt unsere tiefe Verbundenheit. In Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft, die in solchen Situationen stets besonders bedroht ist, laden wir gerade jetzt zum Gedenken der Novemberpogrome 1938 ein.
Fast alle im Rahmen der Bedenktag-Reihe „MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT“ vorbereiteten Veranstaltungen und Gottesdienste zum Gedenken an die Novemberpogrome müssen heuer wegen der verschärften Regeln zur Eindämmung des Coronavirus abgesagt werden. Damit ist aber das Gedenken nicht abgesagt.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im ganzen Deutschen Reich, also auch in Österreich, die Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Die Nationalsozialisten gaben diesem Tag den euphemistischen Ausdruck "Reichskristallnacht". Mit dem Novemberpogrom radikalisierten sie die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung.
Der 9. November 2020 gibt allen die Möglichkeit zum Gedenken an diese Novemberpogrome - auch in Dankbarkeit für das wieder möglich gewordene jüdische Leben.

Wir laden ein, zu einem stillen persönlichen Gedenken
Worte des Gedenkens auf den Blog „Gedenken der Novemberpogrome 1938“ zu posten.
Die Lesungen aus der Bibel zu hören (oder zu lesen): Ex 20,1-17
Die Gedanken von Prof. Regina Polak, dazu zu hören (oder zu lesen)
Orte, an denen es früher jüdisches Leben gab (Synagogen, Steine des Gedenkens etc.) im Laufe des Tages in aller Stille und allein aufzusuchen.
Beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah am Judenplatz eine Kerze zu entzünden.
Alle Informationen sind zu finden auf www.christenundjuden.org. Die Möglichkeit zum Posten und die Audiofiles gibt es dort am 9.11.2020 .
Stattfinden kann – als Online-Veranstaltung – das Podiumsgespräch Trügerische Sicherheit: Sinn und Unsinn von Verschwörungstheorien mit der Philosophin Caroline Heinrich, dem Judaisten Armin Lange und Giulia Silberberger von „Der goldene Aluhut“. Mittwoch, 11. November, 19 Uhr, Infos dazu: www.evang-akademie.at
MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT ist eine gemeinsame Initiative von röm.-kath. Gemeinde St. Ruprecht, Wien, Albert-Schweitzer-Haus – Forum der Zivilgesellschaft, Evangelische Akademie Wien, Evangelische Hochschulgemeinde Wien, Forum Zeit und Glaube – Katholischer Akademikerverband Wien, Die Furche, Katholische Aktion Österreich, Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Theologische Kurse Wien.

Heilung von Corona (Yuval Katz)

Heute feiern Juden und Jüdinnen weltweit Jom Kippur, den Tag der Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Yuval Katz, Geschäftsführer des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, gibt Einblicke in die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das jüdische Leben in Israel und in der Diaspora.

Eine jüdische Beisltour

„Gefillte Fisch und Soja-Latte“. Koscheres Essen zwischen den jüdischen Feiertagen Rosch Haschana und Jom Kippur

Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Superintendent i.R. Pastor Lothar Pöll 5.12.1951 - 16.9.2020

Nachruf
Wenn etwas von uns fortgenommen wird ...
Denn wenn etwas uns fortgenommen wird, womit wir tief und wunderbar zusammenhängen, so ist viel von uns selber mit fortgenommen. Gott aber will, dass wir uns wiederfinden, reicher um alles Verlorene und vermehrt um jeden unendlichen Schmerz.
(Rainer Maria Rilke)

Kennengelernt habe ich Lothar Pöll, als mir als Krankenhauspfarrerin die Aufgabe gestellt wurde, in einem Team von ganz unterschiedlichen Beteiligten aus Kirche, Medizin und Selbsthilfegruppen einen ökumenischen Dankgottesdienst für Organ-transplantierte Menschen und ihre Angehörigen vorzubereiten und zu gestalten. Die Herausforderung einer angemessenen liturgische Gestaltung war groß, in der Betroffene, aber auch Angehörige und Trauernde zu Wort kommen sollten, in der sich Medizin, Nachsorge, aber auch die Dynamiken der unterschiedlichen Selbsthilfegruppen und schließlich auch die Krankenhausseelsorge einbringen wollten.
Ich bat damals Lothar Pöll, sich als Pastor der Methodistischen Kirche in dieser Ökumene zu beteiligen, denn ich empfand meine Erfahrung als zu gering, meine Rolle als Seelsorgerin ohne Auftrag auf den Transplant-Stationen zu unklar. Er bat um Bedenkzeit und entschied sich gegen eine „professionelle“ Teilnahme als Pastor. Ohne seine Frau Helga, die ihm ihre Niere gespendet hatte, wäre er nicht mehr am Leben. Deshalb wäre es für ihn falsch, nun nur aufgrund seiner Funktion als Pastor ohne sie in der Reihe der Gottesdienstleitenden zu stehen. Beide aber wollten sich nicht mit ihrer persönlichen Entscheidungsgeschichte exponieren, denn diese sei individuell zu sehen und sie wollten niemanden zu ähnlicher Bereitschaft drängen oder beschämen, es nicht getan zu haben.
Lothar und Helga Pöll nahmen an allen TRANSPLANT-Gottesdiensten teil und haben mich über all die Jahre, in denen diese Gottesdienste ökumenisch stattfanden, immer wieder gestärkt und motiviert, als Evangelische Seelsorgerin dabei zu sein.
Diese Begegnung ist glaube ich, charakteristisch für Lothar Pöll: Er hat aus seiner Krankheit kein großes Thema gemacht, sondern war bedacht, besonnen, unaufgeregt und hat das Notwendige gesehen und getan. Er war ein „Ihr-Gegenüber“ für Helga Pöll, seine Frau. In der Begegnung mit ihm bekam Gottes Menschenfreundlichkeit ein Gesicht. Unter seiner Zeit als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen erhielt der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit seinen Status als Beobachter in diesem Gremium. Eine ganz wichtige Integration, denn seit dieser Zeit werden die Anliegen des Christlich-jüdischen Gespräches in der großen Ökumene in Österreich verlässlich gehört.
Liebe Helga, Dir und Deiner Familie gilt unsere Anteilnahme und auch unseren Geschwistern in der evangelisch-methodistischen Kirche.
Pfarrerin Dr. Margit Leuthold, für den Vorstand des Koordinierungsausschusses für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Grazer Theologin posthum als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt

Margarete Hoffer half verfolgten Juden - Ehrung durch Staat Israel in Grazer Synagoge

Graz (epdÖ) – Die im Jahr 1991 verstorbene Grazer evangelische Theologin Margarete Hoffer bewies in der NS-Diktatur Zivilcourage und riskierte ihr Leben, um jüdische Mitbürger zu retten. Dafür wurde sie 2012 von der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Am Dienstag, 15. September, wurde sie in einer Zeremonie der Israelischen Botschaft auch in der Grazer Synagoge posthum geehrt.

Grußwort Rosh Hashana

Tanz den Frieden

Tanz den Frieden!_Flyer_mail

Maimonides Lectures

Programmfolder-11-Maimonides-Lectures-final

Programmfolder-11-Maimonides-Lectures-final 2

Stellungnahme des Vorstandes zu den antisemitischen Vorfällen in Graz

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wird die Synagoge in Graz beschmiert, in der Nacht von Freitag auf Samstag werden ihre Fenster beschädigt, am Abend des Samstag wird Elie Rosen, der Repräsentant der jüdische Gemeinschaft in Graz, attackiert.
Das erste Mal in der Geschichte der Zweiten Republik wurde ein hochrangiger Funktionär der Israelitischen Kultusgemeinde körperlich attackiert. Es sollte ein Warnzeichen sein.
Wir sind über diese Entwicklung sehr betroffen und empört. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt der jüdischen Gemeinschaft in Graz und besonders Elie Rosen.
Zu oft werden Beschädigungen jüdischer Einrichtungen unter Sachschäden bagatellisiert, sie sind aber Aggressionen auf jüdisches Leben, das gedemütigt, herabgewürdigt und möglichst klein gehalten, gestört und zerstört werden soll. Die Ereignisse in Graz führen dies erschreckend vor Augen.
Die öffentlichen Stellungnahmen aus Politik, Kirchen und Religionsgemeinschaften sind höchst erfreulich auch in ihrer Verurteilung des Antisemitismus. Doch dringend erforderlich sind Schritte, wie sie das aktuelle Regierungsprogramm „Verantwortung für Österreich“ vorsieht, das erstmals den Kampf gegen Antisemitismus als politische Querschnittmaterie etabliert hat. Leider fehlt bisher dafür ein konsistentes Durchführungskonzept.
Es braucht aber auch eine tiefgreifende und wahrscheinlich schmerzliche Auseinandersetzung mit den geschichtlichen (Ab)Gründen von Familien und Gesellschaft, die Antisemitismus gedeihen ließen und lassen.
Dass am selben Tag die Errichtung der „Marko-Feingold-Gastprofessur zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Ursachenforschung von Antisemitismus“ an der Universität Salzburg bekannt gegeben worden ist, zeigt, dass der Handlungsbedarf auf vielen Ebenen erkannt worden ist.
Ein beeindruckendes und ermutigendes Zeichen setzten jene Menschen in Graz, die im strömenden Regen am Samstagabend vor der Synagoge Wache standen. Wir danken Ihnen ganz besonders, fragen aber, warum die Polizei nicht schon davor präsenter war?
Österreich braucht noch mehr Anstrengungen, ein aktiv offenes und einander wertschätzendes Zusammenleben zu gestalten und den Polarisierungen eine Absage zu erteilen.
Jüdisches Leben ist ein unverzichtbarer Teil von Österreich. Dass es nach der Shoa wieder aufgeblüht ist, macht uns dankbar und verantwortlich, alles zu tun, damit jüdische Bürgerinnen und Bürger nicht nur in Sicherheit, sondern auch in Würde und Wertschätzung leben können.
Dafür setzt sich der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit seit über 60 Jahren ein.

Im Namen des Vorstandes
Univ.Prof. i. R. Dr. Martin Jäggle
Präsident

Ruf nach klarem Konzept in Kampf gegen Antisemitismus

Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit forderte weitere Schritte von Regierung - Erste körperliche Attacke auf einen hochrangigen Funktionär der Israelitischen Kultusgemeinde in Geschichte der Zweiten Republik ein klares "Warnzeichen"mehr …

Grazer Komitee

graz_stellungnahme20mehr …

Brief von Kardinal Schönborn an die jüdischen Gemeinden in Österreich zur 350 Jahre wiener Gezera

Ein trauriges und beschämendes Datum veranlasst mich, Ihnen zu
schreiben. Am 26. Juli 1670, also vor genau 350 Jahre, mussten auf
Befehl von Kaiser Leopold I. alle Juden Wien verlassen haben.
Antijüdische Randale besonders der Wiener Studentenschaft, die Agitation
von Geistlichen und von Bischof Leopold Karl von Kollonitsch,
Unglücksfälle, für die ungerechterweise Juden verantwortlich gemacht
wurden, die judenfeindliche Einstellung der Frau von Kaiser Leopold I.,
Margarita Teresa, wie auch die eines großen Teils der Wiener Katholiken
und letztlich die Entscheidung einer kaiserlichen Kommission führten zu
den Ausweisungsdekreten des Kaisers. An der Stelle der großen Synagoge
des Ghettos im Unteren Werd wurde die Leopoldskirche im heutigen 2.
Bezirk, der Leopoldstadt, errichtet. Ein sehr kleiner Trost mag der
Gedanke sein, dass in den düsteren Jahren des NS-Terrors von 1938-1945
der damalige Seelsorger von St. Leopold, Pfarrer Alexander Poch, ständig
bemüht war, jüdischen Menschen zu helfen und deshalb im Visier der
Gestapo war.

Diese 2. Wiener Gesera genannte Vertreibung der Wiener Judenschaft und
die Zerstörung der jüdischen Gemeinde 1670 waren eine Katastrophe für
die jüdische Bevölkerung und ein schmerzlicher Verlust für Wien. Die
damaligen antijüdischen Wahnvorstellungen, wonach die Juden Feinde der
Christenheit sind, deren heilige Schriften verhöhnen, die Brunnen
vergiften, Hostien schänden, christliche Kinder stehlen etc., spielten
bei den Wiener Vorgängen des späten 17. Jahrhunderts eine zentrale
Rolle.

Die Ereignisse vor 350 Jahren können wir nicht ungeschehen machen, aber
wir können sie zum Anlass nehmen, unsere Freude und Dankbarkeit darüber
auszudrücken, dass es nach der Katastrophe der Shoah wieder jüdische
Gemeinden und ein vielfältiges jüdisches Leben in Wien gibt. Dies ist
ein Geschenk für Wien und auch für die katholische Kirche. Die
katholische Kirche in Österreich hat sich mit allen anderen
Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ)
die europäische „Charta Oecumenica“ von 2001 zu eigen gemacht, in der
sich die Kirchen verpflichten, „allen Formen von Antisemitismus und
Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten; auf allen
Ebenen den Dialog mit unseren jüdischen Geschwistern zu suchen und zu
intensivieren.“

Ich habe die katholischen Pfarren in Wien gebeten, als Dank für die
Präsenz jüdischer Gemeinden in Wien in den Sonntagsgottesdiensten am
26.7.2020 für diese zu beten:

„Den Juden wurde eine Frist bis 26. Juli 1670 gesetzt, um ihre Häuser zu
räumen und Wien zu verlassen. Heute, nach 350 Jahren blüht in dieser
Stadt wieder jüdisches Leben auf. Wir bitten Dich, Allmächtiger, Gütiger
Herr: Segne die Jüdinnen und Juden dieser Stadt und ihre Gemeinden, gib
ihnen Bestand und Wachstum in Frieden.“


https://kurier.at/politik/inland/wien-gebet-fuer-juedische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen/400978442

https://www.glonaabot.at/einschlagige-artikel/wien-gebet-fur-judische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen

https://www.kathpress.at/goto/meldung/1914751/wien-gebet-fuer-juedische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen

https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/85301.html

Gebet für die jüdische Gemeinde in den Kirchen Wiens am kommenden Sonntag

Am kommenden Sonntag jährt sich die Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670, die „Wiener Gesera“, zum 350. Mal. Ich bitte daher alle Wiener Pfarren, in den Fürbitten der jüdischen Gläubigen in Wien zu Gedenken und dazu etwa folgende Fürbitte einzufügen:
„Den Juden wurde eine Frist bis 26. Juli 1670 gesetzt, um ihre Häuser zu räumen und Wien zu verlassen. Heute, nach 350 Jahren blüht in dieser Stadt wieder jüdisches Leben auf. Wir bitten Dich, Allmächtiger, Gütiger Herr: Segne die Jüdinnen und Juden dieser Stadt und ihre Gemeinden, gib ihnen Bestand und Wachstum in Frieden.“

Hier noch einige ergänzende Informationen dazu:
Am 26. Juli 1670, also vor genau 350 Jahren, mussten auf Befehl von Kaiser Leopold I. alle Juden Wien verlassen haben. Antijüdische Randale besonders der Wiener Studentenschaft, die Agitation von Geistlichen und von Bischof Leopold Karl von Kollonitsch, Unglücksfälle, für die ungerechterweise Juden verantwortlich gemacht wurden, die judenfeindliche Einstellung der Frau von Kaiser Leopold I., Margarita Teresa, wie auch die eines großen Teils der Wiener Katholiken und letztlich die Entscheidung einer kaiserlichen Kommission führten zu den Ausweisungsdekreten des Kaisers. An der Stelle der großen Synagoge des Ghettos im Unteren Werd wurde die Leopoldskirche im heutigen 2. Bezirk, der Leopoldstadt, errichtet. Ein sehr kleiner Trost mag der Gedanke sein, dass in den düsteren Jahren des NS-Terrors von 1938-1945 der damalige Seelsorger von St. Leopold, Pfarrer Alexander Poch, ständig bemüht war, jüdischen Menschen zu helfen und deshalb im Visier der Gestapo war.
Diese zweite, „Wiener Gesera“ genannte, Vertreibung der Wiener Judenschaft und die Zerstörung der jüdischen Gemeinde 1670 waren eine Katastrophe für die jüdische Bevölkerung und ein schmerzlicher Verlust für Wien. Die damaligen antijüdischen Wahnvorstellungen, wonach die Juden Feinde der Christenheit seien, deren heilige Schriften verhöhnen, die Brunnen vergiften, Hostien schänden, christliche Kinder stehlen würden etc., spielten bei den Wiener Vorgängen des späten 17. Jahrhunderts eine zentrale Rolle.
Die Ereignisse vor 350 Jahren können wir nicht ungeschehen machen, aber wir können sie zum Anlass nehmen, unsere Freude und Dankbarkeit darüber auszudrücken, dass es nach der Katastrophe der Shoah wieder jüdische Gemeinden und ein vielfältiges jüdisches Leben in Wien gibt. Dies ist ein Geschenk für Wien und für die katholische Kirche. Die katholische Kirche in Österreich hat sich mit allen anderen Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) die europäische „Charta Oecumenica“ von 2001 zu eigen gemacht, in der sich die Kirchen verpflichten, „allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten; auf allen Ebenen den Dialog mit unseren jüdischen Geschwistern zu suchen und zu intensivieren.“
Ich danke allen, die sich für ein gutes Miteinander der Religionen in Wien einsetzen und wünsche Ihnen einen guten und friedlichen Sommer. Bitte beachten Sie auch die Corona-Anweisungen, damit das Virus sich nicht ausbreiten kann, und wir alle möglichst gesund bleiben.
Mit meinen herzlichen Segenswünschen
Ihr +Christoph Kard. Schönborn

Pope John XXIII and Prof. Jules Isaac

Am 11. Juni fand das Webinar "Remembering a Momentous Moment: The Meeting of Pope John XXIII and Prof. Jules Isaac" statt. Darin wird mit viel Sachwissen über die Initialzündung zum Vatikan 2-Dokument "Nostra Aetate" berichtet. Ein Video dieses Webinars kann unter:
http://www.kaltura.com/tiny/qiv3o abgerufen werden.

Webinar: Digital Interreligious Dialogue?

The ICCJ cordially invites you to join the upcoming ICCJ webinar: “Digital Interreligious Dialogue?” on June 28, 6 p.m. UTC. This webinar will explore the possibilities and pitfalls of online interreligious dialogue. For further details and for registration please visit our website: http://www.iccj.org/Media.6740.0.html

Oberrabbiner Eisenberg 70

Lieber, sehr geschätzter Herr Oberrabbiner Eisenberg,

Ihr 70igster Geburtstag, zu dem wir Ihnen herzlich gratulieren, ist für uns ein Anlass, einfach danke zu sagen:
-  Für Ihr jahrzehntelanges treues Engagement für ein gutes Zusammenleben von Christen und Juden. Wenn viele Sie als „unser Oberrabbiner“ bezeichnen, dann kommt hier zum Ausdruck, wie sehr Sie und Ihr Engagement geschätzt werden und Sie erfolgreich dazu beigetragen haben, dass die jüdische Gemeinschaft ein anerkannter Teil der Gesellschaft geworden ist.
-  Wie sehr Sie jüdische Religion als lebensförderlich einer breiten Öffentlichkeit erschlossen haben. So wirken Sie dem „Gerücht über die Juden“, dem Antisemitismus, entgegen und regen Angehörige anderer Religionsgemeinschaften an, deren Tradition lebensförderlich zu leben.
-  Für Ihre in der jüdischen Tradition verankerte Bemerkung: „Ein Rabbiner braucht Schüler, um lernen zu können.“ Diesem Verständnis wünschen wir Verbreitung auch außerhalb des Judentums.
-  Für Ihre ganz besondere Beziehung zu Wort und Musik verbunden mit der Bereitschaft, dies auch öffentlich darzubieten. Ihr Wortwitz demaskiert Ideologien und erschließt oft überraschende Einsichten.
-  Für Ihre spontane Bereitschaft, sich an unserem Projekt „Shalom! Musik between friends!“ zu beteiligen. Von Ihrem Freund und unserem jahrelangen Geschäftsführer Markus Himmelbauer initiiert, musizierten mit Ihnen in einem weltweit einzigartigen musikalischen Freundschaftstreffen mehrmals der damalige lutherische Landesbischof Michael Bünker, der Abtprimas der Benediktiner Notger Wolf, der Generalsekretär der Bischofskonferenz Peter Schipka und der frühere Sektionschef Gerhard Steger zuerst begleitet von den Altenburger Sängerknaben und dann vom Jüdischen Chor Wien.
Jeder hat sein eigenes Instrument, in Ihrer Fall Ihre Stimme. Es bedarf des sich aufeinander Einstimmens. Harmonie und Rhythmus aus der Vielfalt von Klängen und Stimmen, die Vertiefung unserer Begegnung in unserer Unterschiedlichkeit: Das ist auch das Ziel des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dafür steht „Shalom! Music Between Friends!“.
Für Ihre Verbundenheit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit danken wir Ihnen ganz besonders und wünschen Ihnen alles Gute bis 120 - und bis 100 wie 20.

Für den Vorstand des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit
Martin Jäggle, Margit Leuthold, Willy Weisz

Der Händedruck – ein Integrationszeichen mit Ablauf

Lange Zeit wurde die Weigerung mancher Muslime, Personen des anderen Geschlechts die Hand zu geben, als Beweis für Integrationsverweigerung propagiert: Es sei tiefst verankerte Tradition in unserem Land, dass jede und jeder jedem bzw. jeder die Hand zum Gruß reicht und dass die Weigerung daher der Nachweis der „ewigen Fremdheit“ sei. Diese Weigerung wurde meist auch als Herabwürdigung der Nicht-Muslime ausgegeben, obwohl die gleichen Regeln auch innerhalb des Islam gelten.
Auch streng ihre Religion praktizierende Juden geben einer Person des anderen Geschlechts nicht die Hand, gleichgültig ob Jüdin/Jude oder nicht. Der Grund hierfür ist die Auffassung, dass der Körperkontakt zwischen den Geschlechtern der Familie vorbehalten bleiben muss. Es zählt also nur das Geschlecht des Gegenübers, nicht sein Glaubensbekenntnis. Als Jude kann und will ich natürlich nicht islamische Traditionen erklären, aber ich nehme an, dass dies der Hintergrund ist.
Aber auch die „Pflicht“ zum Handschlag war und ist so allgemein nicht in unserem Land. Als noch Knigge, Elmayer und Co. in den Schulen am Stundenplan stand, habe ich gelernt, dass Ältere den Jüngeren, Vorgesetzte den Untergebenen und insbesondere Damen den Herren die Hand zum Gruße entgegenstrecken, niemals umgekehrt. Und wenn der Bevorrechtete nicht wollte, so unterblieb diese Form der Begrüßung. Im Zeitalter der Gleichberechtigung der Geschlechter sollte wohl auch Männern gestattet sein, den Händedruck zu verweigern.
Und auf einmal geht es auch anders: Es gehört plötzlich zum guten Ton, nicht die Hand zu geben. Das hätte ich mir eigentlich schon in früheren Jahren zu Zeiten der Grippewelle gewünscht. Damit hätten sicher viele auf das Grippevirus zurückzuführende Erkrankungen bis Todesfälle verhindert werden können – aber da gab es eben noch die bedauerliche Tradition des Hände-Geben-Müssens.
Vielleicht hilft auch ein Nachdenken über den Ursprung dieser „Tradition“; wieso wird Kindern gegenüber so stark betont, doch die „schöne“ (=rechte) Hand zu geben. Die richtige Hand für einen „herzlichen“ Gruß wäre doch die linke, die noch dazu meist sauberer ist, da ja die meisten Menschen in erster Linie die rechte Hand zum Arbeiten nutzen. Die „Verpflichtung“, die rechte Hand zum Gruß entgegenzustrecken, verhinderte, dass der Entgegenkommende den links im Gurt steckenden Dolch oder das Schwert ziehen konnte. Gibt es für darauf aufbauende Traditionen noch Bedarf?
Hoffentlich schafft es das Corona-Virus, dass das potentiell sogar gesundheitsgefährdende Hand-Geben als notwendiger Nachweis der Verbundenheit mit Österreich endgültig begraben wird.

Willy Weisz

"ORF-TVthek" baut "Medienarchiv Judentum" weiter aus

Die "ORF-TVthek" hat in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Wien das "Medienarchiv Judentum" weiter ausgebaut. Das um 21 auf insgesamt 109 Videos deutlich erweiterte Medienarchiv bietet ein breites Spektrum an Beiträgen aus ORF-Sendungen der vergangenen Jahrzehnte, die ein vielschichtiges Porträt jüdischer Vergangenheit und Gegenwart in Österreich zeichnen, heißt es in einer Aussendung des ORF. Ein zentraler Schwerpunkt ist dabei, in Dokumentationen, Beiträgen und Zeitzeugen-Gesprächen umfassend an den Holocaust zu erinnern.

Das Medienarchiv zeigt Beispiele für den jüdischen Alltag und das Leben in Wien…

Quelle: KATHPRESS

Schawuot und Pfingsten

Wähle das Leben (Dt 30,19) (Willy Weisz)

Eine jüdische Perspektive auf die Frage, wie man über die Herausforderungen durch den Corona-Virus nachdenken kann, bietet unser Gastautor Dr. Willy Weisz, der Vizepräsident des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Der Rekurs auf die Torah steht dabei bei ihm im Zentrum.

Pressemitteilung

Vor genau 600 Jahren, am 23. Mai 1420 gab Herzog Albrecht V. den Befehl, alle Juden im Herzogtum Österreich gefangen zu nehmen. Es war der Beginn der „Wiener Gesera“, der Wiener Katastrophe, die am 12. März 1421 mit der Verbrennung der etwa 200 überlebenden Wiener Jüdinnen und Juden auf der Erdberger Gänseweide ihren Abschluss fand. Die völlige Auslöschung aller jüdischen Gemeinden und allen jüdischen Lebens im damaligen Österreich (Ober- und Niederösterreich) wurde erreicht durch Vertreibungen, Zwangstaufen, Folterungen, Beraubungen und Mord. Es war eine politische Entscheidung, die ohne religiöse Grundierung in einer judenfeindlichen Gesellschaft nicht möglich gewesen wäre. So schob der Herzog als Begründung für die Verfolgung eine angebliche Hostienschändung vor, seine eigentlichen Motive sind bis heute nicht klar. Das Zusammenspiel von Politik, Religion und Gesellschaft wurde für die jüdische Bevölkerung zur tödlichen Gefahr. Die Theologische Fakultät spielte damals eine unrühmliche Rolle und die Universität Wien zählte zu den Gewinnern, wurden doch die Steine der zerstörten Synagoge damals für den Bau des neuen Fakultätengebäudes verwendet.
Es blieb nicht die letzte Vertreibung. 1670, also vor genau 350 Jahren, wurde die jüdische Bevölkerung wieder aus Wien vertrieben, die Synagoge zerstört und an ihrer Stelle die Kirche St. Leopold errichtet. Die Motive hatten sich nicht geändert. Der Boden für die Shoa im 20. Jahrhundert war bereitet.
Heute gibt es in Wien wieder ein blühendes jüdisches Leben, viele jüdische Gemeinden, und die jüdische Bevölkerung beteiligt sich aktiv am öffentlichen Leben. Das ist ein Grund zur Freude und zur  Dankbarkeit, gerade an einem Tag des Gedenkens an den Beginn der Wiener Gesera vor 600 Jahren.  Doch „das Gerücht über Juden“, wie Theodor Adorno den Antisemitismus genannt hat, lebt weiter, ist wirksam, verändert sein Gesicht und findet neue Formen, auch heute noch wie beispielsweise in verschiedenen Verschwörungsideologien zur gegenwärtigen Pandemie. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit setzt sich seit seiner Gründung vor 64 Jahren gegen Antisemitismus und für die notwendige Erneuerung der Kirchen ein. Wenn der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Khameini, zu einer „Endlösung“ für Israel aufruft, dann ist das auch eine Bedrohung für die jüdische Bevölkerung in Österreich.

Präsident
Univ. Prof. i.R. Dr. Martin Jäggle
Religionspädagoge

Vizepräsident
Pfarrerin Dr.in Margit Leuthold
Evangelische Pfarrerin, Krankenhausseelsorge des AKH Wien

Vizepräsident
Dr. Willy Weisz
Informatiker

„Mit Herz, Hirn und Hand“ – Rabbinisches zu Bildung in Zeiten von (Post)Corona (Florian Mayrhofer)

Die langsame Rückkehr der Schüler*innen in die Schule und die Auseinandersetzung darüber, was nun wann und wie gelernt werden soll – und was nicht – wirft angesichts der Regelungen von Covid-19 Fragen nach dem Verständnis von Bildung und Lernen auf. Florian Mayrhofer greift einige dieser Fragen für den (Religions)Unterricht auf und bringt sie in Dialog mit dem reichhaltigen Schatz der rabbinischen Tradition.

Yuval Katz-Wilfing ist ab 1. Mai 2020

Neuer Geschäftsführer des Koordinierungsausschuss

Yuval Katz-Wilfing arbeitet seit Jahren im Wiener Lokalkomitee des Koordinierungsausschusses mit. Er war u.a. Lektor an der Universität Wien und in zahlreichen Veranstaltungen als Referent und Moderator tätig.

„Geboren in Israel, aufgewachsen in Israel und Oklahoma, USA. Militärdienst in der israelischen Armee als Sanitäter einer Infanterieeinheit. Nach dem Militärdienst Studium der Informatik. Jahrelange Arbeit als Chip-Designer und Projektmanager in der israelischen Verteidigungsindustrie.
Lebensmittelpunkt zu dieser Zeit im Kibbuz Kfar Gilaadi im Norden Israels an der libanesischen Grenze.

2008 Umzug nach Wien, beruflich tätig im Bereich Aerospace und Automotive. Studium der Religionswissenschaft in Wien und Jerusalem mit besonderem Fokus auf interreligiöse Phänomene.
2011 Abschluss des Masterstudiums an der hebräischen Universität in Jerusalem mit den Themen Theologie und Gebräuche der messianischen Juden.
Derzeit Vorbereitung der Dissertation über Seele und Konversion in der jüdischen Theologie und Gesetzgebung am Judaistik Institut, Universität Wien.

2015 studierte er ein Semester am Hebrew Union College und der Conservative Jeshiva in Jerusalem.
Tätig in der liberalen jüdischen Gemeinde Wien als Vorbeter, Talmudlehrer und Vorstandsmitglied. Mitorganizator und Vortragender über jüdische Themen im Rahmen JOEH, EMJD (European Muslim Jewish Dialouge) und Limmud.

Crashkurs Altes Testament

46 Bücher in 46 Tagen
Mit Bibelwerksdirektorin Elisabeth Birnbaum zwischen Ostern und Pfingsten das ganze Alte Testament kennen lernen

Der Koordinierungsausschuss zu Gast in der Ö1- Sendung Lebenskunst, Sonntag, 26.4.2020, 7:05 Uh

Carla Amina Baghajati, Jüdische Gemeinde Wien, Interreligiöse Partnerschaft
Was mich in der Krise trägt - Mit der Erschwernis kommt auch die Erleichterung +++
Wiederaufbau der Seelen - Die Jüdische Gemeinde von Wien nach 1945 +++
Interreligiöse Partnerschaft - Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit
+++ Fülle nach der Leere - Bibelessay zu Johannes 21, 1-14

https://oe1.orf.at/programm/20200426/595707/Carla-Amina-Baghajati-Juedische-Gemeinde-Wien-Interreligioese-Partnerschaft

Ein Klezmer-Lied als Mutmacher in Corona-Zeiten von Künstler Roman Grinberg

Am 13.4. hat Greenberg seinen Song auf youtube gestellt https://www.youtube.com/watch?v=C_GSoA2Ycq4, bereits über 10.000 Aufrufe
tachles hat darüber am 15.4.2020 einen Beitrag gebracht: https://www.tachles.ch/artikel/news/roman-grinberg-singt-fuer-gesundheit-und-hoffnung

Pessach und Ostern 2020

Pessach_Ostern2020Pessach_Ostern2020 2

Jahresbericht 2019

Jahresbericht_2019-squashed

Exkursion Graz

Exkursion_Jüdisches Niederösterreich_21.06.2020

Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt

Nach einem Auswahlprozess des Rabbinerfindungskommissions und einem letzten öffentlichen Hearing vor dem Kultusvorstand und interessierter Gemeindemitglieder wurde der 43-jährige Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt.

Rabbiner Jaron Engelmayer war am 18. Februar 2020 bereits zu Gast im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gesprächsabend Judentum und Ökologie

Einladung

Einladung_FBJudaistik_Werner (verschoben)-squashed

Film

Plakat_Working Woman

Einladung zum Symposium

"Die Zukunft der Zeitzeugenschaft"
Hohenems, Do 26.- Sa 28. März 2020

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

das Jüdische Museum Hohenems lädt dazu ein, gemeinsam über die "Zukunft der Zeitzeugenschaft" nachzudenken und zu diskutieren. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach einem möglichen gesellschaftlichen Vakuum, sondern auch nach einem reflektierten Umgang mit erzählter und medial bewahrter Erinnerung – wenn die Erzählenden selbst nicht mehr an diesem Prozess teilnehmen können. Forschende aus den Geschichts-, Sozial- und Jüdischen Wissenschaften stellen sich der Frage, wie es nach dem Ableben der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, der Überlebenden des Holocaust, mit der Erinnerungsarbeit weitergehen soll. mehr

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis 6. März 2020:
Programm und Anmeldeformular (pdf)
Zeitzeugen_Newsletter_Sujet
Zwei Veranstaltungen im Rahmen des Symposiums sind einzeln und öffentlich zugänglich:

Do 26. März 2020, 19.30 Uhr, LöwenSaal Hohenems
Eröffnungsabend "es ist alles noch sehr frisch"
Lesung und Reflexion von Doron Rabinovici (Wien)
Eintritt: Euro 8,-/5,- mehr

Fr 27. März 2020, 19.30 Uhr, LöwenSaal Hohenems
"Redemption Blues"
Filmvorführung und Gespräch mit Regisseur Peter Stastny (Wien/New York)
Eintritt: Euro 8,-/5,- mehr

Das Symposium findet im Rahmen der Ausstellung "Ende der Zeitzeugenschaft?" statt.

Kontakt

Jüdisches Museum Hohenems, Villa Heimann-Rosenthal
Schweizer Straße 5, 6845 Hohenems
Tel. +43 (0)5576 73989, E-Mail: office@jm-hohenems.at

Öffnungszeiten Museum & Café:
Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr und an Feiertagen
Bibliothek: Dienstag bis Freitag 10-12 Uhr und 14-16 Uhr
keresztsül
www.jm-hohenems.at | Facebook | YouTube | Instagram

„Stimmen in der Synagoge“ – erfolgreich gestartet

Zwei berührende Abende über den in Linz geborenen Tenor Richard Tauber
Bild16_Stimmen_Synagoge_Die KünsterlerInnen-squashed
V.l.n.R: Zhania Pohn, Ville Lignell, Heide Stockinger, Kai Uwe Garrels

Am 17. und 18. November 2019 hatten die „Stimmen in der Synagoge“ ihre Premiere. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen in die Linzer Synagoge, um hier Richard Tauber nachzuspüren. Der weltberühmte Tenor wurde 1891 in Linz als unehelicher Sohn einer Sängerin und eines Schauspielers mit jüdischen Wurzeln geboren. Die beiden Tauber-Experten und Autoren Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels führten gemeinsam mit dem Bariton Ville Lignell und der Pianistin Zhania Pohn durch den Abend. Während seines Engagements in Linz war Lignell immer wieder auch als Kantor in der Synagoge tätig. Neben interessanten Einblicken in die Lebenswelt Taubers erklangen natürlich jene Lieder, die den Tenor weltbekannt gemacht haben, wie z. B. „Du bist die Welt für mich“.
Die „Stimmen in der Synagoge“ ist ein neues Veranstaltungsformat, entwickelt - auf Anregung des christlich-jüdischen Komitees - vom Referat „Theologische Erwachsenenbildung und Weltreligionen“ (Diözese Linz), der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Museum Nordico, der Bruckner-Universität, der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (Z.I.M.T.) und der Katholischen Privatuniversität. Ziel dieser Veranstaltung ist, die beeindruckende Linzer Synagoge für Musik, Schauspiel und Literatur zu öffnen und so einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Da Linz die Partnerstadt von Halle an der Saale ist, waren die „Stimmen in der Synagoge“ 2019 zudem eine Partnerveranstaltung der jüdischen Kulturtage Halle an der Saale. Ebenso war das Katholische Bildungswerk der Diözese Linz Mitveranstalter. Die „Stimmen in der Synagoge“ sollen jährlich stattfinden.
Bericht: Stefan Schlager, Referat Theologische Erwachsenenbildung & Weltreligionen

Lebensgeschichten zwischen Judentum und Christentum Tag des Judentums 2020

TdJ_Linz-squashed
V.l.n.R.: Dr. Harry Merl; Martin Kranzl-Greinecker (christl.-jüd. Komitee OÖ), Dr.in Charlotte Herman (IKG Linz), Prof.in. Dr.in Birgit Kirchmayr (JKU Linz), Mag. Günter Merz (christl.-jüd. Komitee OÖ), Mag.a Gudrun Becker (christl.-jüd. Komitee OÖ), Bischof Dr. Manfred Scheuer, Brigitta Oberforster-Nagar, Ing.lic.theol. Elias Ungar.


Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des christlich-jüdischen Komitees zur Veranstaltung zum Tag des Judentums am 16.1.2020 an die Katholische Privat-Universität Linz. Unter dem Titel „Leben zwischen Judentum und Christentum – in Vergangenheit und Gegenwart“ gingen die Referentinnen und Referenten der Frage nach, wie Judentum, Christentum oder auch beide Religionen die Identität von Menschen prägen.
Im historischen Teil des Abends zeigte Prof.in Dr.in Birgit Kirchmayr (JKU Linz) wie in der nationalsozialistischen Ideologie die Identität von Menschen von außen durch die fatalen „Nürnberger Rassegesetze“ bestimmt und festgelegt wurde. Wer „jüdisch“ war wurde durch „Blutsdefinitionen“ bestimmt. Die eigene Glaubenszugehörigkeit oder Religiosität spielte dabei keine Rolle. Mit perfiden Begriffen wie „Mischling“, „volljüdisch“, „halbjüdisch“ und „vierteljüdisch“ wurden Menschen kategorisiert. Kirchmayr beschrieb anhand zweier Biographien von Frauen aus Linz die konkreten Auswirkungen dieser schrecklichen Definitionen und Gesetze. Die beiden Christinnen waren aufgrund einer Beziehung mit einem Juden bzw. eigenen jüdischen Vorfahren direkt davon betroffen. Kirchmayr mahnte ein diese schrecklichen Begriffe und Logiken immer wieder zu hinterfragen, zu dekonstruieren und die herabwürdigende und menschenfeindliche Ideologie dahinter zu entlarven.
Ing. lic.theol. Elias Ungar gab Einblicke in seine bewegte Lebens- und Familiengeschichte, die sich zwischen Judentum und Christentum ereignete. Sein jüdischer Vater und seine zum Judentum konvertierte (zuvor katholische) Mutter schafften es während der NS-Herrschaft Österreich zu verlassen und nach Palästina zu emigrieren. Sie kehrten nach dem Krieg nach Linz zurück, wo auch Elias Ungar geboren wurde. Sein geistiger und spiritueller Lebensweg führte ihn vom Judentum über den Katholizismus, vom Engagement in Friedensbewegungen bis hin zum Noviziat in einem Kloster am Berg Athos und danach zum Studium der Orthodoxen Theologe, später zum Studium der Religionswissenschaft und Judaistik. In einem sehr persönlichen Vortrag beleuchtete er die Fäden seines Lebensteppichs und reflektierte die Muster, die daraus im Rückblick erkennbar wurden.
In einer Gesprächsrunde (Moderation: Mag. Günter Merz) tauschten sich die Gäste darüber aus, was es heute bedeutet jüdisch zu sein oder jüdische Wurzeln zu haben. Brigitta Oberforster-Nagar lebte lange Zeit mit ihrer Familie in Israel und seit kurzem wieder in Oberösterreich. Sie konvertierte vor über 15 Jahren zum Judentum und erzählte vom Leben als Jüdin in einer überwiegend christlichen Gesellschaft einer kleinen Landgemeinde. Dr. Harry Merl, langjähriger Arzt am ehem. Wagner-Jauregg-Krankenhaus und Begründer der systemischen Familientherapie in Österreich, überlebte als eines der wenigen jüdischen Kinder die NS-Zeit in Wien. Er beschrieb u.a. die „jüdische Zurückhaltung“, ein Bedürfnis nicht aufzufallen, das sich bei vielen jüdischen Menschen nach der NS-Schreckensherrschaft tief eingeprägt hat. Dr.in Charlotte Herman wuchs in Linz auf, lebte dann in Israel und ist seit 2013 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in Linz. Sie erzählte von ihrer jüdischen Kindheit in Linz und ihren Erfahrungen in der Kultusgemeinde.
Eines zeigte der Abend deutlich: Religionen sind keine abgeschlossenen Inseln. Auch Judentum und Christentum sind miteinander verwoben, auch in Lebensgeschichten von Menschen - aufgrund von Konversionen, interreligiösen Ehen oder einfach dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit.
Mag.a Gudrun Becker (Referat für Ökumene und Judentum)

Spendenaktion

Tora-2021-200x210-Version-3Flyer-squashedTora-2021-200x210-Version-3Flyer 2-squashedTora-2021-200x210-Version-3Flyer

Martin Jäggle: Bibelessay Jesaja 49,3-6 für Ö1 Lebenskunst 19.1.2020

Meine Volksschulzeit habe ich zum größten Teil bei einem Bauern in Oberösterreich, dem Edtbauern, verbracht. So hat sich für mich als Kind der Stadt eine ganz andere Welt erschlossen. Ich habe mir völlig neue Wirklichkeiten kennen gelernt. So hat der Nachbarbauer, der Ortner, einen Knecht gehabt, den Much. Der ist mit der Familie nicht verwandt gewesen, hat aber zum Hof gehört. Dort ist er in Dienst gewesen - sein Leben lang. Ohne Much war der Ortner für mich nicht vorstellbar.
Wenn ich später in der Kirche das Wort „Knecht“ gehört habe, oder gar vom „Knecht Gottes“, hatte ich stets diesen Much vor Augen. Ein Mensch mit Würde – ein Leben lang im Dienst. Die andernorts vielfache Ausbeutung von Knechten war mir damals fremd.
Heute ist das Wort Knecht ein Wort aus einer vergangenen Zeit. Heute will niemand Knecht sein und schon gar nicht ein „Knecht Gottes“. Dafür ist Knecht mit „geknechtet sein“ zu eng verbunden. Aber das war für mich der Much eben nicht.
So habe ich mit dem Bild vom Much auch die Worte zu Beginn der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja verstanden: „Du bist mein Knecht.“ Es geht hier um Beziehung und Dienst. Bestätigt bin ich viel später geworden durch die „Bibel in gerechter Sprache“. Die übersetzt nämlich diese Stelle mit: „Du stehst in meinem Dienst!“
So sind für mich in jungen Jahren „Du bist mein Knecht“ ermutigende Worte gewesen. Ich habe mich angesprochen gewusst, beansprucht, in Dienst genommen „für das Heil der Welt“, wie es am Ende des Textes von heute heißt. Und für mich ist Gott jene Macht, die die Rettung aller Menschen will, die für die ganze Welt eine gute Zukunft verheißt. Worte wie die von Jesaja haben die je persönliche, ganz verschiedene Berufung gestärkt, auch meine. Natürlich habe ich mich nicht als moderner Prophet Jesaja von heute verstanden.
Erst viel später in meinem Leben bin ich aufmerksam geworden, von wem hier konkret die Rede ist: „Du bist mein Knecht, Israel“. Danach hat es lange gedauert, bis ich begonnen habe, die Folgen zu verstehen, Israel auszublenden oder einfach zu überlesen. Die Worte des Propheten Jesaja sind nun einmal an das Volk Israel gerichtet, wollen es ermutigen und die Berufung des Volkes Israel in Erinnerung rufen: „Ich mache dich zum Licht der Völker.“ Schon bei der Berufung Abrahams heißt es: „Ein Segen sollst du sein. (…) Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.“
Die Verheißungen des Propheten Jesaja an das historische Volk Israel gelten für Jüdinnen und Juden heute noch. Jesaja wird sogar als zweiter Prophet nach Mose angesehen. Angesichts dessen bedeutet, den Bezug zum biblischen Israel ganz auszublenden, die jüdische Wirklichkeit heute für bedeutungslos zu erklären. Das historische Volk Israel bzw. das Judentum wird enteignet, indem der Text des Propheten ohne Israel angeeignet wird. In der christlichen Lesart wird mit Hilfe der Worte des Propheten Jesaja Jesus als der „Knecht Gottes“ verstanden. Das ist legitim, soweit mit Jesus nicht Israel ersetzt wird.
„Du bist mein Knecht, Israel.“ Seitdem ich darauf aufmerksam geworden bin, kann ich den bleibenden, Jahrtausende alten Bund Gottes mit seinem Volk Israel, dessen Kind Jesus ist, besser würdigen. Und es ist in mir eine große Dankbarkeit gewachsen für alles, was das Christentum, die Kirche, ja die ganze Menschheit dem Volk der Bibel verdankt. Heute ist es besonders das Buch des Propheten Jesaja, das wie kein anderes im Neuen Testament zu Wort kommt. Ich finde, es ist ein Buch voll Hoffnung und Verheißung für alle.

"Tag des Judentums": Kirchen gegen antisemitische "Fake News"

"Wer 'Fake News' über Juden verbreitet, ist kein Christ": Das hat Dechant Ferenc Simon, Vertreter der katholischen Kirche im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, bei der Einstimmung in den "Tag des Judentums" am Donnerstagabend in Wien hervorgehoben. Das jährlich am 17. Jänner begangene Gedenken der christlichen Kirchen sei gerade jetzt nötig, angesichts von neuerlicher Hetze gegen Juden in europäischen Ländern bis hin zu offener Gewalt, so der katholische Geistliche im Festsaal der Bezirksvorstehung Brigittenau. Die Veranstaltung solle klarstellen, "dass wir Antisemitismus niemals, weder in der Vergangenheit noch in Gegenwart und Zukunft, dulden".

Simon verwies auf Gewalttaten an der jüdischen Bevölkerung, zu welchen die Verbreitung von Falschnachrichten über sie im Laufe der Geschichte geführt hätten; darunter neben den Gräueln des Holocausts auch frühere Verfolgungen, Pogrome und zweimalige Ausweisungen aus Wien in den Jahren 1420 und 1670. Auch die Kirchen hätten sich daran beteiligt: Vor 350 Jahren sei an der Stelle der einstigen Synagoge die Pfarrkirche St. Leopold errichtet worden, erinnerte der Dechant. Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle verwies darauf, dass die in Wien-Brigittenau liegende Pfarre St. Johannes Kapristan bis heute den Namen eines "Hetzers gegen Juden" trage.

Gemeinsam mit dem altkatholischen Pfarrer Thomas Wetschka trug Simon bei dem interreligiösen Abend ein Schuldbekenntnis und Vergebungsbitten der christlichen Kirchen vor. Gerne hätten sich die Kirchen Gaben wie das Alte Testament, den Gottesdienst, die Verheißungen und den Bund Gottes zu seinem Volk Israel angeeignet, hieß es darin. An diesem hätten sie jedoch jahrhundertelang "namenloses Leid und Tod" verursacht: Christen hätten sich am Volk Israel "schuldig gemacht" und seien auch heute "nicht wachsam genug, wenn Menschen wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihres Glaubens angefeindet und verachtet werden".

Erinnern an einstige Vielfalt

Der Gedenkabend wurde heuer zum siebten Mal veranstaltet. Jährlich findet er in einem anderen Wiener Gemeindebezirk statt und ruft dessen jeweilige jüdische Geschichte in Erinnerung. Wien-Brigittenau habe früher gemeinsam mit der Leopoldstadt die so genannte "Mazzes-Insel" gebildet, dem Gebiet mit dem höchsten Anteil jüdischer Bevölkerung Wiens, hob die Moderatorin des Abends, Elisabeth Lutter, hervor. Deutlich machten dies auch jüdische Schulen wie das heutige Gymnasium Karajangasse, das in NS-Zeiten bei laufendem Betrieb als Anhaltegefängnis fungierte, wie auch die beiden Synagogen in der Kluckygasse und Kaschlgasse, deren Gedenken die Veranstaltung zum "Tag des Judentums" gewidmet war.

Benjamin Nägele, der neue Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), bezeichnete den "Tag des Judentums" als wichtigen Anstoß der christlichen Kirchen, um an das einst vielfältige jüdische Leben in Österreich zu erinnern. Juden und Christen verbinde u.a. die im Alten Testament beschriebene "Sorge um Gerechtigkeit", die auch das gemeinsame "Nie wieder!" zum Antisemitismus sagen ließen. Nägele würdigte zudem die Bemühungen des Brigittenauer Bezirks, an das vielfältige jüdische Leben von einst zu erinnern und die eigene Geschichte aufzuarbeiten, u.a. durch historische Stadtspaziergänge und eine seit 1999 bestehende Gedenkausstellung im Brigittenauer Gymnasium.

Wie schwer es sei, Urteile über Akteure von einst zu fällen, zeigten Beiträge der Historikerin Tina Walzer und des Mediziners und Synagogen-Forschers Pierre Genee, die u.a. die Rolle von Benjamin Murmelstein (1905-1989) beleuchteten. Der aus Galizien stammende Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien im Brigittenauer Tempel und spätere Judenälteste im Ghetto Theresienstadt kooperierte mit den Nationalsozialisten als Leiter deren Wiener "Auswanderungsabteilung" und sei stolz auf die "gute Zusammenarbeit" mit dem im NS-Regime für die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Juden zuständigen Adolf Eichmann gewesen - auch bei den KZ-Transporten, wie Walzer erklärte. Genee betonte indes, Murmelsteins Kontakt zur Gestapo habe 70.000 Juden zur legalen Ausreise verholfen und somit gerettet. Er sei ein "Sinnbild jüdischer Tragik" jener Zeit gewesen.

Lernprozess muss weitergehen

Nägeles Vorgänger als IKG-Generalsekretär, Raimund Fastenbauer, hob Fortschritte im Umgang mit dem jüdischen Erbe und der Geschichte hervor, warnte zugleich aber vor neuen Bedrohungstendenzen. So habe sich in Österreich einerseits der schulische Zeitgeschichte-Unterricht in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen sei zum Teil der Schulbildung geworden, das Weltkriegsende-Gedenken am 8. Mai werde mittlerweile als "Tag der Befreiung" gefeiert und auch die christlichen Kirchen hätten mit dem Zweiten Vaticanum eine deutliche "Umkehr" in ihrer Beziehung zum Judentum vollzogen. "Es ist etwas geschehen. Doch leider bedurfte es dazu der Shoah", so Fastenbauer.

Trotz dieser erfreulichen Entwicklungen sei Wachsamkeit gegenüber neuem Antisemitismus "von rechts, von links und von islamistischer Seite" jedoch unbedingt angebracht, hob der Alt-Generalsekretär der IKG hervor. "In Frankreich packen Juden heute wieder ihre Koffer, und in der EU-Hauptstadt Brüssel wird Juden geraten, besser keine Kippa zu tragen", so Fastenbauer. In Ostdeutschland erstarke die Neonazi-Szene wieder und an Vorfällen wie in der Synagoge von Halle werde sichtbar, "dass psychopathische Einzeltäter eine latente Bedrohung darstellen".

Besondere Sorgen bereiten Fastenbauer muslimische Immigranten und Flüchtlinge, die "nicht von Geburt an Antisemiten sind, doch antisemitisches Gedankengut in ihrer Heimat mitbekommen haben"; ebenso auch die Nachkommen der Gastarbeiter in zweiter oder dritter Generation, die "wegen mangelhafter Integration anfällig für Radikalisierung" seien. Derselbe Lernprozess, den das Christentum gemacht habe, müsse auch der Islam durchlaufen, forderte der ehemalige IKG-Generalsekretär. "Auch im Koran und in den Hadithen müssen antisemitische Auslegungen überwunden werden."

Wurzeln deutlich machen

Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum dafür wurde bewusst gewählt: So sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen; denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter. Die Wiener Einstimmung zu dem Tag wurde von der Initiative "Vernetzte Ökumene Wien West" in Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet.

Gesammelte Berichte zum "Tag des Judentums" sowie zur "Gebetswoche um die Einheit der Christen" bietet ein Kathpress-Themenschwerpunkt unter www.kathpress.at/oekumene

Ökumenische Vergebungsbitte: Kirchen feiern "Tag des Judentums"

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die christlichen Kirchen in Österreich des "Tages des Judentums" (17. Jänner) gedacht. Der vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ausgerichtete Gottesdienst fand am Freitagabend in der Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde Wien-Süd statt. Ihm stand der neue ÖRKÖ-Vorsitzende Prof. Rudolf Prokschi vor. In seiner Predigt unterstrich Prokschi, dass der "Tag des Judentums" zugleich ein Tag des gemeinsamen christlichen Bittens um Vergebung für das Leiden sei, welches der christliche Antisemitismus immer wieder in der Geschichte über die Juden gebracht habe. "In ökumenischer Verbundenheit denken wir an das Volk Israel, weil es uns alle etwas angeht". So solle laut Prokschi sichtbar werden, "wie wertvoll uns allen das Judentum ist".

Die Bitte um Vergebung sei stets an die Hoffnung auf Versöhnung geknüpft, führte der ÖRKÖ-Vorsitzende im Gespräch mit "Kathpress" weiter aus. Eine solche Versöhnung könne gewiss nicht verordnet werden, vielmehr sei die Grundbedingung für gelingende Versöhnung die Erinnerung. Im Rückblick auf die eigene Geschichte könnte schließlich keine christliche Kirche von sich behaupten, sich nicht einmal schuldig gegenüber dem Judentum gemacht zu haben.

Bei dem Gottesdienst erinnerte außerdem der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Martin Jäggle, an die Gründung des Ausschusses vor 64 Jahren. Damals, im Jahr 1956, sei es noch außergewöhnlich gewesen, dass Jüdinnen und Juden sich auf das Gespräch mit Christen einließen. Heute würde der vom Koordinierungsausschuss strukturierte Dialog u.a. in den Bereichen Bildung und Wissenschaft erfolgreich weiter geführt, so Jäggle.

An dem Gottesdienst nahmen u.a. der griechisch-orthodoxe Bischofsvikar Ioannis Nikolitsis, Pastorin Esther Handschin, Superintendent Matthias Geist, der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic teil.

Der "Tag des Judentums" wurde im Jahr 2000 vom ÖRKÖ eingeführt mit dem Ziel, dass sich Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zugleich soll mit und an diesem Tag auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden. Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück.

Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum dafür wurde bewusst gewählt: So sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen; denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.

Weitere Informationen und Meldungen rund um den "Tag des Judentums" und die "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" im Kathpress-Dossier unter www.kathpress.at/oekumene

Quelle: www.kathpress.at/oekumene

Plädoyer für einen »Sonntag des Judentums«

Prof. Dr. Martin Jäggle

Seit über 20 Jahren begehen die Kirchen Österreichs jeweils am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Als Gedenktag im Kirchenjahr führte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) diesen Tag ein. Christinnen und Christen sollen ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusstwerden. Zugleich lädt dieser Tag ein, an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte zu gedenken. Wie sehr sich der "Tag des Judentums" in diesen Jahren etabliert hat, zeigen die vielfältigen Veranstaltungen und Gottesdienste in Österreich. Was mit "Gedenktag" begonnen hat, wurde um einen "Lerntag" erweitert, um einen "Tag des Lernens vom Judentum". Das hat vielfältige Formen und findet an unterschiedlichen Orten statt.

Entscheidend dabei ist, nicht über das Judentum zu lernen, sondern vom Judentum und besonders mit mit Jüdinnen und Juden.

An Schulen und Jugendzentren werden jüdische Jugendliche eingeladen, um über ihre Religion mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen. Unterstützung finden solche Initiativen bei LIKRAT, dem Dialogprojekt mit Jugendlichen der Jüdischen Gemeinde.

In den Sonntagsgottesdiensten der Kirchen werden für die Homilie zu den Lesungen aus dem Alten/Ersten Testament jüdische Schriftauslegungen herangezogen, weil die Christen "viel von der jüdischen Exegese lernen" können, wie der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Josef Ratzinger, betonte.

Das Katholische Bibelwerk und die Österreichische Bibelgesellschaft laden einen international führenden Rabbiner zu einem Vortrag über jüdische Schriftauslegung ein und die Jüdische Gemeinde stellt dafür ihr Gemeindezentrum zur Verfügung. Entscheidend dabei ist, nicht über das Judentum zu lernen, sondern vom Judentum und besonders mit mit Jüdinnen und Juden.

Der Wunsch von Dechant Ferenc Simon, Diözesanbeauftragter für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in der Erzdiözese Wien, nach einem "Sonntag des Judentums" hat eine innere Logik, wie er treffend sagt: "Wir hätten dann zwei thematische Sonntage, die wie eine Klammer die ‚Gebetswoche für die Einheit der Christen‘ rahmen würden. Den 'Sonntag des Judentums' am Beginn und den 'Sonntag des Wortes Gottes' am Ende der Gebetswoche."

2021 ist der 17. Jänner ein Sonntag. Dann wird aus dem "Tag des Judentums" ein "Sonntag des Judentums" und alle Kirchen können in ihren Sonntagsgottesdiensten dem Anliegen des "Tag des Judentums" entsprechen. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird sie dabei unterstützen.

So würden die Kirchen auch ihrer Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus gerecht werden, einer Aufgabe, die erstmals im Regierungsprogramm 2020-2024 einen breiten Raum einnimmt. Zugleich wäre dies eine angemessene Antwort im Gedenken der "Wiener Gesera" und ihr blutiges Ende am 12. März 1421.

Dr. Martin Jäggle ist Präsident des Koordinierungsausschusses für jüdisch-christliche Zusammenarbeit.

Quelle: https://www.katholisch.at/standpunkt/jaeggle/tagdesjudentums

Sonntag des Judentums

SON-191222-005-4c

Tag des Judentums 2020 (Furche)

FUCH_WIEN_0116_04_XFUCH_WIEN_0116_03_XFUCH_WIEN_0116_02_Xmehr …

Poetikdozentur "Literatur und Religion"

PLAKAT HONIGMANN klein
am Dienstag, 21. Jänner 2020, 18.30 Uhr
BARBARA HONIGMANN: "Kafka und Proust. Schriftsteller sein, Jude sein"
Ort: Hörsaal 1, Hauptgebäude der Universität Wien, Universitätsring 1 (linker Seiteneingang, Hof 1)

Die Wiener "Poetikdozentur Literatur und Religion" beginnt das Jahr mit dem Vortrag einer jüdisch-deutschen Autorin. Barbara Honigmann (geb. 1949) gehört zur Generation jüdischer Schriftstellerinnen, die „danach“ geboren wurden, nach der Shoah – und die dennoch in deutscher Sprache schreiben. Ihre Eltern haben im Exil überlebt und zogen nach 1945 nach Ostberlin, wo Honigmann aufwächst. Später wird Honigmann, die zunächst am Theater arbeitete, drei Sprünge vollziehen: aus der DDR in den Westen, von Deutschland nach Frankreich und: in das orthodoxe Judentum, das sie für sich selbst wiederfindet, hinein. „Eine richtige Jüdin wollte ich werden“, berichtet sie.

Ihr literarisches Schaffen ist insbesondere geprägt von einfühlsamen Nachzeichnungen ihrer Familiengeschichte. Es beginnt mit dem Erzählband „Roman von einem Kinde“ (1986) und reicht bis zum jüngsten Roman „Georg“ (2019), einem Portrait von Honigmanns Vater. Eine Signatur der Werke Barbara Honigmanns ist dabei, dass sie immer auch existenzielle Fragen, ja Leitthemen jüdischen Denkens verhandeln: „Von den großen Dingen“ wolle sie sprechen, hat Honigmann einmal bemerkt, „nur davon, von Exil und Erlösung“. Honigmann, die heute in Straßburg lebt, hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Kleist-Preis (2000), den Max-Frisch-Preis (2011) und soeben den „Literaturpreis der Stadt Bremen“ (2020).

In Wien wird Barbara Honigmann einen Vortrag zum weiten Feld der „Jüdischen Literatur“ halten. „Was ist, was wäre eigentlich, gibt es eine jüdische Literatur?“ – dieser Frage will sie anhand zweier Schriftsteller erörtern, deren Biographien manche Parallele aufweisen. Zu Beginn des 1. Weltkriegs, so führt Honigmann aus, ziehen sich „zwei nicht mehr ganz junge Junggesellen, kinderlos, der eine in einer Welthauptstadt, in Paris, der andere in Prag, der Provinzhauptstadt eines Imperiums, das bald untergehen wird, also in feindlichen Lagern der Kriegsparteien in ihre Zimmer zurück“... um zu schreiben. „Kafka und Proust, Schriftsteller sein, Jude sein“ – so ist Honigmanns Poetikvorlesung betitelt.

Linz

Flyer_Tag des Judentums_druck

Flyer_Tag des Judentums_druck 2

Mitglied werden oder Newsletter abonnieren