2023

Heftige Kontroverse um „100 Missverständnisse“

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© Foto: Arye Wachsmuth; Aus der Rauminstallation "Im Schatten der Verdrängung", Arye Wachsmuth und Sophie Lillie, 2021 im Rahmen der Ausstellung "Dispossession" im Künstlerhaus, 2021


„Ein großer Teil des jüdischen Publikums empfindet die Ausstellung in ihrer jetzigen Form als untragbar“, konstatierte Oskar Deutsch, der Präsident der IKG-Wien, und nicht nur Paul Lendvai verlangte sogar die Schließung der Ausstellung „100 Missverständnisse über und unter Juden“, die noch bis 4. Juni im Jüdischen Museum Wien (JMW) läuft.
Laut Barbara Staudinger, seit Juli 2022 Direktorin, steht diese Ausstellung „programmatisch für die Neuausrichtung des JWM.“ Die Kontroverse eskalierte bis zu persönlichen Angriffen auf die Historikerin und Judaistin, sodass neun österreichische Holocaust-Überlebende, darunter Robert Schindel, Timothy und Franziska Smolka, in einem Brief an IKG-Präsident Deutsch und Bürgermeister Michael Ludwig sowie den Aufsichtsrat des JWM nach Sachlichkeit rufen und „Toleranz und Respekt“ fordern. „Kritik ist immer wichtig“, schreiben sie, „aber nichts rechtfertigt Rufmord und Hetze!“
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Holocaust-Gedenktag: Name und Gesicht

„Was die Zeit tut: Sie vergrößert den Abstand, sie erleichtert die Träume von der schönen Vergangenheit, sie begünstigt die Meinung, es wäre nichts oder alles nur halb so schlimm gewesen, sie ermöglicht die Leugnung der Tatsachen, sie vermengt alle Ereignisse, sie ebnet alles ein, sie verwischt alle Spuren, sie lässt über die Blutstatt das Gras wachsen, sie macht alles museal, sie tötet die Aufmerksamkeit , sie macht gleichgültig, sie gibt den Verbrechern Hoffnung, ungeschoren davonzukommen, sie räumt die Augenzeugen weg, sie lässt sich von den Gewissenlosen gewinnen, sie vergeht und erzeugt den Anschein, schon deshalb wäre alles verziehen, sie produziert das Geschwätz über die Bewältigung der Vergangenheit, sie schafft die Möglichkeit, aus Leidensgeschichten Unterhaltung zu machen.
Was die Zeit nicht tut: Sie heilt keine einzige Wunde, sie macht nichts ungeschehen, sie tröstet nicht über das abgerissene Leben, sie ändert keine winzige Kleinigkeit am ungeheuren Nichts des Todes, sie gibt keine Antwort auf die Frage, warum das geschehen konnte, sie befreit das Gewissen nicht von dem Zusammenhang mit den Gewalttaten, sie ändert nichts an der Evidenz der Fakten, sie beweist nicht, dass jemand etwas gelernt hat, sie lässt sich nicht als Beleg für Erfahrung benützen, sie bringt keines der Opfer wieder, sie macht nichts wieder gut, sie liefert keinen Ersatz für die im Augenblick unersetzliche Liebe, sie macht aus fremdem Schaden nicht klug, sie schließt den Prozess zwischen Schuld und Unschuld nicht ab, sie bietet keine unendlich dauerndes Alibi, sie erlaubt es nicht, das Geständnis der Tat auf die endlose Bank zu schieben, sie schützt nicht vor dem Urteil des Ewigen Richters.“ (Gottfried Bachl)
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Bericht: Tag des Judentums in Linz

Ökumenischer Gottesdienst zum Tag des Judentums in der
Ursulinenkirche Linz: Ökumenischer Gottesdienst zum Tag des Judentums

Vortrags- und Diskussionsabend „Die Bedeutung des Namens in
Judentum und Gedenkkultur": Tag des Judentums 2023


Die beiden Vorträge dieses Abends sind aufgezeichnet worden und in
Radio FRO gesendet worden. Unter folgendem Link können die Vorträge
nachgehört werden: Die Bedeutung des Namens im Judentum - Radio FRO


Gedanken zum Tag des Judentums 2023 von Bischof Dr. Manfred Scheuer
(Referatsbischof Ökumene und Judentum der Österr. Bischofskonferenz)


Für Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung!

Gudrun Becker

Bericht TAG DES GEDENKENS



Hier die Impressionen zum "Tag des Gedenkens" in Wien zum Thema "Im Gedenken an die Auschwitz-Deportationen vom Nordbahnhof ab 1943".
Vielen Dank allen Beteiligten und den zahlreichen Gästen fürs Kommen!
Besonderen Dank möchten wir der Familie Lutter und Herrn Bica von der "vernetzten Ökumene Wien" für die Organisation dieser Veranstaltung aussprechen, sowie der Bezirksvorstehung des 2. Bezirks für die Zuverfügungstellung des Festsaals!
Danke auch an die Vortragenden für die interessanten Beiträge:
Univ. Prof. Dr. Martha Keil
Dr. Michaela Raggam-Blesch
Univ. Prof. i.R. Dr. Martin Jäggle
Bischof Andrej Cilerdzic
Oberkantor Shmuel Barzilai
Prof. Awi Blumenfeld
und MAZELTOV - MUSIK für die gelungene musikalische Gestaltung!

Bericht für den “Dialog”
TAG DES GEDENKENS -
EINSTIMMUNG IN DEN TAG DES JUDENTUMS
16.01.2023

GEDENKEN AN DIE AUSCHWITZ-DEPORTATIONEN VOM NORDBAHNHOF
AB 1943

Die diesmalige Gedenkstunde zur Einstimmung in den „Tag des Judentums“, die zehnte in dieser Form, fand erstmals nach der „Corona-Pause“ wieder in einer Bezirksvorstehung statt, um auch den Anrainern und kirchenfernen Menschen die Gelegenheit zur Teilnahme anzubieten. Das Bezirksamt Leopoldstadt war Ort des Gedenkabends wegen des inhaltlichen Bezugs zum Thema der Veranstaltung: die KZ-Deportationen vom Nordbahnhof. Der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Mag. Benjamin Nägele, und der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Alexander Nikolai, wollten laut Programm gerade zu diesem Punkt in ihren Begrüßungsworten Stellung nehmen. Im allerletzten Moment mussten aber beide ihre Teilnahme - und somit ihre Beiträge - absagen. Dr. Willy Weisz, selbst Jude und Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, übernahm auf Bitte der Progarmmkoordinatorin Dr. Elisabeth Lutter, Vernetzte Ökumene Wien, nach deren persönlicher Begrüßung und Einführung die Eröffnungsworte stellvertretend für die beiden Ausgefallenen, ihm gebührte besonderer Dank!

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Christen und Juden miteinander im Gespräch



"Tag des Lernens" in der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien - Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Bischof Petrosyan, betont die engen Beziehungen zwischen Christentum und Judentummehr …

Herzliche Einladung zum „Tag des Lernens“

Donnerstag, 12. Jänner 2023, 18.30 Uhr
Gemeindezentrum der IKG-Wien, Wien 1., Seitenstettengasse 4

Ausgangspunkt: Judentum des zweiten Tempels
zum 100. Geburtstag von Pinchas Lapide (geb. 28.11.1922 in Wien)

„Antikes Judentum“ oder „Spätjudentum“ sind traditionelle, abwertende christliche Bezeichnungen für das Judentum vor 2.000 Jahren. Verbunden mit dem Mythos vom „Urchristentum“ wurde so ein Bild gefestigt, wonach das Christentum damals das Judentum abgelöst hätte. Heute hingegen anerkennen die Kirchen das jüdische Volk, würdigen einander Mitglieder jüdischer Gemeinden und christlicher Kirchen. An die Stelle von Judenfeindschaft ist Geschwisterlichkeit getreten, wie sie auch von rabbinischen orthodoxen Erklärungen geteilt wird.

Dr. Tiran Petrosyan, Bischof der Armenisch-Apostolischen Kirche in Österreich, wird als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) den „Tag des Lernens“ mit einem Grußwort eröffnen.

Oberrabbiner Jaron Engelmayer erläutert den jüdischen Kalender vom zweiten Tempel bis heute und erschließt so jüdisches Selbstverständnis.

Markus Tiwald, Universitätsprofessor für Neues Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, im Herbst 2022 erschien sein Buch „Frühjudentum und beginnendes Christentum“, wird mit „Jüdische Texte aus der Zeit des 2. Tempels außerhalb der Hebräischen Bibel“ den Stand christlicher Forschung zusammenfassen.

Der Anlass für das Thema ist der 100. Geburtstag des jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide, der am 28. November als Erwin Pinchas Spitzer in Wien-Leopoldstadt zur Welt kam. Er engagierte sich im Glaubensdialog mit Christen und Christinnen, damit diese ihre jüdischen Wurzeln entdecken, Jesus als Juden kennenlernen und das Neue Testament in all seiner hebräischen Wort- und Gedankenwelt besser verstehen. Er verlangte eine Rückbesinnung auf das biblische Ethos, wie es der Prophet Jesaja formuliert: „Das Gute tun, Recht schaffen, Unterdrückten helfen.“

Um 20.00 Uhr schließt die Veranstaltung, danach gibt es eine koschere kulinarische Erfrischung bis 21.00 Uhr.

Der „Tag des Judentums“, initiiert vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), wird von allen Kirchen seit dem Jahr 2001 am 17. Jänner begangen. Dabei sollen sich Christinnen und Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusstwerden.
Mit dem „Tag des Lernens“ am 12. Jänner 2023 im Gemeindezentrum der IKG-Wien wird der „Tag des Judentums 2023“ eröffnet, gefolgt von einem „Tag des Gedenkens“ am 16. Jänner 2023 in der Bezirksvorstehung des 2. Bezirks. Am „Tag des Feierns“, 17. Jänner 2023, findet der ökumenische Gottesdienst des ÖRKÖ in der Evangelisch-Methodistischen Kirche Wien 15. Statt.

Alle Informationen unter tagdesjudentums.at

Eintritt frei! Freiwillige Spenden erbeten.

Anmeldung unter hier… oder telefonisch 0650 4797376.

„Das Leben steht für uns im Mittelpunkt“

Willy Weisz lebt in Wien und ist um das gute Miteinander von Jüd:innen und Christ:innen bemüht. Dabei hat sich der jüdische Physiker und Mathematiker auf den Bereich der Bioethik aus jüdischer Sicht spezialisiert.

Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau die jüdische Patientenbetreuung im AKH aufgebaut. Wie kam es dazu?
Willy Weisz: Meine Frau hat nach einer Ausbildung zur biomedizinischen Analytikerin im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien zu arbeiten begonnen. Sie ist immer wieder an der kleinen Synagoge des Spitals vorbeigegangen, deren Schaufenster immer staubiger wurden, weil sich niemand darum gekümmert hat. Das hat sie geärgert. Sie beschwerte sich bei Rabbiner Eisenberg darüber. Seine Reaktion war: „Dann mach du es“. So ist meine Frau offiziell von der Kultusgemeinde als „jüdische Seelsorgerin“ angemeldet worden. Wir haben uns dann am aufkommenden interreligiösen Dialog im AKH beteiligt. Wir teilen uns bis heute die Arbeit. Meine Frau hat die Empathie und ich bin der Theoretiker.
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