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Grußwort von Rabbiner Schlomo Hofmeister

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit wurde von Prof. Kurt Schubert, dem Begründer der Judaistikstudien an der Universität Wien, vor 65 Jahren gegründet, um den Mangel an Wissen bezüglich Judentum und jüdisches Leben zu beheben. Auf diesen sind viele antijüdische Vorurteile zurückzuführen, die seit Jahrhunderten das Zusammenleben von Juden mit der christlichen Mehrheitsbevölkerung vergiften und in letzter Konsequenz in den Massenmord der Schoah mündeten. Durch seine Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und dem Dialogangebot, sowie die Kontakte zur christlichen Geistlichkeit und den Politikern in diesem Land konnte bereits viel an Antijudaismus und Antisemitismus abgebaut werden.

Die jüdische Bevölkerung Österreichs hat diese Bestrebungen anerkannt und sich ihrerseits dem durch den Koordinierungsausschuss vermittelten Gesprächsangebot der christlichen Gemeinden und ihrer geistlichen Führung geöffnet, was nach den Jahrhunderten der Feindseligkeiten kein leichter Schritt war. Es ist jedoch gelungen, das Misstrauen in den Annäherungsversuch abzubauen.

Zum fünfundsechzigjährigen Jubiläum wünsche ich namens der Israelitischen Religionsgesellschaft Österreich dem Koordinierungsausschuss noch viele weitere Jahre der erfolgreichen Tätigkeit zu unserem gemeinsamen Wohl.

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Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
als Verantwortlicher in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche A.B. für das christlich-jüdische Gespräch grüße ich die Feiernden an diesem Abend herzlich und bedaure, nicht unter den Festgästen sein zu können. Zunächst Gratulation dem Koordinierungsausschuss, dem Präsidenten und der Geschäftsführung für diese beständige Weiterentwicklung eines Verständigungsdialoges (Café Abraham, Tag des Judentums etc.). Wir profitieren in unserer Kirche von der Arbeit des Koordinierungsausschusses, bedanken uns dafür und wünschen uns findige Fortsetzungen!
Christlich-jüdische Beziehungen sind auch heute noch mit dem Faktum einer 2000jährigen mörderischen Geschichte schwer zu gestalten. Die Erfahrung der Tödlichkeit einer kirchlichen Theologie lässt einen Dialog zwischen Christen und Juden im Sinne einer Buber’schen Wesensbegegnung zwischen ICH und DU auf längere Sicht wohl noch nicht zu. Umso mehr besteht die Notwendigkeit des Lernens, allerdings kann ein christliches Lernen, das bloß Informationen zum Judentum und seiner Geschichte erarbeitet, nicht genügen. Die Unbelehrbarkeit eines Antijudaismus verlangt nach Kritik und Selbstkritik, v.a. theologischer Aussagen.
Für dieses – aus meiner Sicht – theologische Weiter-Lernen ist die Arbeit des Koordinierungsausschusses unverzichtbar. Auch wenn wir noch meilenweit weit weg sind von einem von tiefem Verständnis getragenen christlich-jüdischem Verhältnis, so sind es die kleinen Schritte, die den Glauben an ein Verstehen fördern können. Dazu brauchen wir Erfahrungen in einem talmud-tora, einem Tora-Lernen, um nicht nur über ein Judentum zu lernen, sondern mit Jüdinnen und Juden die Grundlagenarbeit zu verstärken.
„Geschwisterlichkeit statt Judenfeindschaft“ ist ein hohes Ziel: wir dürfen es mit der Arbeit des Koordinierungsausschusses nicht aus den Augen verlieren!
Einen gelungenen Abend und den shalom untereinander und für die kommenden Jahre wünscht

Karl Schiefermair
Oberkirchenrat
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Grußwort Bischof Manfred Scheuer

Kaum etwas symbolisiert die lange Tradition des österreichischen Antisemitismus besser als ein kleines Relief am Haus Wien 1, Judenplatz 2, das die schrecklichen Ereignisse dokumentiert, die vor 600 Jahren auf der Gänseweide in Wien geschahen.
Von dem eindrucksvollen Standbild des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessings ist an der Fassade des sogenannten „Jordanhauses“, in lateinischer Sprache zu lesen:
Durch den Jordanfluss wird der Leib von Krankheit und Übel gereinigt, da weicht selbst verborgene Sündhaftigkeit. So rast die Flamme sich erhebend durch die ganze Stadt im Jahr 1421 und sühnt die grausamen Verbrechen der jüdischen Hunde. Die Welt wurde einst durch die Sintflut gereinigt, doch diesmal wurde die Schuld in den Flammen gebüßt.
Auf Initiative von Kardinal Christoph Schönborn stiftete die Erzdiözese Wien eine Gedenktafel für das Jordanhaus, die Kardinal Franz König am 29. Oktober 1998 enthüllte. Ihr Text lautet:
„Kiddusch HaSchem“ heißt „Heiligung Gottes“ Mit diesem Bewußtsein wählten Juden Wiens in der Synagoge hier am Judenplatz — dem Zentrum einer bedeutenden jüdischen Gemeinde — zur Zeit der Verfolgung 1420/21 den Freitod, um einer von ihnen befürchteten Zwangstaufe zu entgehen. Andere, etwa 200, wurden in Erdberg auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Christliche Prediger dieser Zeit verbreiteten abergläubische judenfeindliche Vorstellungen und hetzten somit gegen die Juden und ihren Glauben. So beeinflußt nahmen Christen in Wien dies widerstandslos hin, billigten es und wurden zu Tätern. Somit war die Auflösung der Wiener Judenstadt 1421 schon ein drohendes Vorzeichen für das, was europaweit in unserem Jahrhundert während der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft geschah. Mittelalterliche Päpste wandten sich erfolglos gegen den judenfeindlichen Aberglauben, und einzelne Gläubige kämpften erfolglos gegen den Rassenhaß der Nationalsozialisten. Aber es waren derer zu wenige. Heute bereut die Christenheit ihre Mitschuld an den Judenverfolgungen und erkennt ihr Versagen. „Heiligung Gottes“ kann heute für die Christen nur heißen: Bitte um Vergebung und Hoffnung auf Gottes Heil. 29. Oktober 1998“
Die eindeutige Positionierung gegen Antisemitismus ist eine Frucht des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit: So heißt es in der Erklärung über das christlich-jüdische Selbstverständnis anlässlich der Wiener Diözesansynode 1971, die Kurt Schubert maßgeblich mitgeprägt hat, dass sich „alle Christen von antijüdischen Affekten freihalten und etwaigen antisemitischen Diskriminierungen seitens anderer entgegentreten müssen.“
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Presseinformation zu Generalversammlung und Feierabend 65 Jahre

Vorstand
Bei der Generalversammlung am 26.0ktober 2021 wurde in Anwesenheit des Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Rudolf Prokschi, folgender Vorstand gewählt:
Jüdisch: Dr. Willy Weisz (Vizepräsident), Mag. Awi Blumenfeld, Univ. Prof. em. Dr. Michel Ash
Evangelisch: Dr. Margit Leuthold (Vizepräsidentin), Mag. Ruth Schelander-Glaser (Schriftführerin), Mag. Stefan Fleischner-Janits
Katholisch: Univ. Prof. i.R. Dr. Martin Jäggle (Präsident), Dechant Ferenc Simon (Finanzreferent), Dr. Elisabeth Birnbaum.
Davon wurden neu in den Vorstand gewählt:
Elisabeth Birnbaum, geb. 1969, promovierte 2007 in Katholischer Theologie mit einer Dissertation zum Buch Judith, forschte und lehrte seitdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den bibelwissenschaftlichen Instituten der Universität Wien bzw. der Katholischen Privatuniversität Linz und hatte eine Gastprofessur für Biblische Theologie an der TU Dresden inne. Bis 2017 war sie als Projektmitarbeiterin im Rahmen eines FWF-Projekts über die Rezeption des Salomo in der Neuzeit in Musik und Literatur. Seit September 2017 ist sie Direktorin des Katholischen Bibelwerkes.
Awi Blumenfeld, geb. 1966, Historiker, lehrte und forschte an der Bar Ilan Universität/Israel. Schwerpunkte: die Shoah, zeitgenössisch-jüdische Geschichte und Museologie, Antisemitismus, Israel Studies sowie jüdische Religions- und Studienpädagogik. Er leitet das Institut Jüdische Religion an der Kirchlich Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems sowie die historische Kommission der Claims Conference in Tel Aviv/Wien/Berlin.
Mitchell Ash, geb. 1948, Historiker, war von 1997-2016 Ordentlicher Universitätsprofessor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Wien, seitdem emeritiert. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Allgemeine Wissenschaftsgeschichte, mit Schwerpunkt Wissenschaftswandlungen in politischen Umbruchzeiten. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. 2008 war er Gastprofessor in Jerusalem (European Studies Program, The Hebrew University of Jerusalem). Mitchell Ash ist Mitglied von Or Chadasch (Vorstandsmitglied 2006-2018) und Präsident des Israel Studies Center Vienna (seit 2021).
Stefan Fleischner-Janits, geb. 1982, Studium Evangelische Fachtheologie in Wien, mag. theol. Nach einer Journalismusausbildung einige Jahre freier Redakteur für "Die Furche". Seit 1. September 2021 Pfarrer der Evangelischen Messiaskapelle in Wien-Alsergrund, einem geschichtsträchtigen Haus. Dort war die Schwedische Israelmission, die verfolgten Juden zur Ausreise verhalf.

Ehrungen
Die Generalversammlung hat am 26.10.2021 Prof. Helmut Nausner zum Ehrenpräsidenten ernannt und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Prof. Helmut Nausner war von 1998 bis 2019 Vorstandsmitglied, von 2005-2011 Präsident und 2011-2019 Vizepräsident. U.a. hat er sich erfolgreich eingesetzt für die Einführung von „Tag des Judentums“ jeweils am 17. Jänner, am Vortag der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Die IKG Wien zeichnete ihn für sein christlich-jüdisches Engagement 2012 mit der Torberg-Medaille.
Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg wird im Frühjahr 2022 das Dokument über die Ehrenmitgliedschaft feierlich übergeben. Was nur in Wien und Österreich möglich ist: Die Gruppe Schalom! Music between friends, eine Idee von Markus Himmelbauer, bei der u.a. em. Bischof Bünker am Schlagzeug sitzt, der Abtprimar Wolf Flöte spielt und Oberrabbiner Eisenberg singt. Miteinander musizieren ist nur möglich, wenn man aufeinander hört. Darum geht es auch im christlich-jüdischen Dialog.

Beim anschließenden Feierabend zu 65 Jahre wurden die Grußworte von Bischof Manfred Scheuer, von Oberkirchenrat Karl Schiefermair und von Rabbiner Schlomo Hofmeister verlesen.

Die Generalversammlung und der Feierabend 65 Jahre fanden im Othmarsaal, Wien 3., statt. Im Gebiet der Pfarre St. Othmar liegt die Gänseweide, auf der am 12.März 1421 über 200 Jüdinnen und Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind.

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