„Stimmen in der Synagoge“ – erfolgreich gestartet

Zwei berührende Abende über den in Linz geborenen Tenor Richard Tauber
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V.l.n.R: Zhania Pohn, Ville Lignell, Heide Stockinger, Kai Uwe Garrels

Am 17. und 18. November 2019 hatten die „Stimmen in der Synagoge“ ihre Premiere. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen in die Linzer Synagoge, um hier Richard Tauber nachzuspüren. Der weltberühmte Tenor wurde 1891 in Linz als unehelicher Sohn einer Sängerin und eines Schauspielers mit jüdischen Wurzeln geboren. Die beiden Tauber-Experten und Autoren Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels führten gemeinsam mit dem Bariton Ville Lignell und der Pianistin Zhania Pohn durch den Abend. Während seines Engagements in Linz war Lignell immer wieder auch als Kantor in der Synagoge tätig. Neben interessanten Einblicken in die Lebenswelt Taubers erklangen natürlich jene Lieder, die den Tenor weltbekannt gemacht haben, wie z. B. „Du bist die Welt für mich“.
Die „Stimmen in der Synagoge“ ist ein neues Veranstaltungsformat, entwickelt - auf Anregung des christlich-jüdischen Komitees - vom Referat „Theologische Erwachsenenbildung und Weltreligionen“ (Diözese Linz), der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Museum Nordico, der Bruckner-Universität, der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (Z.I.M.T.) und der Katholischen Privatuniversität. Ziel dieser Veranstaltung ist, die beeindruckende Linzer Synagoge für Musik, Schauspiel und Literatur zu öffnen und so einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Da Linz die Partnerstadt von Halle an der Saale ist, waren die „Stimmen in der Synagoge“ 2019 zudem eine Partnerveranstaltung der jüdischen Kulturtage Halle an der Saale. Ebenso war das Katholische Bildungswerk der Diözese Linz Mitveranstalter. Die „Stimmen in der Synagoge“ sollen jährlich stattfinden.
Bericht: Stefan Schlager, Referat Theologische Erwachsenenbildung & Weltreligionen

Lebensgeschichten zwischen Judentum und Christentum Tag des Judentums 2020

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V.l.n.R.: Dr. Harry Merl; Martin Kranzl-Greinecker (christl.-jüd. Komitee OÖ), Dr.in Charlotte Herman (IKG Linz), Prof.in. Dr.in Birgit Kirchmayr (JKU Linz), Mag. Günter Merz (christl.-jüd. Komitee OÖ), Mag.a Gudrun Becker (christl.-jüd. Komitee OÖ), Bischof Dr. Manfred Scheuer, Brigitta Oberforster-Nagar, Ing.lic.theol. Elias Ungar.


Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des christlich-jüdischen Komitees zur Veranstaltung zum Tag des Judentums am 16.1.2020 an die Katholische Privat-Universität Linz. Unter dem Titel „Leben zwischen Judentum und Christentum – in Vergangenheit und Gegenwart“ gingen die Referentinnen und Referenten der Frage nach, wie Judentum, Christentum oder auch beide Religionen die Identität von Menschen prägen.
Im historischen Teil des Abends zeigte Prof.in Dr.in Birgit Kirchmayr (JKU Linz) wie in der nationalsozialistischen Ideologie die Identität von Menschen von außen durch die fatalen „Nürnberger Rassegesetze“ bestimmt und festgelegt wurde. Wer „jüdisch“ war wurde durch „Blutsdefinitionen“ bestimmt. Die eigene Glaubenszugehörigkeit oder Religiosität spielte dabei keine Rolle. Mit perfiden Begriffen wie „Mischling“, „volljüdisch“, „halbjüdisch“ und „vierteljüdisch“ wurden Menschen kategorisiert. Kirchmayr beschrieb anhand zweier Biographien von Frauen aus Linz die konkreten Auswirkungen dieser schrecklichen Definitionen und Gesetze. Die beiden Christinnen waren aufgrund einer Beziehung mit einem Juden bzw. eigenen jüdischen Vorfahren direkt davon betroffen. Kirchmayr mahnte ein diese schrecklichen Begriffe und Logiken immer wieder zu hinterfragen, zu dekonstruieren und die herabwürdigende und menschenfeindliche Ideologie dahinter zu entlarven.
Ing. lic.theol. Elias Ungar gab Einblicke in seine bewegte Lebens- und Familiengeschichte, die sich zwischen Judentum und Christentum ereignete. Sein jüdischer Vater und seine zum Judentum konvertierte (zuvor katholische) Mutter schafften es während der NS-Herrschaft Österreich zu verlassen und nach Palästina zu emigrieren. Sie kehrten nach dem Krieg nach Linz zurück, wo auch Elias Ungar geboren wurde. Sein geistiger und spiritueller Lebensweg führte ihn vom Judentum über den Katholizismus, vom Engagement in Friedensbewegungen bis hin zum Noviziat in einem Kloster am Berg Athos und danach zum Studium der Orthodoxen Theologe, später zum Studium der Religionswissenschaft und Judaistik. In einem sehr persönlichen Vortrag beleuchtete er die Fäden seines Lebensteppichs und reflektierte die Muster, die daraus im Rückblick erkennbar wurden.
In einer Gesprächsrunde (Moderation: Mag. Günter Merz) tauschten sich die Gäste darüber aus, was es heute bedeutet jüdisch zu sein oder jüdische Wurzeln zu haben. Brigitta Oberforster-Nagar lebte lange Zeit mit ihrer Familie in Israel und seit kurzem wieder in Oberösterreich. Sie konvertierte vor über 15 Jahren zum Judentum und erzählte vom Leben als Jüdin in einer überwiegend christlichen Gesellschaft einer kleinen Landgemeinde. Dr. Harry Merl, langjähriger Arzt am ehem. Wagner-Jauregg-Krankenhaus und Begründer der systemischen Familientherapie in Österreich, überlebte als eines der wenigen jüdischen Kinder die NS-Zeit in Wien. Er beschrieb u.a. die „jüdische Zurückhaltung“, ein Bedürfnis nicht aufzufallen, das sich bei vielen jüdischen Menschen nach der NS-Schreckensherrschaft tief eingeprägt hat. Dr.in Charlotte Herman wuchs in Linz auf, lebte dann in Israel und ist seit 2013 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in Linz. Sie erzählte von ihrer jüdischen Kindheit in Linz und ihren Erfahrungen in der Kultusgemeinde.
Eines zeigte der Abend deutlich: Religionen sind keine abgeschlossenen Inseln. Auch Judentum und Christentum sind miteinander verwoben, auch in Lebensgeschichten von Menschen - aufgrund von Konversionen, interreligiösen Ehen oder einfach dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit.
Mag.a Gudrun Becker (Referat für Ökumene und Judentum)

Linz

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Tag des Judentums 2019 in Linz

Zeitreise zu Orten jüdischen Lebens und Glaubens in Linz.
Tag des Judentums 2019

Am Do., 17.1.2019 folgten über 180 BesucherInnen, darunter auch Bischof Dr. Manfred Scheuer und Bischof em. Dr. Maximilian Aichern der Einladung des christlich-jüdischen Komitees OÖ zum diesjährigen Tag des Judentums an der Katholischen Privat-Universität. Außerdem konnte auch Mag. Dr. Walter Schuster, Direktor des Archivs der Stadt Linz, als Ehrengast begrüßt werden. Die ReferentInnen Casimir Paltinger; Wolfram Starczewski, Mag.a Verena Wagner; Mag. Günter Merz und Dr.in Charlotte Herman führten gemeinsam mit Mag.a Gudrun Becker, Leiterin des christlich-jüdischen Komitees, mithilfe von Stadtplänen, Videoeinspielungen, Dialogsequenzen, Fotos und Bildern, Plänen, Familiengeschichten und persönlichen Erinnerungen durch die Geschichte jüdischen Lebens und Glaubens in Linz vom 14. bis ins 20. Jahrhundert.

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JÜDISCHE GESCHICHTEN VOM ÜBERLEBEN

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Linz. Albert Lichtblau, Historiker an der Universität Salzburg, referierte an der KU Linz zum "Tag des Judentums" über „Rückkehr oder Exil ...? – Jüdische Überlebensgeschichten und die österreichische Nachkriegsgesellschaft". Lesen Sie den Bericht auf der Website der Diözese Linz. Link

DAS JUDENTUM IM KIRCHENLIED EINST UND JETZT

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Linz. Zum Tag des Judentums referierten am 19. Jänner 2015 Prof. Peter Ebenbauer (Graz) und Pfarrer Roland Werneck (Wels) an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität (KTU) Linz.mehr …

BEGEGNUNG IN DER SYNAGOGE

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Linz. Einmal im Jahr laden das Forum St. Severin und die Israelitische Kultusgemeinde gemeinsam zur Begegnung in die Synagoge ein – und das bereits seit 28 Jahren. "Typisch jüdisch - typisch christlich" – diesem Thema widmeten sich Oberrabbiner Chaim Eisenberg und Christian Öhler, Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion und Pfarrer von Bad Ischl, am 18. April 2013.

TAG DES JUDENTUMS 2013: VORTRAG IN LINZ

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Linz. Prof. Hans Hermann Henrix (Aachen) sprach am 16. Jänner an der Katholisch Theologischen Privatuniversität Linz. Er erzählte, wie die Erklärung "Nostra Aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen entstand und welche bedeutende Wirkungsgeschichte sie hat.

BEGEGNUNG IN DER SYNAGOGE

Linz. Mehr als 100 Besucherinnen und Besucher folgten am 3. Mai 2012 der Einladung der Israelitischen Kultusgemeinde und des Forums St. Severin zur 27. Begegnung in die Linzer Synagoge. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger, Weitwanderer und Pilger, sprachen über das Thema „Die Wallfahrt“.