Praxis

Rückblick auf  600 Jahre Wiener Gesera 12.3.1421/2021

Ein Podcast

Der Text hier…

Ein ausführlicher Kathpressbericht

Ein Hintergrundbericht des ORF

Der Link zum Statement der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien

Kontinuität und Aktualität des Antisemitismus.Eine österreichische und globale Herausforderung. Von der Wiener Gesera 1421 bis zur Gegenwart

Der mögliche Dialog

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Wir laden ein, zu einem stillen persönlichen Gedenken

Worte des Gedenkens auf Facebook hier posten.
„Gedenken der Novemberpogrome 1938“

Novemberprogrome Predigt von Regina Polak 9.11.2020

Wie ist das möglich – mehr als sieben Jahrzehnte nach der Schoah?
Wie kann nach der Erschütterung der Menschheit durch die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden das Gift des Antisemitismus erneut die menschliche Zivilisation zersetzen?
Warum ist diese Drachensaat bis heute nicht ausgerottet?
https://www.youtube.com/watch?v=czFOSyGT7Gk

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Dieses Mal ist es anders: Novemberpogrom-Gedenken 2020

Erklärung des Präsidenten des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Martin Jäggle, zum Jahrestag der NS-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung am 9. November – „Gedenken ist nicht abgesagt“

Der Vorsitzende des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Martin Jäggle, hat in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung zum Jahrestag der NS-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung am 9. November 1938  auf die besonderen Bedingungen dieses Gedenkens „zwischen Terror und Pandemie“ verwiesen. Der November-Pogrome zu gedenken, bedeute zugleich, Wert und Würde eines jeden Menschen zu respektieren.  Ebenso bedeute dieses Gedenken, alles zu tun, damit jüdische Menschen in Österreich in Sicherheit, in Würde und Wertschätzung leben können.

Die Erklärung von Prof. Jäggle hat folgenden Wortlaut:

Das Gedenken an die Novemberpogrome des NS-Regimes vom 9. November 1938 findet dieses Jahr im Schatten des Attentats im Umfeld des Wiener Stadttempels und unter den Bedingungen der Pandemie statt.
Das Attentat schockiert uns, die Opfer machen uns betroffen und das Leid der Angehörigen ruft nach unserer Anteilnahme. Umso ermutigender sind die vielen Zeichen der Verbundenheit, besonders der Repräsentanten der Kirchen und Religionsgesellschaften, aber auch die Worte, die Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz gesprochen haben. Der Österreichischen Ordenskonferenz ist zuzustimmen: „Stehen wir ein für ein offenes Wien, für eine Stadt, die sich nicht fürchtet, sondern zusammenhält. In Gebet oder Gedenken verbinden wir uns mehr, als dass Hass uns zu trennen vermag!“
Die Bedingungen der Pandemie führten zur Absage fast aller Veranstaltungen zum Gedenken der Novemberpogrome. Ebenso kann der ökumenische Gottesdienst in der Kirche St. Ruprecht, die direkt am Tatort des Attentats liegt, nicht stattfinden. Doch damit ist und darf das Gedenken nicht abgesagt sein.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Synagogen im ganzen damaligen Deutschen Reich NS-Herrschaftsbereich zerstört, auch in Österreich brannten die jüdischen Gebetshäuser. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet, 6.547 jüdische Wiener wurden verhaftet. Die Novemberpogrome 1938 waren der Auftakt zur Shoah, in der sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet worden sind. Was staatlich organisiert war, hatte im tiefverwurzelten gesellschaftlichem Antisemitismus und Judenhass seinen Rückhalt.

Die Zerstörung der Synagogen, der jüdischen Orte des Gebetes, des Gottesdienstes, der Versammlung und des Lernens, sollte auch die jüdischen Gemeinden zerstören. Zu oft werden Beschädigungen jüdischer Einrichtungen unter Sachschäden bagatellisiert, sie sind aber Aggressionen auf jüdisches Leben, das gedemütigt, herabgewürdigt und möglichst klein gehalten, gestört und zerstört werden soll. Ähnliches gilt auch für Beschädigungen von Kirchen und Moscheen, erst Recht von Attentaten in diesen.

Im Jahre 2020, im Schatten des Attentats von Wien und unter den Bedingungen der Pandemie, ist das Gedenken der Novemberpogrome in besonderer Weise in die Verantwortung der Einzelnen gestellt. Die ökumenische Initiative „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ lädt zu einem stillen persönlichen Gedenken ein:
- Worte des Gedenkens auf den Blog „Gedenken der Novemberpogrome 1938“ zu posten.
- Die Lesungen aus der Bibel zu hören (oder zu lesen): Ex 20,1-17
- Die Gedanken von Prof. Regina Polak dazu zu hören
- Orte, an denen es früher jüdisches Leben gab (Synagogen, Steine des Gedenkens etc.)  im Laufe des Tages in aller Stille und allein aufzusuchen.
- Beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah am Judenplatz eine Kerze zu entzünden.
Alle Informationen sind zu finden auf www.christenundjuden.org. Die Möglichkeit zum Posten und die Audiofiles gibt es dort am 9. November 2020.

Gedenken des Vergangenen in der Gegenwart ist stets auf Zukunft gerichtet, sonst bleibt das „Nie wieder!“ hohles Pathos. Der Novemberpogrome zu gedenken, bedeutet zugleich, Wert und Würde eines jeden Menschen zu respektieren. Im Talmud heißt es: "Jeder einzelne soll sich sagen: Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich.“

Österreich braucht noch mehr Anstrengungen, ein aktiv offenes und einander wertschätzendes Zusammenleben zu gestalten und allen Polarisierungen eine Absage zu erteilen. Dringend erforderlich sind Schritte, wie sie das aktuelle Regierungsprogramm „Verantwortung für Österreich“ vorsieht, das erstmals den Kampf gegen Antisemitismus als politische Querschnittmaterie etabliert hat. Leider fehlt bisher dafür ein konsistentes konkretes Durchführungskonzept.
Jüdisches Leben ist ein unverzichtbarer Teil von Österreich. Dass es nach der Shoah wieder aufgeblüht ist, macht uns dankbar und verantwortlich, alles zu tun, damit jüdische Bürgerinnen und Bürger nicht nur in Sicherheit, sondern auch in Würde und Wertschätzung leben können.

Baruch Dajan haEmet (Gepriesen sei der wahrhaftige Richter)

Mit diesen Worten leiten Juden die Nachricht über das Ableben eines Menschen ein. Dass dies beim Einschalten elektronischer Medien nach Ende des Schabbat gleich doppelt angezeigt wurde, schockierte die jüdische Welt: Zwei der bedeutendsten Rabbinerpersönlichkeiten haben diese Welt verlassen.
Am Freitag, den 6. November, verstarb im Alter von 91 Jahren Rabbiner Dovid Feinstein, s“l, der Sohn des Gedol haDor, des Großen der Generation, Rabbiner Moshe Feinstein, s“l, und dessen Nachfolger als Leiter der Yeshiva Mesivtha Tifereth Jerusalem in Manhattan. Er war ein Gelehrter und produktiver Schreiber. Er war ein Mann weniger Worte, aber ein Possek, Dezisor, der bedeutende bindende Entscheidungen für das jüdische Leben getroffen hat.
Am Tag darauf wurde das Ableben von Rabbiner Lord Jonathan Saks, s“l, im Alter von 72 Jahren bekanntgegeben. Er war von 1991 bis 2013 Oberrabbiner der United Hebrew Congregations of the Commonwealth. Sein schriftliches Werk umfasst sowohl innerjüdische Themen, von der Herausgabe eines Siddur, eines Gebetsbuchs für alle Tage, mit neuer englischer Übersetzung und Kommentaren zu theologischen und philosophischen Abhandlungen, u.A. zu den Wochenlesungen der Torah, als auch Texte zum interreligiösen Dialog. Bei letzterem ging es ihm insbesondere um den Respekt für die nicht zu versteckenden Unterschiede zwischen den Religionen, damit das Zusammenleben funktionieren kann, wie in The Dignity of Difference. Andrerseits scheute er auch nicht die Konfrontation innerhalb des Judentums sowohl mit dem ultra-orthodoxen wie mit dem reformatorischen Flügel, wenn er es für gerechtfertigt hielt.
Im Unterschied zu Rabbiner Feinstein war Rabbiner Sacks ein Mann des Wortes, das er in vielen religiösen wie politischen Vorträgen feinsinnig und als Virtuose der englischen Sprache treffend einzusetzen wusste.
Beide Rabbiner waren begnadete Lehrer und, wie der hebräische Ausdruck für einen Torah-Gelehrten lautet, Talmidei chachamin, gelehrte Schüler, die nie aufhörten zu lernen.
Ohne diese beiden Geistesgrößen ist die jüdische Welt ein Stück ärmer geworden.

Yehi sichram baruch – ihr Andenken sei gesegnet

Hinweis: s“l steht für sichrono liwracha und bedeutet möge sein Andenken zum Segen sein

MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT

In großer Betroffenheit und Trauer gedenken wir der Opfer des Terroranschlags der vergangenen Nacht. Deren Angehörigen gilt unsere tiefe Verbundenheit. In Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft, die in solchen Situationen stets besonders bedroht ist, laden wir gerade jetzt zum Gedenken der Novemberpogrome 1938 ein.
Fast alle im Rahmen der Bedenktag-Reihe „MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT“ vorbereiteten Veranstaltungen und Gottesdienste zum Gedenken an die Novemberpogrome müssen heuer wegen der verschärften Regeln zur Eindämmung des Coronavirus abgesagt werden. Damit ist aber das Gedenken nicht abgesagt.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im ganzen Deutschen Reich, also auch in Österreich, die Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Die Nationalsozialisten gaben diesem Tag den euphemistischen Ausdruck "Reichskristallnacht". Mit dem Novemberpogrom radikalisierten sie die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung.
Der 9. November 2020 gibt allen die Möglichkeit zum Gedenken an diese Novemberpogrome - auch in Dankbarkeit für das wieder möglich gewordene jüdische Leben.

Wir laden ein, zu einem stillen persönlichen Gedenken
Worte des Gedenkens auf den Blog „Gedenken der Novemberpogrome 1938“ zu posten.
Die Lesungen aus der Bibel zu hören (oder zu lesen): Ex 20,1-17
Die Gedanken von Prof. Regina Polak, dazu zu hören (oder zu lesen)
Orte, an denen es früher jüdisches Leben gab (Synagogen, Steine des Gedenkens etc.) im Laufe des Tages in aller Stille und allein aufzusuchen.
Beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah am Judenplatz eine Kerze zu entzünden.
Alle Informationen sind zu finden auf www.christenundjuden.org. Die Möglichkeit zum Posten und die Audiofiles gibt es dort am 9.11.2020 .
Stattfinden kann – als Online-Veranstaltung – das Podiumsgespräch Trügerische Sicherheit: Sinn und Unsinn von Verschwörungstheorien mit der Philosophin Caroline Heinrich, dem Judaisten Armin Lange und Giulia Silberberger von „Der goldene Aluhut“. Mittwoch, 11. November, 19 Uhr, Infos dazu: www.evang-akademie.at
MECHAYE HAMETIM - DER DIE TOTEN AUFERWECKT ist eine gemeinsame Initiative von röm.-kath. Gemeinde St. Ruprecht, Wien, Albert-Schweitzer-Haus – Forum der Zivilgesellschaft, Evangelische Akademie Wien, Evangelische Hochschulgemeinde Wien, Forum Zeit und Glaube – Katholischer Akademikerverband Wien, Die Furche, Katholische Aktion Österreich, Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Theologische Kurse Wien.

Heilung von Corona (Yuval Katz)

Heute feiern Juden und Jüdinnen weltweit Jom Kippur, den Tag der Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Yuval Katz, Geschäftsführer des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, gibt Einblicke in die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das jüdische Leben in Israel und in der Diaspora.

Eine jüdische Beisltour

„Gefillte Fisch und Soja-Latte“. Koscheres Essen zwischen den jüdischen Feiertagen Rosch Haschana und Jom Kippur

Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Grazer Theologin posthum als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt

Margarete Hoffer half verfolgten Juden - Ehrung durch Staat Israel in Grazer Synagoge

Graz (epdÖ) – Die im Jahr 1991 verstorbene Grazer evangelische Theologin Margarete Hoffer bewies in der NS-Diktatur Zivilcourage und riskierte ihr Leben, um jüdische Mitbürger zu retten. Dafür wurde sie 2012 von der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Am Dienstag, 15. September, wurde sie in einer Zeremonie der Israelischen Botschaft auch in der Grazer Synagoge posthum geehrt.

Tanz den Frieden

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Maimonides Lectures

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Brief von Kardinal Schönborn an die jüdischen Gemeinden in Österreich zur 350 Jahre wiener Gezera

Ein trauriges und beschämendes Datum veranlasst mich, Ihnen zu
schreiben. Am 26. Juli 1670, also vor genau 350 Jahre, mussten auf
Befehl von Kaiser Leopold I. alle Juden Wien verlassen haben.
Antijüdische Randale besonders der Wiener Studentenschaft, die Agitation
von Geistlichen und von Bischof Leopold Karl von Kollonitsch,
Unglücksfälle, für die ungerechterweise Juden verantwortlich gemacht
wurden, die judenfeindliche Einstellung der Frau von Kaiser Leopold I.,
Margarita Teresa, wie auch die eines großen Teils der Wiener Katholiken
und letztlich die Entscheidung einer kaiserlichen Kommission führten zu
den Ausweisungsdekreten des Kaisers. An der Stelle der großen Synagoge
des Ghettos im Unteren Werd wurde die Leopoldskirche im heutigen 2.
Bezirk, der Leopoldstadt, errichtet. Ein sehr kleiner Trost mag der
Gedanke sein, dass in den düsteren Jahren des NS-Terrors von 1938-1945
der damalige Seelsorger von St. Leopold, Pfarrer Alexander Poch, ständig
bemüht war, jüdischen Menschen zu helfen und deshalb im Visier der
Gestapo war.

Diese 2. Wiener Gesera genannte Vertreibung der Wiener Judenschaft und
die Zerstörung der jüdischen Gemeinde 1670 waren eine Katastrophe für
die jüdische Bevölkerung und ein schmerzlicher Verlust für Wien. Die
damaligen antijüdischen Wahnvorstellungen, wonach die Juden Feinde der
Christenheit sind, deren heilige Schriften verhöhnen, die Brunnen
vergiften, Hostien schänden, christliche Kinder stehlen etc., spielten
bei den Wiener Vorgängen des späten 17. Jahrhunderts eine zentrale
Rolle.

Die Ereignisse vor 350 Jahren können wir nicht ungeschehen machen, aber
wir können sie zum Anlass nehmen, unsere Freude und Dankbarkeit darüber
auszudrücken, dass es nach der Katastrophe der Shoah wieder jüdische
Gemeinden und ein vielfältiges jüdisches Leben in Wien gibt. Dies ist
ein Geschenk für Wien und auch für die katholische Kirche. Die
katholische Kirche in Österreich hat sich mit allen anderen
Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ)
die europäische „Charta Oecumenica“ von 2001 zu eigen gemacht, in der
sich die Kirchen verpflichten, „allen Formen von Antisemitismus und
Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten; auf allen
Ebenen den Dialog mit unseren jüdischen Geschwistern zu suchen und zu
intensivieren.“

Ich habe die katholischen Pfarren in Wien gebeten, als Dank für die
Präsenz jüdischer Gemeinden in Wien in den Sonntagsgottesdiensten am
26.7.2020 für diese zu beten:

„Den Juden wurde eine Frist bis 26. Juli 1670 gesetzt, um ihre Häuser zu
räumen und Wien zu verlassen. Heute, nach 350 Jahren blüht in dieser
Stadt wieder jüdisches Leben auf. Wir bitten Dich, Allmächtiger, Gütiger
Herr: Segne die Jüdinnen und Juden dieser Stadt und ihre Gemeinden, gib
ihnen Bestand und Wachstum in Frieden.“


https://kurier.at/politik/inland/wien-gebet-fuer-juedische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen/400978442

https://www.glonaabot.at/einschlagige-artikel/wien-gebet-fur-judische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen

https://www.kathpress.at/goto/meldung/1914751/wien-gebet-fuer-juedische-gemeinden-in-den-sonntagsmessen

https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/85301.html

Gebet für die jüdische Gemeinde in den Kirchen Wiens am kommenden Sonntag

Am kommenden Sonntag jährt sich die Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670, die „Wiener Gesera“, zum 350. Mal. Ich bitte daher alle Wiener Pfarren, in den Fürbitten der jüdischen Gläubigen in Wien zu Gedenken und dazu etwa folgende Fürbitte einzufügen:
„Den Juden wurde eine Frist bis 26. Juli 1670 gesetzt, um ihre Häuser zu räumen und Wien zu verlassen. Heute, nach 350 Jahren blüht in dieser Stadt wieder jüdisches Leben auf. Wir bitten Dich, Allmächtiger, Gütiger Herr: Segne die Jüdinnen und Juden dieser Stadt und ihre Gemeinden, gib ihnen Bestand und Wachstum in Frieden.“

Hier noch einige ergänzende Informationen dazu:
Am 26. Juli 1670, also vor genau 350 Jahren, mussten auf Befehl von Kaiser Leopold I. alle Juden Wien verlassen haben. Antijüdische Randale besonders der Wiener Studentenschaft, die Agitation von Geistlichen und von Bischof Leopold Karl von Kollonitsch, Unglücksfälle, für die ungerechterweise Juden verantwortlich gemacht wurden, die judenfeindliche Einstellung der Frau von Kaiser Leopold I., Margarita Teresa, wie auch die eines großen Teils der Wiener Katholiken und letztlich die Entscheidung einer kaiserlichen Kommission führten zu den Ausweisungsdekreten des Kaisers. An der Stelle der großen Synagoge des Ghettos im Unteren Werd wurde die Leopoldskirche im heutigen 2. Bezirk, der Leopoldstadt, errichtet. Ein sehr kleiner Trost mag der Gedanke sein, dass in den düsteren Jahren des NS-Terrors von 1938-1945 der damalige Seelsorger von St. Leopold, Pfarrer Alexander Poch, ständig bemüht war, jüdischen Menschen zu helfen und deshalb im Visier der Gestapo war.
Diese zweite, „Wiener Gesera“ genannte, Vertreibung der Wiener Judenschaft und die Zerstörung der jüdischen Gemeinde 1670 waren eine Katastrophe für die jüdische Bevölkerung und ein schmerzlicher Verlust für Wien. Die damaligen antijüdischen Wahnvorstellungen, wonach die Juden Feinde der Christenheit seien, deren heilige Schriften verhöhnen, die Brunnen vergiften, Hostien schänden, christliche Kinder stehlen würden etc., spielten bei den Wiener Vorgängen des späten 17. Jahrhunderts eine zentrale Rolle.
Die Ereignisse vor 350 Jahren können wir nicht ungeschehen machen, aber wir können sie zum Anlass nehmen, unsere Freude und Dankbarkeit darüber auszudrücken, dass es nach der Katastrophe der Shoah wieder jüdische Gemeinden und ein vielfältiges jüdisches Leben in Wien gibt. Dies ist ein Geschenk für Wien und für die katholische Kirche. Die katholische Kirche in Österreich hat sich mit allen anderen Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) die europäische „Charta Oecumenica“ von 2001 zu eigen gemacht, in der sich die Kirchen verpflichten, „allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten; auf allen Ebenen den Dialog mit unseren jüdischen Geschwistern zu suchen und zu intensivieren.“
Ich danke allen, die sich für ein gutes Miteinander der Religionen in Wien einsetzen und wünsche Ihnen einen guten und friedlichen Sommer. Bitte beachten Sie auch die Corona-Anweisungen, damit das Virus sich nicht ausbreiten kann, und wir alle möglichst gesund bleiben.
Mit meinen herzlichen Segenswünschen
Ihr +Christoph Kard. Schönborn

Pope John XXIII and Prof. Jules Isaac

Am 11. Juni fand das Webinar "Remembering a Momentous Moment: The Meeting of Pope John XXIII and Prof. Jules Isaac" statt. Darin wird mit viel Sachwissen über die Initialzündung zum Vatikan 2-Dokument "Nostra Aetate" berichtet. Ein Video dieses Webinars kann unter:
http://www.kaltura.com/tiny/qiv3o abgerufen werden.

Oberrabbiner Eisenberg 70

Lieber, sehr geschätzter Herr Oberrabbiner Eisenberg,

Ihr 70igster Geburtstag, zu dem wir Ihnen herzlich gratulieren, ist für uns ein Anlass, einfach danke zu sagen:
-  Für Ihr jahrzehntelanges treues Engagement für ein gutes Zusammenleben von Christen und Juden. Wenn viele Sie als „unser Oberrabbiner“ bezeichnen, dann kommt hier zum Ausdruck, wie sehr Sie und Ihr Engagement geschätzt werden und Sie erfolgreich dazu beigetragen haben, dass die jüdische Gemeinschaft ein anerkannter Teil der Gesellschaft geworden ist.
-  Wie sehr Sie jüdische Religion als lebensförderlich einer breiten Öffentlichkeit erschlossen haben. So wirken Sie dem „Gerücht über die Juden“, dem Antisemitismus, entgegen und regen Angehörige anderer Religionsgemeinschaften an, deren Tradition lebensförderlich zu leben.
-  Für Ihre in der jüdischen Tradition verankerte Bemerkung: „Ein Rabbiner braucht Schüler, um lernen zu können.“ Diesem Verständnis wünschen wir Verbreitung auch außerhalb des Judentums.
-  Für Ihre ganz besondere Beziehung zu Wort und Musik verbunden mit der Bereitschaft, dies auch öffentlich darzubieten. Ihr Wortwitz demaskiert Ideologien und erschließt oft überraschende Einsichten.
-  Für Ihre spontane Bereitschaft, sich an unserem Projekt „Shalom! Musik between friends!“ zu beteiligen. Von Ihrem Freund und unserem jahrelangen Geschäftsführer Markus Himmelbauer initiiert, musizierten mit Ihnen in einem weltweit einzigartigen musikalischen Freundschaftstreffen mehrmals der damalige lutherische Landesbischof Michael Bünker, der Abtprimas der Benediktiner Notger Wolf, der Generalsekretär der Bischofskonferenz Peter Schipka und der frühere Sektionschef Gerhard Steger zuerst begleitet von den Altenburger Sängerknaben und dann vom Jüdischen Chor Wien.
Jeder hat sein eigenes Instrument, in Ihrer Fall Ihre Stimme. Es bedarf des sich aufeinander Einstimmens. Harmonie und Rhythmus aus der Vielfalt von Klängen und Stimmen, die Vertiefung unserer Begegnung in unserer Unterschiedlichkeit: Das ist auch das Ziel des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dafür steht „Shalom! Music Between Friends!“.
Für Ihre Verbundenheit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit danken wir Ihnen ganz besonders und wünschen Ihnen alles Gute bis 120 - und bis 100 wie 20.

Für den Vorstand des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit
Martin Jäggle, Margit Leuthold, Willy Weisz

Der Händedruck – ein Integrationszeichen mit Ablauf

Lange Zeit wurde die Weigerung mancher Muslime, Personen des anderen Geschlechts die Hand zu geben, als Beweis für Integrationsverweigerung propagiert: Es sei tiefst verankerte Tradition in unserem Land, dass jede und jeder jedem bzw. jeder die Hand zum Gruß reicht und dass die Weigerung daher der Nachweis der „ewigen Fremdheit“ sei. Diese Weigerung wurde meist auch als Herabwürdigung der Nicht-Muslime ausgegeben, obwohl die gleichen Regeln auch innerhalb des Islam gelten.
Auch streng ihre Religion praktizierende Juden geben einer Person des anderen Geschlechts nicht die Hand, gleichgültig ob Jüdin/Jude oder nicht. Der Grund hierfür ist die Auffassung, dass der Körperkontakt zwischen den Geschlechtern der Familie vorbehalten bleiben muss. Es zählt also nur das Geschlecht des Gegenübers, nicht sein Glaubensbekenntnis. Als Jude kann und will ich natürlich nicht islamische Traditionen erklären, aber ich nehme an, dass dies der Hintergrund ist.
Aber auch die „Pflicht“ zum Handschlag war und ist so allgemein nicht in unserem Land. Als noch Knigge, Elmayer und Co. in den Schulen am Stundenplan stand, habe ich gelernt, dass Ältere den Jüngeren, Vorgesetzte den Untergebenen und insbesondere Damen den Herren die Hand zum Gruße entgegenstrecken, niemals umgekehrt. Und wenn der Bevorrechtete nicht wollte, so unterblieb diese Form der Begrüßung. Im Zeitalter der Gleichberechtigung der Geschlechter sollte wohl auch Männern gestattet sein, den Händedruck zu verweigern.
Und auf einmal geht es auch anders: Es gehört plötzlich zum guten Ton, nicht die Hand zu geben. Das hätte ich mir eigentlich schon in früheren Jahren zu Zeiten der Grippewelle gewünscht. Damit hätten sicher viele auf das Grippevirus zurückzuführende Erkrankungen bis Todesfälle verhindert werden können – aber da gab es eben noch die bedauerliche Tradition des Hände-Geben-Müssens.
Vielleicht hilft auch ein Nachdenken über den Ursprung dieser „Tradition“; wieso wird Kindern gegenüber so stark betont, doch die „schöne“ (=rechte) Hand zu geben. Die richtige Hand für einen „herzlichen“ Gruß wäre doch die linke, die noch dazu meist sauberer ist, da ja die meisten Menschen in erster Linie die rechte Hand zum Arbeiten nutzen. Die „Verpflichtung“, die rechte Hand zum Gruß entgegenzustrecken, verhinderte, dass der Entgegenkommende den links im Gurt steckenden Dolch oder das Schwert ziehen konnte. Gibt es für darauf aufbauende Traditionen noch Bedarf?
Hoffentlich schafft es das Corona-Virus, dass das potentiell sogar gesundheitsgefährdende Hand-Geben als notwendiger Nachweis der Verbundenheit mit Österreich endgültig begraben wird.

Willy Weisz

"ORF-TVthek" baut "Medienarchiv Judentum" weiter aus

Die "ORF-TVthek" hat in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Wien das "Medienarchiv Judentum" weiter ausgebaut. Das um 21 auf insgesamt 109 Videos deutlich erweiterte Medienarchiv bietet ein breites Spektrum an Beiträgen aus ORF-Sendungen der vergangenen Jahrzehnte, die ein vielschichtiges Porträt jüdischer Vergangenheit und Gegenwart in Österreich zeichnen, heißt es in einer Aussendung des ORF. Ein zentraler Schwerpunkt ist dabei, in Dokumentationen, Beiträgen und Zeitzeugen-Gesprächen umfassend an den Holocaust zu erinnern.

Das Medienarchiv zeigt Beispiele für den jüdischen Alltag und das Leben in Wien…

Quelle: KATHPRESS

Schawuot und Pfingsten

Der Koordinierungsausschuss zu Gast in der Ö1- Sendung Lebenskunst, Sonntag, 26.4.2020, 7:05 Uh

Carla Amina Baghajati, Jüdische Gemeinde Wien, Interreligiöse Partnerschaft
Was mich in der Krise trägt - Mit der Erschwernis kommt auch die Erleichterung +++
Wiederaufbau der Seelen - Die Jüdische Gemeinde von Wien nach 1945 +++
Interreligiöse Partnerschaft - Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit
+++ Fülle nach der Leere - Bibelessay zu Johannes 21, 1-14

https://oe1.orf.at/programm/20200426/595707/Carla-Amina-Baghajati-Juedische-Gemeinde-Wien-Interreligioese-Partnerschaft

Ein Klezmer-Lied als Mutmacher in Corona-Zeiten von Künstler Roman Grinberg

Am 13.4. hat Greenberg seinen Song auf youtube gestellt https://www.youtube.com/watch?v=C_GSoA2Ycq4, bereits über 10.000 Aufrufe
tachles hat darüber am 15.4.2020 einen Beitrag gebracht: https://www.tachles.ch/artikel/news/roman-grinberg-singt-fuer-gesundheit-und-hoffnung

Jahresbericht 2019

Jahresbericht_2019-squashed

Exkursion Graz

Exkursion_Jüdisches Niederösterreich_21.06.2020

Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt

Nach einem Auswahlprozess des Rabbinerfindungskommissions und einem letzten öffentlichen Hearing vor dem Kultusvorstand und interessierter Gemeindemitglieder wurde der 43-jährige Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt.

Rabbiner Jaron Engelmayer war am 18. Februar 2020 bereits zu Gast im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gesprächsabend Judentum und Ökologie

Einladung

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MAIMONIDES LECTURES 10. SYMPOSION

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Programmfolder-10-Maimonides-Lectures-final 2

Amos Oz

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Gedanken für den Tag von Martin Jäggle

Montag, 4.11.
Nachdenkliche Erinnerung
Als ich vor dreißig Jahren in den Fernsehnachrichten vom Fall der Berliner Mauer erfuhr, habe ich damals vor Freude geweint, fassungslos geweint. So überwältigt hat mich das, was ich da sah. Diese Nacht war eine Freudennacht – nicht nur für die Menschen in Berlin – auch für mich in Wien und für viele in anderen Ländern. Mit dem Fall der Berliner Mauer ohne Blutvergießen wurde eine unglaubliche, aber so erhoffte Möglichkeit plötzlich Wirklichkeit. Nicht nur die Mauern von Jericho, von denen die Bibel erzählt, können fallen.
Die Berliner Mauer kann aber heute noch daran erinnern, was Mauern mit und aus Menschen machen, um wieviel schwerer es wohl ist, Mauern in den Köpfen zu Fall zu bringen.
Dreißig Jahre danach ist die Erinnerung an den Fall der Berliner Mauer bei mir nicht mehr mit Freudentränen, jedoch mit großer Dankbarkeit verbunden. Und etwas ist hinzu gekommen, was am Tag ihres Falles ganz ausgeblendet blieb: Die Erinnerung an jene, die in den achtundzwanzig Jahren des Bestehens der Mauer diese nicht akzeptiert haben, sondern sie zu überwinden suchten, und dabei ermordet wurden. Die Erinnerung an sie bleibt untrennbar verbunden mit der Erinnerung an den Fall der Mauer. Der Fall der Berliner Mauer ist aber auch das Symbol der sogenannten Wende. In dieser Zeit spielt der Roman „Liquidation“ des ungarische Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész, der in dieser Woche 90 Jahre alt geworden wäre. Er charakterisiert die Wende „in der verstörenden, plötzlichen Freiheit, in der die Vergangenheit liquidiert, die Biografien geändert werden. Nichts ist mehr gültig, es gibt keine erzählbare Geschichte mehr.“ Der Roman erzählt „von diesem Bruch, den man im ehemaligen Ostblock als tiefes Trauma erlebt“, „wie man sich mit der eigenen Vergangenheit, nolens volens, auseinander setzen muss“.
Die Erinnerung an den Fall der Berliner Mauer führte mich zu nachdenklicher Dankbarkeit.

Dienstag 5.11.
Die Pflicht des Erinnerns
Diese Woche steht im Zeichen des Erinnerns: Vor 30 Jahren der Fall der Berliner Mauer, vor 81 Jahren die November-Pogrome. Religionen sind gewissermaßen Spezialisten der Erinnerung, ihre Feste sind Hoch-Zeiten des Erinnerns. Vergangenes wird im festlichen Erinnern gegenwärtig und verbindet alle Feiernden. So wird ein kollektives Gedächtnis gestärkt, wie dies etwa besonders im Judentum der Fall ist. Die große Bedeutung von Erinnern und Gedenken wird schon daran erkennbar, dass das hebräische Verb für erinnern, „zachar“, 169 mal in der in der hebräischen Bibel, christlich Altes Testament genannt, vorkommt. Dieses Erinnern steht gegen Vergessen.
Im Pessach-Fest erinnert das jüdische Volk dankbar an den Exodus, an das Geschenk der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens, so dass alle, die mitfeiern, aus Ägypten ausgezogen sind. Es ist ein Fest voll Freude und Dankbarkeit, frei von jeder Nostalgie und Romantik. Bemerkenswert ist dabei, wenn der zehn Plagen gedacht wird. Die zehn Plagen zwangen gemäß der biblischen Erzählung mit Erfolg die Ägypter, die Israeliten ziehen zu lassen. Deshalb verringern Juden ihre Freude bei der Pessach-Feier, indem sie bei der Nennung jeder Plage einen Tropfen Wein versprengen. Diese Anerkennung des Leids der Ägypter erinnert sie zugleich daran, dass Freiheit niemals auf Kosten anderer geschehen darf.
Die religiöse Pflicht der Erinnerung an die geschenkte Freiheit hat auch praktische Konsequenzen. Wiederholt erinnert die Bibel an die Erfahrung, Fremde und Sklaven in Ägypten gewesen zu sein. So heißt es im Buch Exodus: „Einen Fremden sollst du nicht ausbeuten. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.“ (Ex 23,9) Und im Buch Levitikus wird gefordert: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“ (Lev 19,33-34 i.A.)

Mittwoch, 6.11.
Erinnern ist ein Recht
Zu Beginn des Shoa-Gedenkens stand viel Betroffenheit über die große Zahl. Wenn jemand von der Shoa sprach, von den sechs Millionen Toten, hieß es: „Wie fürchterlich!“ und „Nie wieder!“ All die pathetischen Formeln und politischen Floskeln blieben letztlich Geräuschkulissen, denn ermordet wurden nicht Zahlen, sondern Menschen. Das Benennen von Zahlen ist weder Erinnern noch Gedenken, sich aber mit konkreten Menschen und ihrem Leben auseinanderzusetzen, das schafft eine Grundlage, die man sich anschauen kann, sich vorstellen kann. Diese Konkretheit des Lebens, des Mordens, des Vertreibens ist nur möglich zu erinnern, wenn junge und alte Menschen sich auf Spurensuche nach den einzelnen Opfern begeben. So bekommen die, die ermordet wurden, wieder ihren Namen. Aus den Gedenkpraktiken von Schulen weiß ich, welche Bedeutung es übrigens haben kann, wenn deren Nachkommen und Angehörigen sehen: Hier werden ihre ermordeten Vorfahren gewürdigt, wieder hereingeholt und sichtbar gemacht. Das kann ein Anfang von Versöhnung sein, auch wenn damit keine Vertreibung und kein Mord ungeschehen gemacht werden.
Bei allen Menschenrechten sind in der westlichen Tradition die Toten irgendwie ausgeklammert, aber in der jüdischen Tradition haben Tote Rechte. Ihnen gehört zum Beispiel das Grab. Und die Toten haben nach jüdischer Tradition auch das Recht auf Erinnerung. Dementsprechend gibt es spät, aber doch zahlreiche Bemühungen, die Namen der Opfer öffentlich sichtbar und wahrnehmbar zu machen. Im Grunde genommen respektieren alle diese Formen des Erinnerns von Menschen, das Sprechen ihres Namens, deren Recht auf Erinnerung. Daher geht es im Erinnern nicht um die Frage des gefühlsmäßigen Bewegt seins, sondern darum, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Donnerstag, 7.11.
Als nichts zu sehen war, mir aber die Augen aufgingen.
Ich bin in Wien im Schatten des Stephansdom und im Lichte der Synagoge aufgewachsen. Der Stephansdom war meine Pfarrkirche und vom Küchenfenster der elterlichen Wohnung hatten wir einen Blick auf den Stadttempel. Wenn dort Licht brannte, wussten wir, dass im Stadttempel gebetet und gefeiert wurde. Gesprochen wurde damals darüber nicht. Es war ein Nebeneinander leben, von Begegnungen unterbrochen.
Jahrzehnte später besuchten die eigenen Kinder ein Gymnasium im 2. Wiener Gemeindebezirk. Dieses forschte im Jahre 1988 nach den jüdischen Schülerinnen und Schülern, die 1938 die Schule verlassen mussten. Die Bevölkerung des "Mazzesinsel" genannten 2. Bezirks war 1938 zur Hälfte jüdisch und wurde danach fast vollständig vertrieben und viele ermordet. Zur Unterstützung dieses Projektes organisierte ich eine Führung durch die „Mazzesinsel“. Die Fremdenführerin hatte eine Foto-Mappe, um uns mit deren Hilfe eine Vorstellung zu vermitteln von den Synagogen und jüdischen Einrichtungen. Damals, 50 Jahre danach, erinnerte fast nichts mehr an die Zeit bis 1938. So war nicht nur die jüdische Bevölkerung ausgelöscht, sondern auch die jüdische Geschichte des Bezirks. "Als nichts zu sehen war, mir aber die Augen aufgingen" nannte ich meinen Bericht über diese Führung. Warum war es so wichtig und in der Bevölkerung so akzeptiert, ein halbes Jahrhundert jede öffentliche Erinnerung an die „Mazzesinsel“ zu verhindern?
Schon damals wollten zu viele Schluss machen mit dem ewigen Gedenken an längst Vergangenes, aber wer die Erinnerung verweigert oder die damalige Zeit gar verklärt, wird auch die Menschenrechte schwächen, deren „Nichtanerkennung und Verachtung … zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen“, wie es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt.


Freitag, 8.11.
Um Erinnern ringen
Das Besondere von Spuren ist, dass sie auf etwas verweisen, das nicht mehr ist. Spuren von Menschen gibt es nur dort, wo jemand da war und nicht mehr da ist. So sind Spuren die Anwesenheit der Abwesenheit. Die Spuren zu suchen und zu sichern, macht Abwesende, jene die eigentlich da wären oder da sein müssten, wieder anwesend. Daher ist es so wichtig, jeder und jedem Einzelnen in seiner Lebensgeschichte nachzugehen.
Immer wieder taucht die Frage auf: Wann ist denn endlich Schluss? Warum könnt ihr die Vergangenheit nicht auf sich beruhen lassen? Und wenn wirklich einmal Schluss wäre mit all dem Erinnern an die Opfer und Gedenken der Opfer, was wäre dann? Wie ist dann Menschsein noch möglich, wenn Schluss ist mit Erinnern und Gedenken? Wäre das nicht ein Verzicht auf jede Humanität? Und wie schließt man denn so etwas überhaupt ab? Und wann ist es denn überhaupt genug? Vom Versuch, das Erinnern zu verweigern, war auch die Sprache bestimmt. Menschen sind, so hieß es üblicherweise, im Konzentrationslager gestorben. Jetzt ist sehr klar die Rede davon, dass sie im Konzentrationslager ermordet wurden. Was war das für ein langer Weg von dem harmlosen „gestorben“, von einer Sprache, die das Ungeheuerliche verschleierte, zu dem klaren, den Sachverhalt benennenden „ermordet“. Es hat zu lange gedauert bis eine Sprache akzeptiert ist, die Tacheles redet. Wer den Ungeist nicht fortschreiben will, muss so klar reden.
Ich kann „Nie wieder!“ nicht mehr hören. Die Praxis gibt nach Wittgenstein den Worten ihre Bedeutung. Wer also „Nie wieder!“ sagt, hat ohne entsprechende Praxis eigentlich sinnlos gesprochen.
Ein Gedenken hat nur dann Zukunft, wenn die Jüngeren einbezogen sind, wenn es für sie relevant wird und zwar nicht als moralische Keule, sondern auch aus ihrem Rechtsdenken heraus: Toten zu ihrem Recht zu verhelfen.
In welcher Gesellschaft wachsen junge Menschen auf? In einer Gesellschaft der Vernunft des Gedenkens, in der die Solidarität des Gedenkens gelebt wird? Die Alternative zu einer anamnetischen Gesellschaft wäre eine Gesellschaft der Amnesie. Von Alzheimer kann jede Gesellschaft befallen werden.


Samstag, 9.11.
Imre Kertész zum 90. Geburtstag
„Seit Auschwitz ist nichts geschehen, was Auschwitz aufgehoben, was Auschwitz widerlegt hätte. Der Holocaust konnte in meinem Werk niemals in der Vergangenheitsform erscheinen.“ bemerkt der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész in seiner Rede bei der Preisverleihung im Jahre 2002. „Ich habe im Holocaust“, so fährt er fort, „die Situation des Menschen erkannt, die Endstation des großen Abenteuers, an der der europäische Mensch nach zweitausend Jahren ethischer und moralischer Kultur angekommen ist.“ Nach Kertész „bleibt uns jetzt zu überlegen, wie wir von hieraus weiterfinden.“ Denn das Problem Auschwitz besteht für ihn „nicht darin, … ob wir es im Gedächtnis bewahren sollten oder in der entsprechenden Schublade der Geschichte versenken... Das wirkliche Problem Auschwitz besteht darin, dass es geschehen ist und dass wir an dieser Tatsache mit dem besten, aber auch mit dem schlechtesten Willen nichts ändern können.“
Was der 15-jährige Kertész in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald erfahren und erlitten hat, machte derShoa-Überlebende zur Grundlage seines Werkes. „Auch wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz. Ich bin ein Medium des Geistes von Auschwitz“ heißt es in seinem Roman „Fiasko“.
Kertész wurde für sein Werk ausgezeichnet, „das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet“.
Er, der nie ein Kind wollte, um ihm sein eigenes Schicksal zu ersparen, schreibt in seinem Roman „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“:
„Wenn ich schreibe, erinnere ich mich, muss ich mich erinnern, auch wenn ich nicht weiß, warum ich mich erinnern muss, es hängt offensichtlich mit dem Wissen zusammen, Erinnerung ist Wissen, wir leben, um uns an dieses unser Wissen zu erinnern, weil wir nicht vergessen können, was wir wissen.“
Heute am 9. November wäre Imre Kertész 90 Jahre alt geworden.



Gedenken

Einladung zum Pogrom-Gedenken:
Am Sonntag, 10. November 2019, 11.00 Uhr, also einen Tag nach dem Pogrom-Gedenktag (der diesmal auf einen Sabbat fällt), begehen wir ein Pogrom-Gedenken der ganz persönlichen Art: Mein ehemaliger jüdischer Mitschüler am Wasagymnasium, Hans Gamliel, hat seine Kindheitserinnerungen im Wiener jüdischen Obdachlosen-Heim aufgeschrieben, als "Denkmal für seine ganze im NS-Regime ermordete Familie". Auf seine Bitte hin habe ich das Manuskript lekturiert und zum Druck als Buch gebracht. Nun liegt das Buch vor: "Eine jüdische Kindheit im Nachkriegs-Wien" - die seltene Geschichte eines "Nachgeborenen der Shoa"! Wir werden daraus im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse, eine Lesung hören, anschließend singt Oberkantor Barzilei das jüdische Totengebet für die Familie Gamliel, stellvertretend für die Millionen von Opfern der Shoa.

Das Buch wird auch im Museumsshop aufliegen (Druckkosten-Spende € 19.80 erbeten).

Elisabeth Lutter

Der Vorstand des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist entsetzt über das Attentat auf die jüdische Gemeinde von Halle/Saale

Der Vorstand des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist entsetzt über das Attentat auf die jüdische Gemeinde von Halle/Saale, der er sich zutiefst verbunden weiß. Er trauert um die Opfer und ist voll Mitgefühl für deren Angehörige und die Verletzten. Empört ist der Vorstand darüber, was eine so bösartige Tat möglich macht, eine fastende und betende jüdische Gemeinde an ihrem heiligsten Tag versuchen auszulöschen. Das Attentat zeigt in erschreckender Weise, wohin Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Judenfeindschaft führen können.
Dass in Europa - und auch in Österreich – jüdische Gemeinden nur unter Polizeischutz beten und feiern können, ist eigentlich unerträglich und darf nicht einfach als Normalität hingenommen werden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind leider unerlässlich, aber letztlich zählt der Einsatz gegen Antisemitismus und Judenfeindschaft, damit jüdische Gemeinden sicher und ohne Angst in unserem gemeinsamen Land gut leben können, in einer Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann. Dazu will auch unser ökumenischer Praxistag „Judentum in Religionsunterricht, Verkündigung und Liturgie“ am 21. November 2019 in Salzburg beitragen, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Univ. Prof. ret. Dr. Martin Jäggle

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Gruß zum Neujahrsfest

Wir wünschen der Israelitischen Kultusgemeinde, stellvertretend ihrem Gemeinderabbiner Mag. Schlomo Hofmeister MSc und ihrem Präsidenten Oskar Deutsch und allen jüdischen Nachbarn ein freudiges und süßes neues Jahr 5780.

„Erwacht, ihr Schläfer, aus eurem Schlaf und ihr Schlummernden, wacht auf aus eurem Schlummer! Und denkt über eure Taten nach; gedenkt eures Schöpfers und kehrt zu ihm in Reue zurück.“ – so lauten die Gedanken Maimonides zu den Tönen des Schofars zu Neujahr. In diesen Worten kommt deutlich zum Ausdruck, wie stark beim jüdischen Jahresbeginn Umkehr, Versöhnung und Tage des Innehaltens im Mittelpunkt stehen.

Wir freuen uns, dass jüdisches Leben öffentlich immer sichtbarer wird und werden auch im kommenden Jahr mit unserer Arbeit zur Wertschätzung jüdischen Lebens und jüdischer Identität in unserem Land beitragen. Die Kirchen laden wir wieder ein, die Feste dieses neuen Jahres mit Segensgebeten für die jüdischen Gemeinden zu begleiten.

Mögen Sie alle eingeschrieben werden ins Buch des Lebens für ein gutes Jahr!
Schanah towah umetukah!


Univ.-Prof. i. R. Dr. Martin Jäggle
Präsident

Dr. Stefanie Plangger
Geschäftsführerin




Trauer um Marko Feingold

Sehr geehrter Herr Präsident Oskar Deutsch,
voll Trauer haben wir erfahren, dass Marko Feingold verstorben ist. Sein Ableben ist ein großer Verlust für seine Frau, die jüdischen Gemeinden und ganz Österreich. Wie kaum ein anderer konnte Marko Feingold die Erinnerung an die Verbrechen der Zeit des Nationalsozialismus wachhalten – trotz seiner Lebensgeschichte ohne jede Bitterkeit. Sein Einsatz für „Nie wieder!“ und für tiefgreifende Versöhnung, seine Erschütterung über antisemitische Vorfälle in der Gegenwart und sein unermüdliches Engagement für ein gutes Zusammenleben in Österreich sind beeindruckend und herausfordernd. Ihm war auch wichtig, dass die Stätten des Grauen erhalten bleiben und nicht verändert werden.
Am Grab von Marko Feingold nehmen wir heute Abschied von einem wundervollen Menschen. Doch der Schmerz des Abschiednehmens ist verbunden mit der Übernahme der Verpflichtung, seine Lebensaufgabe für Aufklärung und Bildung der nächsten Generationen fortzusetzen, eine Verpflichtung, die eigentlich alle in Österreich betrifft, besonders die politisch Verantwortlichen und die Kirchen.
Als Vertreter des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit nimmt der Vizepräsident Dr. Willy Weisz am Begräbnis Teil und bringt so unsere Verbundenheit mit dem Verstorbenen, unsere Dankbarkeit ihm gegenüber und unsere Anteilnahme mit seiner Frau Hanna und den jüdischen Gemeinden zum Ausdruck.
In Trauer verbunden
Martin Jäggle
Präsident des Koordinierungsausschuss für christlich jüdische Zusammenarbeit

Stadtspaziergang – im jüdisch geprägten zweiten Bezirk von heute

Mo, 07.10.2019, ab 14 Uhr
Treffpunkt: Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit,
Tandelmarktgasse 5/2-4, 1020 Wien

Wie gestaltet sich jüdisches Leben heute?
Welche jüdischen Organisationen und Institutionen gibt es?
Wo befinden sich Begegnungsorte und Dialogmöglichkeiten?
Diese und Ihre ganz persönlichen Fragen, beantwortet Ihnen Gerti Schmidt, staatlich geprüfte Fremdenführerin und Wiener Jüdin

Der Stadtspaziergang wird in einem koscheren Restaurant beendet, so können Sie gleich einen Vorgeschmack auf die jüdische Küche bekommen.

Dauer: 2-2,5 Stunden, Kosten: 17 Euro/Person bar vor der Führung zu bezahlen
Begrenzte Teilnehmerzahl: max. 30 Personen

Anmeldung
bis spätestens 02.10.2019

Shabat Shalom

shabat_ablauf

Seit September 2019 ist Benjamin Nägele neuer Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

https://www.ikg-wien.at/benjamin-naegele-neuer-generalsekretaer-der-israelitischen-kultusgemeinde-wien/

Geplündert, verbrannt, geräumt, demoliert Verschwundene Zentren jüdischen Lebens in Wien Ausstellung

Einladung zur Ausstellungseröffnung 'Geplündert, verbrannt, geräumt, demoliert', 8. Juli, 18.00 Uhr, ESRA

International Council of Christians and Jews (ICCJ) - International Conference – Lund 2019

30.06.-3.7. 2019
Transformations Within and Between:
How does our new relationship affect Christian and Jewish Self-Understandings?

weitere Informationen

Worte bei der Feier anlässlich des 130. Geburtstages der Synagoge Gänserndorf

Von 1971 bis 1974 habe ich von Wien aus Gänserndorf „entdeckt“ und pendelte drei Jahre lang, um katholische Religion zu unterrichten an den Hauptschulen – es gab eine für Knaben und eine für Mädchen, an der Sonderschule und am Polytechnischen Lehrgang. Damals zeigte ich in den 4. Klassen der Hauptschulen einen Film über das Ghetto in Warschau, den Aufstand dort am Vorabend zu Pessach 1943 und dessen Niederschlagung durch die SS. Vielleicht erinnert sich heute in Gänserndorf noch die eine oder der andere daran - mittlerweile im 60. Lebensjahr.
Die Einladung, beim Fest „130 Jahre Synagoge Gänserndorf“ zu sprechen, habe ich angenommen, weil die Begegnung mit den jungen Menschen aus Gänserndorf und seiner Umgebung von damals ein wichtiger Teil meiner Lebensgeschichte geworden ist. Zugleich spreche ich als Präsident des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der ältesten interreligiösen Organisation Österreichs, in der Jüdinnen und Juden sowie Christeninnen und Christen verschiedener Konfessionen seit über 60 Jahren zusammenarbeiten. Ich danke allen, die diese Veranstaltung initiiert haben und tragen, ganz besonders aber Frau Ingrid Oberndorfer für Ihr Engagement als Expertin.
Seit dem Konflikt um die zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten weiß ganz Österreich, wie sehr jede gesellschaftliche und politische Anerkennung der Öffentlichkeit und Sichtbarkeit bedarf. Fehlen diese, werden Öffentlichkeit und Sichtbarkeit verweigert oder gar getilgt, sind alle anerkennenden Worte hohles Pathos. Die Stadtgemeinde Gänserndorf unterstützt vom Verein Helikon sorgt für den Erhalt des Jüdischen Friedhofs, der weit außerhalb der Stadt Gänserndorf liegt. Es ist völlig unverständlich, warum sich die Stadtgemeinde nicht in gleicher Weise um den Erhalt der ehemaligen Synagoge und des Rabbinerhauses einsetzt, die mitten in der Stadt liegen. Oder liegt es daran, dass eine Erinnerung an jüdisches Leben weit außerhalb der Stadt möglich ist, es aber keiner Erinnerung inmitten der Stadt braucht? Fehlt deswegen auf der Homepage der Chronik der Stadtgemeinde Gänserndorf jeglicher Hinweis auf jüdisches Leben und dessen Zerstörung?
Das Präsidium des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat schon vor einem Jahr in einer Erklärung, an die ich hier erinnern will, gefordert „Gebäude der Synagoge Gänserndorf vor der Zerstörung bewahren!“
„Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der sich sowohl der gemeinsamen Vergangenheit wie einer gedeihlichen kooperativen Zukunft von Christen und Juden in Österreich widmet, hat mit Bestürzung die Nachricht aufgenommen, dass das Gebäude der ehemaligen Synagoge von Gänserndorf abgerissen werden soll, um einem Parkplatz Platz zu machen. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1889 und wurde nach Plänen des bedeutenden Architekten Jacob Modern errichtet. Das allein macht es schon zu einem Denkmal, das schützenswert ist. Als Gebäude, in dem eine religiöse Gemeinde, die zum überwiegenden Teil nach 1938 ermordet wurde, sich zwischen 1889 und 1938 zum Gebet eingefunden hat, ist es außerdem ein historisches, unwiederbringliches Dokument. Im Erhalt solcher Gebäude, die zur Auseinandersetzung mit dem Judentum auffordern, spiegelt sich der seit der Erklärung des II. Vatikanischen Konzils „Nostra Aetate“ von 1965 offen formulierte Wunsch der Kirchen nach Berührungen mit historischen wie lebendigen jüdischen Gemeinden wider, um die Wurzeln christlichen Glaubens verstehen zu lernen.
Diese Aufforderung richtet sich auch an alle Christen und Christinnen. Im Gedenkjahr 2018, 80 Jahre nachdem Gänserndorf am 24. Oktober 1938 in einer Mitteilung an die Bezirkshauptmannschaft als "judenrein" erklärt wurde, soll nun die letzte Erinnerung an das jüdische Leben in der Stadt ausgelöscht werden.
Soll die jüdische Vergangenheit Gänserndorfs aus dem Gedächtnis zukünftiger Generationen der Stadt gelöscht werden? Soll damit gar verhindert werden, dass sich wieder jüdische Familien in Gänserndorf ansiedeln?
Wir appellieren an alle zuständigen oder auch nur interessierten Personen und Institutionen, gegen diesen Anschlag auf die Erinnerungskultur (Nieder-)Österreichs Einspruch zu erheben, damit die Zerstörungen jüdischer Kult- und Kulturbauten durch das Nazi-Regime nicht in der Republik Österreich weitergeführt werden.

Univ.-Prof.em.Dr. Martin Jäggle , Präsident Dr. Willy Weisz, Prof Helmut Nausner, Vizepräsidenten“
Ein eigenes Schreiben erging damals u.a. an den Bürgermeister von Gänserndorf. Es blieb bis heute unbeantwortet.

29.6.2019

Mahlzeit

sommeruni_folder 2019

Einladung

Broschuere-Festival-der-Juedischen-Kultur-Juni 2019

Zweitägige Exkursion

„Jüdisches“ Salzkammergut Samstag, 3. August und Sonntag, 4. August 2019
Programm

Samstag 3.August
9:30 Kammer-Schörfling am Attersee: Schloss und Klimt Zentrum
Mittagessen
14:00 – 16:30 Erkunden Jüdischer Villen im Rahmen einer Schifffahrt Ca. 17:30: Ankunft in Bad Ischl
19:30: Besuch der Operette “Im Weißen Rössl“ von Ralph Benatzky, Hans Müller Einigen und Erik Charell, Liedtexte von Robert Gilbert inszeniert von Intendant Thomas Enzinger

Sonntag 4. August
Rundgang durch das „Jüdische“ Bad Ischl mit Dr. Marie- Theres Arnbom, Autorin der Bücher „Die Villen vom Attersee“ und „Die Villen von Bad Ischl“
Besuch der Lehar-Villa Ende ca. 16:00

Programmänderungen vorbehalten!

Kosten für Schifffahrt, Führungen, Eintritte, Operettenkarte 98,- €
Nicht im Preis enthalten: Übernachtung und Verpflegungmehr …

Einladung

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Gastvorträge im Juni

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte,

hiermit möchte ich Sie herzlich zu unseren Gastvorträgen im Juni einladen.

Prof. Dr. Tonio Sebastian Richter (Berlin)
Die “vierundzwanzig Ältesten“: Koptische Überlieferungen zu den Priesterengeln am Gottesthron
Donnerstag, 6. Juni 2019, 18 Uhr c.t., Raum E.33 (Abguss-Sammlung, Residenzplatz 1, Salzburg)
Eintritt frei;


Dr. Christian Jung (Wien / Salzburg)
Jüdische Mystikkritik im 20. Jahrhundert – Martin Buber und Franz Rosenzweig
Donnerstag, 13. Juni 2019, 18 Uhr c.t., Raum E.33 (Abguss-Sammlung, Residenzplatz 1, Salzburg)
Eintrittfrei;


Dr. Amir Mazor (Haifa)
The Position of the Jews in Medieval Egypt and Syria (10th-16th centuries)
Dienstag, 18. Juni 2019, 18 Uhr c.t., Raum E.33 (Abguss-Sammlung, Residenzplatz 1, Salzburg)
Eintritt frei;

Dr. Daniel Gerson (Bern)
„In Auschwitz muss die neue europäische Hauptstadt entstehen,…“. Das Gedenken an den Holocaust als Basis von Demokratie und Menschenrechten?
Dienstag, 25. Juni 2019, 18 Uhr c.t., HS 389 (Geswi, Rudolfskai 42)
Eintritt frei;

Dr. Amir Mazor (Haifa)
Medieval Jerusalem (7th-16th centuries)
Mittwoch, 26. Juni 2019, 18 Uhr c.t., Raum E.33 (Abguss-Sammlung, Residenzplatz 1, Salzburg)
Eintritt frei,

Margarete Heinz
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte
der Universität Salzburg

Generalversammlung

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„Lasst uns auf einandermal vertagen“

MITTWOCH, 29. MAI 2019
Sitzungssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Stiege 8, 2. Stock, Universitätsring 1, 1010 Wien

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit widmet sich in der diesjährigen Generalversammlung gemeinsam mit der Katholisch- Theologischen Fakultät der Wiener Gesera.

Die Fakultät hat die Wiener Gesera, also die Zerstörung der Wiener jüdischen Gemeinde 1420/21, durch ein ausweichendes Manöver am 9. Juni 1419 mitbedingt, indem sie die Frage ihrer Stellungnahme zur jüdischen Gemeinde in Wien verschob: „Lasst uns auf einandermal vertagen.“ Die nachweisbare judenfeindliche Haltung der Fakultät wurde durch Gleichgültigkeit verdeckt.

Die Generalversammlung ist gerahmt von
einem Studienvormittag 9.45 – 13.00 Uhr (öffentlich)

„Das christlich-jüdische Verhältnis im 14./15. Jahrhundert in Wien“
In Kooperation mit dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs und einer Podiumsdiskussion 18.30 – 20.30 Uhr (öffentlich)

„Lasst uns auf einandermal vertagen.“
Theologie und Judentum im Spannungsfeld von Religion und Politik

So versteht sich die Einladung von Seiten der Katholisch-Theologischen Fakultät als ein Anstoß, dieses Erbe anzunehmen, es zu erforschen und die entsprechenden Folgerungen in allen theologischen Fächern wirksam werden zu lassen: für einen aufrichtigen und von wirklichem Interesse getragenen Umgang und Dialog mit jüdischen Menschen und Gemeinschaften in Wien und darüber hinaus. Denn die „Gleichgültigkeit gegenüber der Zerstörung bedeutet Komplizenschaft“ (Elie Wiesel).

Wir freuen uns auf Sie!

Univ.-Prof. em. Dr. Martin Jäggle
Präsident
des Koordinierungsausschusses
für christlich-jüdische Zusammenarbeit
Univ.-Prof. Dr. Johann Pock
Dekan

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Konzert in Maimonides

Plakat Maimonides

TRIALOG 6: Religion und Gewalt: Jüdische, christliche und muslimische Perspektiven

22. Mai 2019, 19.00 Uhr: RadioCafe, Argentinierstrasse 30A, 1040 Wien

Es diskutieren /Prof. Dr. Wolfgang Palaver (Universität Innsbruck), Yuval Katz, MA (Religionswissenschaftler, Christlich-Jüdischer Koordinierungsausschuss) sowie Prof. Mohamed Kabbani (Kirchlich-Pädagogische Hochschule Wien Krems).

Moderiert wird der TRIALOG von Prof. Dr. Regina Polak, MAS (Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Wien)

Gewalt im Umfeld von Religionen und Religionsgemeinschaften ist seit jeher ein zentraler Auslöser für Religionskritik und Atheismus. Die derzeit medial, gesellschaftlich und politisch präsenten Debatten um religiös-politische Fundamentalismen, den politischen Islamismus, aber auch um den Missbrauch durch katholische Geistliche bringen diesen Zusammenhang auch in Österreich aktuell wieder ins Bewusstsein und forcieren laut der aktuellen Europäischen Wertestudie Entkonfessionaliserungsprozesse und die Abkehr von (nicht nur institutionalisierter) Religion.

Umgekehrt werden auch religiöse Menschen Opfer von Gewalt: Juden, die  unter einem europaweit

erstarkenden Antisemitismus leiden, aber auch Muslime, die infolge pauschaler Verurteilungen „des“ Islam Opfer von Übergriffen werden. Nicht zuletzt müssen sich auch Christen zunehmend häufiger für ihre Kirchen-Zugehörigkeit rechtfertigen.

Stadtspaziergang – im jüdisch geprägten zweiten Bezirk von heute

Do, 16.05., ab 15 Uhr
Treffpunkt: Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Tandelmarktgasse 5/2-4, 1020 Wien
Wie gestaltet sich jüdisches Leben heute?
Welche jüdischen Organisationen und Institutionen gibt es? Wo befinden sich Begegnungsorte und Dialogmöglichkeiten? Diese und Ihre ganz persönlichen Fragen, beantwortet Ihnen Gerti Schmidt, staatlich geprüfte Fremdenführerin und Wiener Jüdin.
Der Stadtspaziergang wird in einem koscheren Restaurant beendet, so können Sie gleich einen Vorgeschmack auf die jüdische Küche bekommen.
Dauer: 2-2,5 Stunden,
Kosten: 17 Euro/ Person bar vor der Führung zu bezahlen Begrenzte
Teilnehmerzahl: max. 30 Personen

Anmeldung hier

Einladung

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Vortrag und Buchpräsentation

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Wanderung

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Die Rolle des Geschlechts

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Vorstellung des Forschungsprojektes „Religiöse Vielfalt an Wiener Schulen in der Ersten Republik (1918-1938)”

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Café Abraham Wien

Mit Freude und Dankbarkeit blickt Café Abraham Wien auf einen bereichernden zweitätigen Workshop zum Thema Scriptural Reasoning zurück. In Zusammenarbeit mit Regina Polak von dem Institut für Praktische Theologie der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien konnte dieser Workshop am 07.03. und 08.03 an der Universität Wien realisiert werden. Scriptural Reasoning ist eine texthermeneutische Methode, bei der VertreterInnen der drei abrahamitischen Religionen gemeinsam Textausschnitte aus der Torah, dem Neuen Testament und dem Koran lesen und über die gemeinsame Textlektüre miteinander ins Gespräch kommen. Ziel der gemeinsamen Textlektüre ist es, die unterschiedlichen Hermeneutiken und Herangehensweisen an einen heiligen Text kennenzulernen und auf einer respektvollen Ebene Fragen zu diskutieren, die ein Text aufwirft. Dazu wurden Studierende aus Deutschland und Ungarn eingeladen sowie VertreterInnen unterschiedlicher religiöser Jugendorganisationen, die unter der Anleitung von Dr. Daniel Weiss von der University of Cambridge mit der Methode des Scriptural Reasoning bekannt gemacht wurden. Nach einer theoretischen Einheit, bei der die TeilnehmerInnen in die jüdische, christliche und islamische Text-Hermeneutik eingeführt wurden, erfolgten praktische Einheiten, bei denen die TeilnehmerInnen die Methode gemeinsam praktizierten. Café Abraham Wien freut sich über die vielen neuen Ideen und gemeinsamen Projekte, die im Zuge der Tagung entstanden sind. Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren, die diese Tagung ermöglicht haben: dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Kardinal König-Stiftung, Ruth Steiner und der FV Katholische Theologie Wien. Danke aber auch allen TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen, insbesondere Prof. Dr. Regina Polak.cafeabrahamcafeabraham2mehr …

Film

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ICCJ Erklärung zum Antisemitismus

In Sorge und Abscheu vor dem gegenwärtigen Wiederaufleben des Antisemitismus in vielen Ländern hat der ICCJ nachfolgende Stellungnahme unter dem Titel "Die Anforderungen unserer Zeit" herausgegeben:

Die Anforderungen unserer Zeit. Eine Erklärung zum Antisemitismus
Dreiste und schamlose Ausdrucksformen von Antisemitismus nehmen zu in Europa, Nord- und Südamerika und darüber hinaus, immer häufiger anzutreffen auch im öffentlichen Leben. Angriffe und Vandalismus gegen Eigentum, Gebäude und Menschen – ja sogar Mord – sind in mehreren Ländern geschehen. Jüdinnen und Juden in vielen Orten sprechen von einem zunehmenden Gefühl von Furcht und Unsicherheit.

Die Geschichte zeigt, dass die Geißel des Antisemitismus die verderbliche Fähigkeit besitzt, sich im jeweiligen Kontext in scheinbar unendlich vielen Ausdrucksformen zu zeigen. In der Welt des vorchristlichen Mittelmeerraums wurden Juden manchmal dafür angegriffen, dass sie heidnische soziale und religiöse Regeln ablehnten. Jüdinnen und Juden wurden im europäischen Christentum ausgegrenzt, weil sie die christliche Botschaft nicht annahmen; so wurden sie in Krisenzeiten leicht zu Sündenböcken. Während der Aufklärung fühlte sich eine vermeintlich säkularisierte Gesellschaft von der jüdischen Verweigerung gekränkt, sich religiös und kulturell zu assimilieren, verdächtigte aber später Juden, die sich assimilierten, verschiedener Verschwörungspläne.

Solche Verschwörungstheorien waren durchaus widersprüchlich, wenn etwa Juden beschuldigt wurden, Drahtzieher des Kapitalismus zu sein, während sie gleichzeitig dafür bezichtigt wurden, den Kommunismus zu verfechten. Pseudowissenschaftlich wurden Juden als genetische Gefahr für angeblich überlegene Rassen gebrandmarkt. In unserer Zeit erleben wir, dass die jüdische Sehnsucht nach gesicherter politischer Selbstbestimmung, was anderen Völkern als Menschenrecht zugestanden wird, als rassistisch denunziert wird.

Der Internationale Rat der Christen und Juden (ICCJ) nimmt das Wiederaufflammen von Antisemitismus mit großer Sorge und Abscheu zur Kenntnis. Der ICCJ wurde 1947 in Seelisberg (Schweiz) nach einer wegweisenden „Dringlichkeitskonferenz über Antisemitismus“ gegründet. Diese Konferenz war eine christliche und jüdische Reaktion auf den Antisemitismus, der zur Schoah (Holocaust) führte und auch danach weiter virulent war. Infolge der Seelisberg-Konferenz haben zahlreiche christliche Kirchen in ihrer Lehre eine bislang übliche Verachtung des Judentums verworfen und Antisemitismus als Sünde gegen Gott und die Menschlichkeit bezeichnet. Auf beispielslose Weise begannen sie, religiöse Gegensätze abzubauen, die über lange Zeit die Feindschaft zum Judentum schürten, und ersetzten diese mit neuen theologischen Lehren, die interreligiöse Freundschaft und Zusammenarbeit zu fördern vermögen. Leider vollzieht sich dieser revolutionäre Reformkurs zu einer Zeit, in der religiöse Gemeinschaften nur noch beschränkten Einfluss darauf haben, jene Herabwürdigung anderer zu überwinden, zu deren Verankerung in der westlichen Kultur sie einst selbst beigetragen haben.

Es heißt, der wiederauflebende Antisemitismus sei ein Warnsignal für einen gesellschaftlichen Zusammenbruch. Und in der Tat sind wir heute an vielen Orten Zeugen für ein Erstarken von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Intoleranz und einen Mangel an grundlegendem menschlichen Respekt für Personen, die in irgendeiner Form „anders“ sind. Unsere Mitmenschlichkeit kann und muss besser sein! Auch wenn unsere Stimmen manchmal schwach und wenig effektiv wirken, sind wir alle aufgerufen – als Einzelne, Organisationen und Gesellschaften – unseren Widerstand gegen alle Formen von Fanatismus und Voreingenommenheit zu verstärken, darauf zu beharren, dass politisch Verantwortliche das Gemeinwohl von allen fördern und uns selbst erneut darauf zu verpflichten, uns für den Dialog auf allen Ebenen einzusetzen.

Der Vorstand des Internationalen Rates der Christen und Juden
Martin-Buber-Haus, Heppenheim, 28. Februar 2019

Quelle: http://www.iccj.org/Media.6372.0.html

Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in historischer Sicht

Termin: 21. bis 24. Februar 2019
Ort: Donau-Universität Krems, Trakt West, Raum 1.03

mit Professor Em. Dr. Stefan Schreiner (Universität Tübingen)
PD Dr. Martha Keil (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten)
Senad Kusur, MA (Donau-Universität Krems, Zentrum Religion und Globalisierung), u.a.
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Faszination Judentum. Buchpräsentation und Vortrag

Dienstag, 26. März 2019, Beginn 18.00 Uhr
Ort: Koordinierungsstelle für christlich-jüdische Zusammenarbeit, 
1020 Wien, Tandelmarktgasse 5/2-4

 
Dr. Theodor Much, Facharzt für Dermatologie und seit 1990 Präsident der jüdischen Reformgemeinde Or Chadasch ("Neues Licht") Wien, stellt sein Buch vor: „Faszination Judentum. Grundlagen - Vielfalt – Antijudaismus“, 2018 im Verlag LIT erschienen. Er hat sein Werk sowohl für Christen als auch Juden geschrieben und dabei versucht, das breite Spektrum des Judentums leicht verständlich und auch kritisch darzustellen. Zentral sind auch die Themen des religiösen Antijudaismus ("Wer killte Rabbi Jesus?"), des christlichen und islamischen Antisemitismus.
 
Der Abend wird moderiert von Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Erste Informationen zur Ökumene-Exkursion 2019 mit Hofrat Dr. Ernst Petritsch

Termin: Freitag, 20. September 2019
Ziel: Wiener Neustadt:
Gegründet 1192 als Grenzfestung gegen Ungarn (teils aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz); Residenz Kaiser Friedrichs III. († 1493), Geburtsort und Grabstätte Kaiser Maximilians I. (1459-1519); 1522 Wiener Neustädter „Blutgericht“; 1752 Militärakademie in der Burg. –
„Wiener-Neustädter-Kanal“, Südbahn, 1909 erstes Flugfeld Österreichs, Flugzeug- und Lokomotiv-Fabriken, Luftangriffe 1943-45: vollständige Zerstörung Wiener Neustadts.
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EINSTIMMUNG IN DEN TAG DES JUDENTUMS 2019 IN OTTAKRING

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Einladung

Religionskompetenz in der Migrationsgesellschaft!

Im Februar 2019 startet im Kardinal König Haus erstmals der Lehrgang Religionskompetenz in der Migrationsgesellschaft! Ein Lehrgang für alle, die in ihrem Arbeitskontext mit religiöser Vielfalt zu tun haben.

Zunehmende Komplexität durch Migration bringt Fragen nach einem Umgang mit religiöser Vielfalt mit sich. Religion ist für viele Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiger Teil ihrer Identität. Im beruflichen Kontext sind Fachkräfte nicht nur mit religiöser Diversität konfrontiert, sondern auch mit dem eigenen Nähe- oder Distanzverhältnis zu Religion. Dies führt zu einem Spannungsfeld, welches gleichermaßen Wissen und Reflexion über Religion/en erfordert.
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Gastvortrag Anita Haviv-Horiner

Jüdische und israelische Gedenkkultur: Persönliche und gesellschaftliche Perspektiven

24. Jänner 2019, 18.30 Uhr – Seminarraum 5, Schenkenstraße 8-10, 1010 Wien


Der Vortrag geht folgenden Fragen nach:
Welchen Stellenwert hat Gedenkkultur für mich, meine Familie und die Gesellschaft in der ich lebe? Woran erinnern wir uns und warum? Was verdrängen wir?
Ist kollektive Erinnerung ein trennender oder ein verbindender Faktor zwischen Menschen und Gesellschaften?mehr …

Pogromgedenken: Kirchen fordern Erinnerung und Achtsamkeit ein

Die Erinnerung an die tragischen Ereignisse von 1938 ist stets notwendig, es braucht jedoch auch besondere Achtsamkeit auf gefährliche Entwicklungen in der Gegenwart: Das war der Tenor am Freitagabend beim diesjährigen ökumenischen Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche zum Gedenken an die nationalsozialistischen Novemberpogrome, die sich heuer zum 80. Mal jähren. Den Gottesdienst gestalteten u.a. der Vorsitzende der Superiorenkonferenz der Männerorden, Abt emeritus Christian Haidinger, der evangelische Bischof Michael Bünker, der griechisch-orthodoxe Priester Athanasius Buk und der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner. Unter den Teilnehmern waren auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, und der Wiener lutherische Superintendent Hansjörg Lein.mehr …

Mechaye Hametim

Mechaye Hametim – Der Die toten auferweckt
Bedenktage zum gedenken der Novemberpogrom 1938


Zum 80. Mal jähren sich heuer die Gräuel der Novemberpogrome. Die diesjährigen Bedenktage scheinen auch ob der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen brisant.
Am 9. November, dem Jahrestag, nehmen die Spitzen der Kirchen Österreichs am Gedenkgottesdienst in der Ruprechtskirche teil, auch in der Nacht der Erinnerung auf den 10. November steht das Gedenken an die in der Schoa umgekommen Juden im Mittelpunkt.

Otto Friedrich

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Präsentation von Memento Wien

Memento Wien, ein für mobile Endgeräte (Tablets und Smartphones) optimiertes Online-Tool des DÖW, bietet ab November 2018 Informationen zu den Opfern der Shoah in weiten Teilen Wiens.

Begrüßung

Gerhard BAUMGARTNER, Wissenschaftlicher Leiter, DÖW

Präsentation von Memento Wien
Wolfgang SCHELLENBACHER, Projektleiter, DÖW

Tools und Weiterentwicklung von Memento Wien
Thomas STERN, Geschäftsführer von BRAINTRUST

Durch die Förderung der Bezirksvorstehungen Leopoldstadt, Landstraße, Wieden, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, Meidling, Penzing, Rudolfsheim- Fünfhaus, Ottakring und Floridsdorf werden Informationen zu den einzelnen Bezirken sichtbar. Der Historiker Wolfgang Schellenbacher und der Geschäftsführer von BRAINTRUST, Thomas Stern, werden das Projekt vorstellen und anhand von konkreten Beispielen zeigen, wie mit dieser mobilen Website die letzten Wohnadressen der Ermordeten sowie eine Reihe von Archivdokumenten und Fotos zu Personen und Gebäuden in der Stadt sichtbar gemacht werden können. Interessierte haben dadurch die Möglichkeit, die Geschichte ihrer Umgebung interaktiv zu erforschen und mehr über die Schicksale der Verfolgten zu erfahren.

Zeit:
Dienstag, 6. November 2018, 17.30 Uhr

Ort:
Dauerausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Altes Rathaus Wipplingerstr.6-8 A-1010 Wien

Das Projekt wurde durch die Bezirksvorstehungen Leopoldstadt, Landstraße, Wieden, Margareten, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, Meidling, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und Floridsdorf, das Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Wien Kultur und den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus gefördert.

Quelle: https://www.doew.at/termine/memento-wien-ein-projekt-des-doew

Einladung

Newsletter Oktober 2018

In diesem Monat können wir Ihnen nicht nur wieder zahlreiche interessante Veranstaltungen präsentieren, sondern wir möchten auch unsere neue Geschäftsführerin Dr.in Stefanie Plangger vorstellen. Verlinkt finden Sie unsere Presseaussendung zur Übergabe sowie das Programm für die Ge- und Bedenkwoche „Mechaye haMetim – Der die Toten auferweckt“.
• Pressetext Neue Geschäftsführerin im Koordinierungsausschuss
• Mo, 08.10., 17:30: Café Abraham Wien – Scriptural Reasoning unter dem Thema „Der höchste Tag“. Nur für Studierende und/oder Menschen unter 35!
• Do, 11.10., 15:00-17:00: Stadtspaziergang „Am Jisrael Chai – das Volk Israel lebt“ mit Gerti Schmidt
• Mo, 30.10., 15:30: Beginn der Reihe „Die Geburt und Jugend des Mose nach Ex 1-2 in frühjüdischen und frühchristlichen Interpretationen“ mit Agnethe Siquans
• AVISO: Mo, 12.11., 14:00-19:30: Symposium „Israel´s 70th Anniversary: Insights and Perspectives. Politics – Culture – Religion“, organisiert von Regina Polak
• Programm Mechaye haMetim - Der die Toten auferweckt

MECHAYE HAMETIM EXKURSION

„Leonard Bernstein, Ein New Yorker in Wien“

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„Zu unserer Belehrung geschrieben“





LIEBESLIEDER VOM SCHTETL BIS NEW YORK

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Einladung zur Matinée

Was eine Fürbitte alles kann…

Ende 2016 erwähnte der Präsident des ICCJ, Philipp Cunningham, dass in seiner Pfarre die jüdischen Feiertage immer zum Anlass genommen werden, eine Fürbitte für das Wohlergehen der jüdischen Gemeinde auszusprechen. Dabei solle es nicht um ein Beten zur Bekehrung der Juden gehen, sondern darum, über die jüdischen Feiertage zu lernen und des jüdischen Lebens bewusst zu werden. Davon ließ sich der Diözesanbeauftragte für christlich-jüdische Beziehungen, Ferenc Simon, inspirieren. In Zusammenarbeit mit dem übrigen Vorstand des Koordinierungsausschusses formulierte er Fürbitten und Erläuterungen, die sich wie ein Lauffeuer über Facebook verbreiteten. Es begann zu Channukkah, das in 2016 genau auf Weihnachten fiel, und ging mit Pessach und Schawuot weiter. Wir möchten alle christlichen Gemeinden herzlich einladen, sich der Fürbitte anzuschließen und sie in den Gottesdienst aufzunehmen:mehr …

Umweltschutz in Judentum und Christentum

Umweltschutz ist gelebte Beziehung - Martin Jäggle über Schöpfungsverantwortung in Juden- und Christentum
Quelle: orf.at

Einladung

Symposium1 5.10.2018
Symposium2 5.10.2018

Newsletter September 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
zunächst kündigen wir sehr erfreut an, dass ab September die neue Geschäftsführerin Dr.in Stefanie Plangger ihren Dienst antreten wird. Nähere Informationen folgen im Lauf des kommenden Monats. Das neue Semester kommt nach dem Sommer erst langsam wieder in Schwung. Das noch sommerliche Wetter können Sie mit einem interessanten Stadtspaziergang ausnutzen:
Auf den Spuren der Zeitgeschichte in Gersthof
Bei dem Rundgang begeben wir uns auf die Spuren von Menschen und ihrer Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert, besonders auch zu Schauplätzen der NS-Zeitgeschichte in Gersthof.
• So, 16.09., 14:00
• Treffpunkt: Haltestelle Linie 41, Station "Türkenschanzpark"
• Dauer ca. 2 Stunden
• Rückfragen: Dietfried Olbrich (0699/13048677)
All unseren jüdischen Mitgliedern und Interessent_innen wünschen wir schon vorab ein frohes neues Jahr 5779 und gmar chatimah tovah! 

Jüdisches Leben in Krems

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Eine Spurensuche jüdischen Lebens auf dem Friedhof
Mit Mag. Ingrid Oberndorfer als fachkundiger Referentin machte sich eine Gruppe von ReligionslehrerInnen und StudentInnen auf, um zuerst den letzten (erkennbaren) Friedhof in Krems zu besuchen. Zur Einführung erklärte uns die begeisterte Historikerin, dass jüdische Geschichte in Niederösterreich über 1000 Jahre alt ist und es immer wieder durch die Jahrhunderte ein auf und ab in den Beziehungen gegeben hat. Ein Fixpunkt der jüdischen Gemeinde sollte jeweils der Friedhof sein, der nach jüdischem Recht auf ewig bestehen muss. Dass auch hier politische Veränderungen dieses Recht immer wieder ignoriert haben, ist auch in Krems nachvollziehbar. Auf viele Details wurde während des Weges durch den Friedhof hingewiesen.
Ein Kunstwerk von Hans Kupelwieser schwebt als Metallband in der Länge von 48 Metern über dem Boden und fordert Respekt. Diese Schwelle markiert eine Grenze zwischen Erinnern und Vergessen und thematisiert damit Vertreibung und Ermordung der Kremser Juden.
Trotz eisiger Kälte sind im Anschluss noch einige KollegInnen zu einem abgekommenen Friedhof mitgefahren, der heute als Weingarten in Verwendung ist.
EINIGE FOTOS
 
Website von Ingrid Oberndorfer: http://ingrid-oberndorfer.com/
Jüdische Friedhöfe in Krems: http://judeninkrems.at/judische-friedhofe-in-krems/

Gedenkfahrt nach Dachau mit Opferangehörigen und Bischof Scheuer

Erinnerung an ersten Gefangenentransport aus Österreich - Historikerin Putz: Mehr als 1.000 Oberösterreicher im oberbayerischen KZ inhaftiert - Ökumenisches Gedenken auch
Am 12. März 2018 jährt sich der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich zum 80. Mal. Bereits am Tag danach begannen die Nationalsozialisten, ihnen nicht genehme Personen zu verhaften; viele davon kamen bald darauf in das oberbayerische Konzentrationslager Dachau. Die jetzt dort bestehende Gedenkstätte ist auch Ziel einer von der Katholischen Aktion Oberösterreich und der Jägerstätter-Biographin Erna Putz organisierten Fahrt in Erinnerung an die dort inhaftierten Österreicher: An der Busfahrt und an der Gedenkfeier im ehemaligen KZ am 13. März 2018 nehmen neben Angehörigen von Opfern auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer, der evangelische Superintendent Gerold Lehner und Altlandeshauptmann Josef Pühringer teil.mehr …

REGINA POLAK HIELT DIESJÄHRIGE KRISTER-STENDAHL-MEMORIAL-LECTURE

Pasted GraphicDiesen August hielt Associate Professor Mag.a phil. Dr.in theol. Regina Polak einen Vortrag als Krister-Stendahl-Memorial-Lecture. Dieser findet jeden Herbst statt, in Erinnerung an Krister Stendahl, Bischof von Stockholm 1984-1988 und ehemaliger Professor für Bibelwissenschaft sowie Dekan an der Harvard Divinity School in den Vereinigten Staaten. Er wird von der Svenska Kyrkan in Zusammenarbeit mit Paideia, dem Europäischen Institut für Jüdische Studien in Schweden, organisiert. Der Vortrag mit dem Titel "Migration: eine Chance für Metanoia" fand im Rahmen des Theologie-Tages der Migration statt. Regina Polaks These ist, dass Migration als Chance für "Metanoia" gesehen werden kann, das Wort, das das Neue Testament für "Umkehr" verwendet. mehr …

EINSTIMMUNG IN DEN „TAG DES JUDENTUMS“ IM GEDENKEN AN DEN TURNERTEMPEL

Bereits zum vierten Mal  hat die „Vernetzte Ökumene Wien West“ am 16. Jänner 2017 eine Einstimmung in den „Tag des Judentums“ auf  besondere Weise gestaltet, diesmal in Erinnerung an den Turnertempel  der ehemaligen Kultusgemeinde Sechshaus, im topografischen Dreieck mit der Vereinssynagoge „Storchenschul“ und dem jüdischen Gemeindehaus Herklotzgasse 21.mehr …

DER CHRISTLICH-JÜDISCHE DIALOG AUS SICHT DER JÜDISCHEN GEMEINDEN

Wien. Am Dienstag, 17. Mai 2016 fand die zweite Veranstaltung der Jubiläumsreihe „Bilanz und Aussicht – 60 Jahre Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ statt. Otto Friedrich (FURCHE) sprach mit Dr.in Charlotte Hermann (IKG Linz) und Mag. Raimund Fastenbauer (IKG Wien) über die Entwicklung und den derzeitigen Stand der christlich-jüdischen Beziehungen, wie sie innerhalb der jüdischen Gemeinden wahrgenommen werden.
DIALOG AUF AUGENHÖHE?
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GESETZ ODER EVANGELIUM

GESETZ ODER EVANGELIUM – EINE FOLGENREICHE POLARISIERUNG.
STUDIENTAGUNG DER EVANGELISCHEN PFARRGEMEINDE STOCKERAU UND DES KOORDINIERUNGSAUSSCHUSSES FÜR CHRISTLICH-JÜDISCHE ZUSAMMENARBEIT, UNTERSTÜTZT VOM RING ÖSTERREICHISCHER BILDUNGSWERKE UND DEM LAND NIEDERÖSTERREICH, 30. APRIL BIS 1. MAI 2017 [1]
 
Während der morgendlichen christlichen Sonntagsfeier am 30. 04. 2017 reflektierte Thomas Hennefeld, Superintendent der Evangelischen Kirche H.B., in seiner Predigt das Spannungsverhältnis von Gesetz und Evangelium. Es gibt Regeln aus gutem Grund, sie sind notwendig. In der christlichen Kirchen-Geschichte hätte es über viele Jahrhunderte hinweg die falsche Zuordnung von Gesetz = rächender Gott = Altes Testament und Evangelium = gnädiger Gott = Neues Testament gegeben (vgl. auch den Antijudaismus Martin Luthers). Doch immer wieder gab es auch Theologen, die sich dieser Sichtweise widersetzten. Einer von ihnen, Kurt Müller, hat 1944 in Stuttgart gepredigt, dass „das Heil von den Juden komme“ und das Licht Gottes hell genug für Juden und Christen sei. Die Tochter von Kurt Müller richtete während der Feier einige Worte über ihren Vater an die in Stockerau anwesende Gemeinde.
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Am Abend hielt dann die evangelische Theologin Barbara Rauchwarter einen Vortrag über Luthers Antijudaismus. Sie hob u.a. den biographischen Aspekt hervor, dass Luther das befreiende Erlebnis der Rechtfertigungslehre in seinem eigenen Leben immer mehr verlor. Auch sei seine Enttäuschung darüber, dass seine Erkenntnis der Gnadengerechtigkeit die Juden nicht veranlasste, sich zum Christentum zu bekehren, in Zorn und Hass umgeschlagen.
Pfarrer Christian Brost und Kurator Gert Lauermann wiesen in ihren Ansprachen auf die im Anschluss eröffnete Ausstellung „Luther und die Juden“ hin.
Die Vorträge am 1. Mai 2017 Montag eröffnete Oberrabbiner Arie Folger.mehr …

Improperien

Improperien – Gesang während der Kreuzverehrung
Am Karfreitag können die Improperien (improperium, lat.: Vorwurf, Beschimpfung) während der Kreuzverehrung gesungen werden. Geschichtlich unterstützten sie den Gottesmordvorwurf an die Juden. Im Umfeld der heutigen Liturgie dienen sie der Besinnung und Buße der Gemeinde. Kann man einen belasteten Text – wenn auch unter anderen Vorzeichen – heute fraglos weiter verwenden?mehr …

„EINE FAST UNMÖGLICHE FREUNDSCHAFT“ – REISE INS HEILIGE LAND

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In Jerusalem richten sich erstaunte Augen auf sie: Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, Imam Ramazan Demir und Pfarrer, sowie Vorstandsmitglied im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit Ferenc Simon haben gemeinsam mit Studierenden das Heilige Land besucht und wurden dabei von einem Fernsehteam der ORF-Sendung „Kreuz und Quer“ begleitet.
Die Dokumentation schildert die berührende Geschichte dreier Seelsorger und junger Menschen unterschiedlicher Religion, die gemeinsam die bedeutendsten jüdischen, islamischen und christlichen Stätten besuchen und so ihre Freundschaft stärken. Was sie erleben, erstaunt und versetzt in neue Gedanken. Bestehende Überzeugungen werden in Frage gestellt und ein Bild von der Sicht des jeweils anderen vermittelt. Sie wollen konkrete Zeichen setzen; Vorurteile durch Zuhören und Verstehen entkräften. So wird ein intensiver, lebendiger Dialog auf dieser Reise geführt: über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Religionen, Politik, Privates, über Gott und die Welt. Sie diskutieren über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, stellen einander Fragen und müssen sich von vielen Menschen auf dieser Reise Fragen stellen lassen. Was bedeutet Religion in ihrem Leben? Was müssen sie voneinander wissen? Die Reise ins Heilige Land, zwischen religiösen Heiligtümern und politischen Konflikten, lässt sich als Denkanstoß betrachten, als eine mutige Aktion für einen respektvollen Umgang miteinander.

LIKRAT - EIN ERLEBNISBERICHT AUS DEM RELIGIONSUNTERRICHT

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Bericht des evangelischen Religionslehrers Jörg Kreil
23.05.2016
Am Freitag, den 13.5.2016 durften wir Imanuel (18) und Sarah (16) im Rahmen des Projekts „Likrat“ bei uns im Religionsunterricht der 4. Klasse begrüßen. Anlässlich dieses Projekts haben meine katholischen Kollegen und ich beschlossen, diese Stunde gemeinsam zu halten.
Unsere Gäste begannen die Stunde, indem sie sich vorgestellt haben und anschließend gaben sie eine Kippa durch. Während diese die Runde machte, sollten sich die SuS mit ihrem Namen, Alter und ihrem Bezug zum Judentum vorstellen.

Nachdem diese Runde beendet war, sprachen Imanuel und Sarah über Bestandteile des Judentums, wie beispielsweise den Sabbat. Damit wurde die zweite Phase der Stunde eingeleitet: Die Möglichkeit für die SuS Fragen zu stellen, sowohl zum Judentum als auch den persönlichen Bezügen der beiden. Anfänglich kamen die Fragen zögerlich, doch gerade nachdem Sarah von ihrer jüdischen Schule erzählte, steigerte sich die Frequenz der Fragen deutlich. Speziell jene zu den Unterschieden zur „regulären“ Schule, waren die SuS interessiert, weswegen das Thema der jüdischen Schule fast die Hälfte dieser Phase einnahm. Für mich war es besonders schön, dass das Gespräch zu keinem Zeitpunkt zum Stillstand kam, sondern dass jeder Antwort unserer Gäste, sofort eine weitere Frage  folgte. Auch nachdem sich die Fragen wieder stärker auf das Judentum und seine Gebräuche konzentrierten lag der Fokus dabei auf dem Bezug unserer Gäste zu diesen.
Diese Phase und gleichzeitig auch die Stunde endete erst durch das Läuten der Schulglocke. Meine Kollegen und ich sind uns darin einig, dass dieses Projekt eine großartige Möglichkeit für SuS darstellt, das Judentum auf Augenhöhe kennen zu lernen. Die Begegnung mit (in etwa) Gleichaltrigen eröffnet eine völlig andere Annäherung, die wir den SuS als Lehrer in dieser Art sonst nicht bieten könnten.
In der darauffolgenden Stunde habe ich auch meine SuS um ihr Fazit zu dieser Stunde gebeten und sie waren durchweg sehr begeistert und erstaunt über die Dinge, die sie im Rahmen ihrer Befragungen erfahren konnten.

„LEBEN IM GEMEINSAMEN HAUS“ – ABEND DER INTERRELIGIÖSEN UND INTERKULTURELLEN BEGEGNUNG


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Wien. Am Abend des 11. Mai 2016 lud das Institut Fortbildung Religion der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems zur Auseinandersetzung mit den Themen Schöpfung, Ökologie und Nachhaltigkeit aus christlicher, islamischer und buddhistischer Sicht ein. Im Rahmen der Reihe „Treffpunkt.Religionen“ fand ein Abend der interreligiösen und interkulturellen Begegnung mit Impulsgedanken, Tanz und musikalischen Highlights im Haus der Musik Wien statt.
Unter dem Motto „Leben im gemeinsamen Haus“ sprachen Dr. Magdalena Holztrattner (Katholische Sozialakademie), Dr. Fatima Kowanda-Yassin (Islamische Religionspädagogische Akademie) und Bhante Dr. Seelawansa (Dhamma Zentrum Wien) zum Thema „Schöpfung – Ökologie – Nachhaltigkeit“. Für den musikalischen Rahmen sorgten Kaveri Sageder, Rina Chandra und Haider Khan mit Kathak Tanz und klassischer indischer religiöser Musik sowie Timna Brauer und Elias Meiri mit „Songs from Jerusalem – aus dem Schatz jüdischer Musiktradition“.
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„Menschliches Leben begegnet uns immer deutlicher in seiner ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt und Entwicklung“, sagt Mag. Heinz Ivkovits, Leiter des Instituts Fortbildung Religion der KPH Wien/Krems und Veranstalter des Abends. „Wir müssen lernen, besser miteinander in dieser Vielfalt zu leben und den Dialog über Unterschiede hinweg zu fördern.“ Das Institut Fortbildung Religion ist Teil der KPH Wien/Krems, die für ein einzigartiges interreligiöses, interkulturelles und interkonfessionelles Lernen in Europa steht. Das Institut selber verfolgt das Ziel, durch vielfältige Veranstaltungen den Blick für das Verbindende zu schärfen und konkrete Begegnungen zu ermöglichen. „Gerade in Wien ist eine kulturelle und religiöse Vielfalt erlebbar. Wir möchten beitragen, Ängste und Vorurteile im Umgang miteinander abzubauen und Räume für einen Dialog zu schaffen“, betont Ivkovits.

„KINDER AUF DER FLUCHT – DAMALS UND HEUTE“ - GEDENKFEIER DES AKADEMISCHEN GYMNASIUMS WIEN

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Wien. Das Akademische Gymnasium Wien gedachte am Donnerstag, dem 28. April 2016, zum neunzehnten Mal der „umgeschulten“ jüdischen Schüler und entlassenen Lehrer. Am 28. April 1938 mussten drei Lehrer und 175 der insgesamt 406 Schüler die Schule verlassen. Für viele war diese Vertreibung der erste Schritt in die Vernichtung.
"Kinder auf der Flucht – damals und heute" war das Thema der diesjährigen Gedenkfeier. Drei Klassen (4a, 4b, 4c ) haben sich mit der Thematik Flucht, der Entwurzelung junger Menschen, dem Verlust und der Suche von Heimat auseinandergesetzt.mehr …

„NICHTS IST SO AUFKLÄRUNGSRESISTENT WIE EINE IDENTITÄT“ - ISOLDE CHARIM UND DORON RABINOVICI SPRACHEN IN DER BIBLIOTHEK DES KOORDINIERUNGSAUSSCHUSSES ÜBER „OTHERING“ ZWISCHEN CHRIST_INNEN UND JUDEN_JÜDINNEN.

Wien. Am 16. März 2016 fand in den Räumlichkeiten des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit der Auftakt zu dessen 60-Jahr-Jubiläum statt. Im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe „Christen und Juden im Gespräch – Bilanz und Aussicht“ sprachen die Philosophin Isolde Charim und der Schriftsteller Doron Rabinovici zum Thema „Plötzlich fremd – ‚Othering‘ zwischen Christ_innen und Juden_Jüdinnen“.
Die an die Impulsvorträge anschließende Diskussion wurde moderiert von Oliver Achilles, dem wissenschaftlich-pädagogischen Assistent für Altes Testament der Theologischen Kurse.
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GEDENKSTUNDE IN HIETZING

Wien. Seit drei Jahren begehen die in der Ökumene-Arbeit vernetzten Wiener Dekanate 13-19 den „Tag des Judentums" auf besondere Weise: Sie wollen sich an diesem Tag bei der Besinnung der gemeinsamen Wurzel von Christentum und Judentum auch jüdische Menschen beziehen: nicht nur über sie sprechen, sondern mit ihnen eine gemeinsame Begegnung und Besinnung gestalten, Beziehung und Vertrauen aufbauen. Diese Begegnungen finden jeweils am Ort einer ehemaligen Wiener Synagoge statt, wo auch das Schuldbekenntnis von Christen gegenüber Juden angesichts der Zerstörungen von 1938 viel sinnenfälliger ist.
Nach den Gedenk- und Bedenkveranstaltungen 2014 und 2015 bei der Währinger und Döblinger Synagoge wurde am 18. Jänner 2016 zur Erinnerung an die ehemalige Hietzinger Synagoge ins „Hietzinger Rathaus" eingeladen. Die Gestaltung des Programms hatte Kristin Hübner vom Ökumenekreis Wien 13 zusammen mit der Volkshochschule Hietzing, dem Don Bosco-Haus und mit Unterstützung der Bezirksvorstehung übernommen. Trotz eisiger Kälte waren ca. 100 Personen in den Festsaal des „Hietzinger Rathauses" gekommen.mehr …

LIKRAT ("IN BEGEGNUNG") - JÜDISCHE JUGENDLICHE IM DIALOG IM SCHULUNTERRICHT

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Likrat (Hebräisch für „Aufeinander zugehen“) möchte SchülerInnen einen umfangreichen Einblick rund um das Thema Judentum vermitteln. Jüdische Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren besuchen Schulen und andere Gruppen von Gleichaltrigen. Sie stellen das Judentum authentisch in seinem Facettenreichtum vor. Die Jugendkomission der IKG hat das schweizer/deutsche Erfolgsprojekt auch nach Wien geholt.
DAS BESONDERE LIEGT IM DETAILmehr …

GEDENKTAFEL FÜR SOPHIE HABER

Wien. Am 16. November 2015 wurde eine Gedenktafel für Sophie „Susi" Haber an der Paul-Grüninger-Schule in Floridsdorf feierlich enthüllt.
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SCHÄTZE ZWISCHEN ZWEI BUCHDECKELN

Wien. Am 28. Oktober lud der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu seinem ersten Bibliotheksfest. Die Besucherinnen und Besucher erhielten einen Einblick in Besonderheiten der 6.000 Werke umfassenden Sammlung.
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BESUCH BEI ARIK BRAUER

Wien. Im Rahmen der ökumenischen Vernetzung der Dekanate 13 bis 19 und zum Gedenken an den Novemberpogrom 1938, organisierte Elisabeth Lutter am 9. November einen Besuch bei Arik Brauer unter dem Titel „Arik Brauers neue Haggada".
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SHALOM! MUSIC BETWEEN FRIENDS DIE DRITTE

Wien. Ein bewegender Abend voll von Emotionen wurde das dritte musikalische Freundschaftstreffen der Promi-Band „Shalom! Music Between Friends" im ausverkauften Wiener Volkstheater am 18. Juni.
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Schon beim ersten Lied des Wiener Jüdischen Chors unter der Leitung von Roman Grinberg konnte das Publikum nicht anders als mitzuklatschen. Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg hieß in seinem Haus jede und jeden willkommen, egal, welches religiöse Bekenntnis jemand habe. „Nur jene, die hetzen und Zwietracht säen, sind hier unerwünscht." An diesem Abend stehe kein Songcontest auf dem Programm, an dem nur einer gewinnen könne: „Heute gewinnen alle, heute gehen alle gemeinsam durchs Ziel. Dieser Abend widerspricht allen, die meinen, Religion und ein religiöser Hintergrund taugten nur für Zwietracht und nicht für Versöhnung und Freundschaft", so Schottenberg.
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EIN ABEND VOLL ELAN UND HUMOR

Wien. Im kleinen Rahmen unserer Bibliothek las die unvergleichliche Topsy Küppers am 20. Oktober aus ihrer Biografie von Wolf Messing und erzählte über ihren persönlichen Prozess der Begegnung mit dieser faszinierenden Person. Die direkte Begegnung im familiären Ambiente des Ortes mit dieser außergewöhnlichen Künstlerin war für die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Erlebnis.
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Wolf Messing: Geboren 1899 im polnischen Städtchen Gora Kalvaria, aufgewachsen in armen Verhältnissen in Wien, bestimmt zum Rabbiner. Doch früh zeigt sich seine außergewöhnliche Begabung: Er sieht, was andere nicht sehen, er kann die Gedanken anderer Menschen lesen und einen Blick in ihre Zukunft tun – kurz, er besitzt erstaunliche parapsychologische Kräfte. Er sah beide Weltkriege voraus, er führte Experimente zusammen mit Sigmund Freud durch, er warnte Josef Stalin vor der Tragödie in Stalingrad: Wolf Messing, eine der faszinierendsten Gestalten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
„Die Erzählweise hat Elan, ist humorvoll und zärtlich, fasziniert durch die Art zu schildern. Und Frau Küppers las mit Charme, mit Witz, mit Spannung. Und machte Lust darauf, das Buch so schnell wie möglich zu verschlingen." Treffend schrieb das die Wiener Zeitung über einen ihrer Auftritte. Beglückt gingen alle nach Hause und dankbar für das Erlebnis, der Ausstrahlung einer überragenden Künstlerin so hautnah zu begegnen.
Das Bild zeigt Topsy Küppers mit Koordinierungsausschuss-Geschäftsführer Markus Himmelbauer und Bibliothekarin Dietlind Pichler

Johannespassion: Ein Spiel mit dem Feuer

Gedanken zur Aufführung der der Johannespassion von Johann Sebastian Bach am 29. März 2014 in der Lutherischen Stadtkirche Wien

Von Markus Himmelbauer
Es ist befremdlich, dass der Kreuzestod Jesu, der uns Christinnen und Christen Heil und Erlösung bedeutet, anderen vielfach Verfolgung und Tod durch uns Christen gebracht hat: dem jüdischen Volk.
Peter von der Osten-Sacken nennt die Aufführung von Bachs Johannespassion „ein Spiel mit dem Feuer". Die Passionserzählungen, insbesondere die Johannespassion, seien eine „antijüdische Waffe". Große Aufregung gab es jüngst, weil eine Lehrerin das Wort „Neger" verwendet hat – neutral als Lautfolge in einer Legasthenieübung. Im Vergleich zur hoch emotionalen Polemik gegen Juden und ihren Glauben nun hier war das harmlos. Und hier geschieht es noch mit der Autorität eines heiligen Texts.
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LUTHER UND DIE JUDEN

Graz. In der evangelischen Gemeinde Graz-Heilandskirche war im Mai und Juni 2014 die Ausstellung „'Drum immer weg mit ihnen.' Martin Luthers Sündenfall gegenüber den Juden" zu sehen. Professor Frank Crüsemann sprach bei der Eröffnung zu  „500 Jahre Reformation – Luther, die Juden und wir".
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HLW TULLN: STADTSPAZIERGANG JÜDISCHES WIEN

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Wien. 25 Schülerinnen der HLW Tulln machten am 12. Mai eine Exursion ins jüdische Wien. Die Gruppe wurde im katholischen Religionsunterricht vorbereitet und begleitet von Professorin Martha Vogl.

ABENDGEBET IN DER WERTHEIMER-SYNAGOGE

Eisenstadt. Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen am 23. Mai besuchten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Ödenburg/ Sopron das Österreichische Jüdische Museum und hielten dort das Abendgebet am Schabbat. Die katholische Gemeinde Eisenstadt-Oberberg setzte in der Langen Nacht der Kirchen einen Schwerpunkt in der Begegnung mit dem Judentum.
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Willy Weisz EIN SICH SELBST RELATIVIERENDES URTEIL

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Das unfassbare Urteil des Kölner Landgerichts, das die Beschneidung von Buben aus religiösen Gründen zur strafbaren Handlung erklärt, ist ein Schlag ins Gesicht der mühsam errungenen Religionsfreiheit, die heute ein Standbein des Demokratieverständnisses in Europa darstellt. Weit weniger kommentiert wird dabei der Versuch, die Eltern als Erzieher ihrer Kinder zu entmündigen und dem Staat das Vorrecht einzuräumen, den Familien weltanschauliche Werte aufzuoktroyieren.mehr …

WIE LUSTIG DARF DER GLAUBEN SEIN?

Dass man im Glauben „Freude" findet, ist allgemein anerkannt. Aber darf Glauben auch „lustig" sein? Oberrabbiner Chaim Eisenberg ist bekannt dafür, tiefe Glaubenswahrheiten mit einer Portion Humor zu verkünden. Im Gespräch traf er den katholischen Religionspädagogen Martin Jäggle. Ein Beitrag aus ypsilon, der Mitgliederzeitschrift der Katholischen Männerbewegung in Österreich.
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ROSÉ - KOMPONIEREND GEDENKEN

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Von Gerhard Krammer
Alma Rosé (3.11.1906 – 4.4.1944) stammte aus einer Wiener Musikerfamilie. Ihr Onkel war der Komponist, Dirigent und Direktor der Wiener Hofoper, Gustav Mahler, der Vater war der Geiger Arnold Rosé, Konzertmeister bei den Philharmonikern und Primas des nach ihm benannten Streichquartettes.
In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts trat Alma Rosé mit dem Quartett ihres Vaters auf. Im Zuge dieses Musizierens entstand die einzige erhaltene Tonaufnahme der jungen Alma – nämlich das Bach Doppelkonzert für zwei Violinen in d-moll BWV 1043 (Aufnahme: 1928, herausgegeben bei Czech HMV ES663/65, Matritze CA 43/47) Dieses Doppelkonzert gibt es auch in einer Version für zwei Cembali, die Bach selber verfasst hat (BWV 1060)
Alma Rosé war Jüdin. Dieser Umstand allein hat vor 70 Jahren gereicht um Menschen zu diskriminieren, ihnen ihre Existenz zu vernichten, sie zu ermorden. Sie wurde 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort leitete sie bis zu ihrem Tod am 4. April 1944 die Lagerkapelle, das so genannte „Frauenorchester von Auschwitz“. Darüber gibt es einiges an aufgearbeitetem Material und einiges an Legenden.mehr …

LEAVING HOME ALONE

Vienna. It's one thing to read about history but quite another to hear it related by those who played an active part in its making. Such an opportunity was given to the congregation of Christ Church and visitors on the evening of Thursday, 7 November. The event at Christ Church—the commemoration of the evacuation of Jewish children in 1938 from Austria to safe countries—was part of a programme organized under the auspices of the Coordinating Committee for Christian-Jewish Cooperation in Austria to mark the 75th anniversary of the pogram in Austria, with particular focus on Kristallnacht (the Night of the Broken Glass).mehr …

EIN TREFFEN VON JÜDISCHER UND CHRISTLICHER BAROCKMUSIK

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Szombathely. Über Vermittlung des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit gaben Studentinnen und Studenten und Lehrkräfte des Joseph Haydn-Konservatoriums Eisenstadt am 17. November 2013 ein Konzert in der Synagoge von Steinamanger

BEWEGENDE ERINNERUNGEN AN EINE SCHRECKLICHE ZEIT

Wien. Am 5. November fand im Saal der Pfarre St. Johannes Nepomuk in der Wiener Leopoldstadt ein Abend zum Gedenken an das Novemberpogrom von 1938 statt. Zeitzeuginnen und ein Zeitzeuge erinnerten sich, wie sie als Kinder jüdischer Herkunft in den Pfarren St. Johannes Nepomuk und St. Leopold freundlich aufgenommen wurden und ihre Familien vielfältige Hilfsangebote erhalten hatten.
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GENESIS - BERESCHIT: DRITTE MITTELEUROPÄISCHE CHRISTLICH-JÜDISCHE BIBELWOCHE

Köszeg/ Güns. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ungarn, Serbien, der Slowakei und Österreich studierten vom 14. bis 17. Juli das erste Buch der Tora aus dem Geist des christlich-jüdischen Dialogs.
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Während der Antisemitismus in Ungarn immer wieder neu für Schlagzeilen sorgt, trafen einander Christinnen und Christen aus dem Donauraum in diesem Sommer schon zum dritten Mal, um unter jüdischer Anleitung die Tora zu studieren. Mit der mitteleuropäischen christlich-jüdischen Bibelwoche im ungarischen Köszeg/ Güns hat der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit eine neue Tradition begründet: Christinnen und Christen unterschiedlicher konfessioneller Herkunft beschäftigen sich mit den jüdischen Quellen ihrer religiösen Identität. So sollen Missverständnisse und negative Bewertungen des Judentums und seiner Fundamente überwunden werden.
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ZWISCHEN WIEN UND BUDAPEST

Wien. Zwei hochrangige Fachleute stellten am 21. Mai im Collegium Hungaricum Wien jüdische Familien-Geschichte(n) zwischen Wien und Budapest vor. Katalin Fenyves und Georg Gaugusch waren sich darin einig, dass das jüdische Bürgertum im 19. Jahrhundert eine neue gesellschaftliche Entwicklung darstellte, für die es bis dorthin noch kein Vorbild gegeben hatte. Der Autor, Literaturkritiker und Ungarn-Kenner Cornelius Hell moderierte den Abend.
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GIONAL UND MULTINATIONAL
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BEGEGNUNGEN

Wien. Am 28. Mai bot der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit zum zweiten Mal eine Führung für Journalistinnen und Journalisten an. Wir besuchten Orte jüdischen Lebens in Wien-Leopoldstadt, wo man sich aus erster Hand informieren konnte.
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Zunächst stand eine Begegnung mit der Bucharischen Gemeinde auf dem Programm. Präsident Josef Sarikov und Rabbiner Rabbiner Aminov empfingen gastlich die Gruppe und berichteten vom vielfältigen Leben dieser selbstbewussten Gemeinde. Im psychosozialen Zentrum Esra stellte GF Peter Schwarz die Tätigkeitsbereiche dieser Beratungseinrichtung vor. Zuletzt sprach Ass.Prof. Dr. Wolfgang Wieshaider über "Die jüdische Gemeinde im österreichischen staatlichen Recht" und bot einen sachkundigen und geistreichen Ein- und Überblick über österreichisches Religionsrecht.
Natürlich kam dazwischen auch der gemütliche Teil an diesem Sommerabend nicht zu kurz. Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle und Vizepräsident Willy Weisz standen für vertiefende Gespräche zur Verfügung. Erst nach über vier kurzweiligen und äußerst anregenden Stunden löste sich die Runde auf.
Markus Himmelbauer

GEDENKEN AN DEN EINSATZ DER BULGARISCH-ORTHODOXEN KIRCHE FÜR DIE JUDEN WÄHREND DER SCHOA

Wien. Festakt im Wiener Bulgarischen Kulturinstitut aus Anlass des 70. Jahrestages der Rettung der bulgarischen Juden vor der Deportation 1943.  – Haltung der orthodoxen Kirche war „ausschlaggebend"
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BEGEGNUNG IN DER SYNAGOGE

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Linz. Einmal im Jahr laden das Forum St. Severin und die Israelitische Kultusgemeinde gemeinsam zur Begegnung in die Synagoge ein – und das bereits seit 28 Jahren. "Typisch jüdisch - typisch christlich" – diesem Thema widmeten sich Oberrabbiner Chaim Eisenberg und Christian Öhler, Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion und Pfarrer von Bad Ischl, am 18. April 2013.

DAS JUDENTUM IN DER CHRISTLICHEN BILDWELT

Graz. Vom 29. April bis zum 1. Mai 2012 fand im Bildungshaus Graz-Mariatrost eine Tagung des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit statt, die in Kooperation mit dem Christlich-jüdischen Komitee Graz, dem Centrum für Jüdische Studien und der Theologischen Fakultät Graz realisiert werden konnte. Das Tagungsthema war erstmals in Österreich der Kombination von Kunst und Judentum gewidmet und lautete „Das Judentum in der christlichen Bildwelt“. Graz bot sich als
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15 JAHRE ZUSAMMENARBEIT

Wien. Seit Herbst 1996 sind Brigitte Ungar-Klein als Leiterin des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung und Markus Himmelbauer als Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Dienst. In dieser Zeit hat sich eine solide Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen entwickelt.
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Am 20. Februar 2012 wurde das Jubiläum gemeinsam mit den Ehepartnern im Restaurant Simchas gefeiert. Prof. Kurt Rosenkranz und Prof. Martin Jäggle als Vorsitzende der beteiligten Institutionen dankten für das berufliche Engagement von Ungar-Klein und Himmelbauer. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit organisiert jedes Semester einen Vortrag, Exkursionen oder eine Vortragsreihe am Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung. Die Reihe "Kirchen und Judentum" war schon zuvor von Rudolf Kalab als Initiative der ACUS - Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie - gegründet worden. Sie führen damit eine Tradition von Vorträgen in Wien über das Judentum fort, die so bedeutende Namen kennt wie Hans Kosmala ab 1936 in der Schwedischen Mission in der Seegasse oder Kurt Schubert und Hedwig Wahle, Ulrich Trinks und Norbert Höslinger in den 1960er bis 1980er Jahren.
Dass der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit als Institution in dieser Form so lange Bestand hat, war nicht immer abzusehen. Auch wenn sich zwischen zwei Einrichtungen von ihrem Profil her strukturell immer wieder Kooperationsmöglichkeiten ergeben, so werden diese besonders fruchtbar, wenn auch die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt.
Als Gratulanten stellten sich Oberrabbiner Chaim Eisenberg und Pastor Helmut Nausner ebenfalls ein. Der Linzer em. Diözesanbischof Maximilian Aichern war aus gesundheitlichen Gründen leider verhindert.

WAS DURCH LEBEN TRÄGT


Wien. Der Wert einer Gesellschaft wird einmal daran gemessen werden, wie sie ihre Alten behandelt hat. Ausgehend von diesem Satz Albert Einsteins fand am 17.11.2011 ein gemeinsames Schulprojekt dreier Gymnasien statt. 30 Schülerinnen und Schüler des Akademischen Gymnasiums (AKG), des Zwi Perez Chajes (ZPC) Gymnasiums  und des Evangelischen Gymnasiums trafen einander, um ältere Menschen mit jüdischem und christlichem Hintergrund zu befragen, welche Symbole, Werte und Erinnerungen sie durchs Leben getragen haben.
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LANGE NACHT DER WURZELSUCHE

Wien. Die Suche begann bereits auf der Website, was bei der Langen Nacht der Kirchen zum Themenkreis „Israel, Jüdisches, Hebräisch“ in Wien angeboten wird. Das Ergebnis war für eine einzelne Person zu umfassend, um alles binnen weniger Stunden zu besichtigen. Aber im Rahmen des Gesamtangebots der rund 2600 Veranstaltungen österreichweit verhältnismäßig klein.mehr …

DAS JUDENTUM IM RELIGIONSUNTERRICHT

Wien. „Die Zwölf Thesen von Berlin“, aktuelle Meilensteine des christlich-jüdischen Dialogs, waren das Thema einer Tagung, zu der der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Internationale Rat der Christen und Juden ICCJ von 23. bis 25. Oktober 2011 nach Wien geladen hatten.
 
Etwa 20 Personen repräsentierten dort Dialoginitiativen und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem mitteleuropäischen Raum; Vertreterinnen und Vertreter aus der Tschechischen Republik, aus Polen, aus der Slowakei, aus Ungarn, Rumänien, Kroatien und Österreich waren anwesend.
 
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Höslinger, Norbert W. DIE PRAXIS DES CHRISTLICH-JÜDISCHEN DIALOGS

Zu Beginn drei Begebenheiten:
1 Eine Dame schlägt vor, im Bildungswerk über Judentum ein Referat halten zu lassen. Die Reaktion des Pfarrers: „Wie kommen Sie auf eine solche Idee?“
2 Nach einem Vortrag über christlich-jüdische Beziehung meldet sich ein Teilnehmer sofort zu Wort mit der Feststellung: „Einen Antisemitismus gibt es heute überhaupt nicht mehr.“ Darauf hin frage ich ihn: „Sind sie der Meinung, dass im Fernsehen sehr viele Juden beschäftigt sind?“ Er antwortet spontan: „Ja, viel zu viel!“
3 In der Slowakei hörte ich den Ausspruch: „Gut, dass wir von den Tschechen weg sind, in Prag regieren ja nur mehr Juden und Freimaurer…“
Auch bei uns kann man bei älteren Zeitgenossen ähnliche Äußerungen hören, so etwa: Die Juden haben das Geld der ganzen Welt in der Hand, sie bilden eine weltweite, unvergleichbare Lobby (Rückgabe!), sie benützen die Schoa für ihre Interessen. Manche äußern sich vorsichtig und sprechen von „gewissen Kreisen“ wenn sie „die Juden“ meinen.
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Himmelbauer, Markus 21 JAHRE OR CHADASCH EINE WÜRDIGUNG DER WIENER JÜDISCHEN REFORMGEMEINDE

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Für uns Christinnen und Christinnen gilt das Judentum als positives Beispiel gelebter Vielfalt. Es ist eine Glaubensgemeinschaft, in der Diskussion zum innersten Wesen gehört, in der es ohne formelles religiöses Oberhaupt dennoch eine Einheit in aller Unterschiedlichkeit gibt. Manche meinten sogar, es wäre das Besondere am Judentum, dass man einander das Jude-Sein trotz aller Gegensätze nicht abspreche – im Unterschied zu uns Christinnen und Christen. Nun, wer das Werden der Wiener Reformgemeinde Or Chadasch (Neues Licht) in Wien seit 1990 mitverfolgt hat, wird das wohl nicht mehr so einfach sagen können. Christlich wie jüdisch menschelt es und bisweilen fällt einem die Begegnung mit Gläubigen anderer Bekenntnisse anscheinend leichter als mit einer anderen Richtung innerhalb der eigenen Gemeinschaft, ja schwieriger gar der Dialog religiöser Jüdinnen und Juden untereinander als mit säkularen.mehr …

Weissman, Deborah INTERRELIGIÖSER DIALOG – EINE PERSPEKTIVE AUS ISRAEL

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Lassen Sie mich mit einer persönlichen Geschichte beginnen: 1993. Von dem Augenblick, in dem im Radio verlautbart wurde, dass Israel geheime Gespräche mit der PLO führt, bis zu dem berühmten Handschlag zwischen Rabin und Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses verstrichen gerade zwei Wochen.
Zu dieser Zeit führte ich ein Gespräch mit einem Kollegen, der Professor für Politikwissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem ist. Ich sagte zu ihm: „Sie wissen, dass ich auf diesen Moment seit Jahrzehnten gehofft, für ihn gebetet und auf ihn hingearbeitet habe. Aber nur 15 Tage von Erzfeindschaft zu Handschlag und einer unterzeichneten Verlautbarung im Weißen Haus? Ist das nicht ein bisschen schnell? Brauchen die Menschen auf beiden Seiten nicht Zeit, um ihre Ängste zu überwinden, um ihre Vorurteile abzubauen und um einander als menschliche Wesen kennenzulernen? Wäre es nicht besser gewesen, den Menschen zu sagen, dass wir uns in einem Prozess befinden und dann mit ihnen diesen Prozess zu durchleben – indem Palästinenser eingeladen würden, in israelische Medien, Schulen, Synagogen und Gemeindezentren zu sprechen und Israelis in palästinensischen Medien, Schulen, Kirchen und Moscheen auftreten könnten. Wäre es nicht besser gewesen, es hätte Gespräche gegeben, und dann, nach einigen Monaten, hätten sich die Führer treffen und Hände schütteln können?“mehr …

GEMEINSAM LICHT GESUCHT UND GEFUNDEN Beobachtungen und Themen des christlich-jüdischen Dialogs

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Vor einem Jahr besuchte Papst Benedikt XVI. zum „Tag des Judentums“ die Synagoge in Rom. Das war ein wichtiges symbolisches Zeichen. Der Pontifex zitierte wie zu erwarten seinen Vorgänger, aber auch den Heiligen Paulus: „Das jüdische Volk besitzt ‚die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus’ (Röm 9,4–5), denn ‚unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt’ (Röm 11,29)“.
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LESUNG BEI DER WELTGEBETSWOCHE FÜR DIE EINHEIT DER CHRISTEN 2009

Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich
Herrn Bischof
Mag. Herwig Sturm
Severin Schreiber-Gasse 3
1180 Wien

28. Jänner 2009

Gottesdienstvorschlag Weltgebetswoche

Lieber Herr Bischof Sturm,
im Namen des Vorstands des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit übermittle ich Ihnen unsere Anmerkungen zur Auswahl des Predigtextes für die heurige Weltgebetswoche für die Einheit der Kirchen. Ich bitte Sie, unseren Brief an die Verantwortlichen beim Weltkirchenrat weiterzuleiten.
Die Eingrenzung des Lesungstexts aus dem Buch Ezechiel (Ez 37, 15-19, 22-24a) erfolgt nach einem traditionellen kirchlichen Muster, also ob es Jahrzehnte des christlich-jüdischen Dialogs nie gegeben hätte. Einzelne Verse der Perikope wurden so gewählt, dass eine rein christlich-kirchliche Interpretation möglich wird: Ein allgemeiner Text zum Thema Einheit und der „Knecht Davids“ kann geradewegs mit Jesus Christus als „einziger Hirte“ der Kirche identifiziert werden.mehr …

CHRISTEN ALS BRÜCKENBAUER

„Meine Solidarität ist realistischer geworden“, meint der niederländische Theologe SIMON SCHOON zur jüdischen Dialogexpertin RACELLE WEIMAN. Ein Gespräch der Wochenzeitung DIE FURCHE über die Lage in Israel und den christlich-jüdischen Dialog.

DIE FURCHE: Die Gewalt im Nahen Osten nimmt kein Ende. Beeinflusst dies den christlich-jüdischen Dialog?
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SIMON SCHOON: Natürlich tut sie das, wir leben ja nicht außerhalb der Welt. Es ist nicht das Einzige, was den Dialog bestimmt, aber es ein wichtiger Kontext, in dem wir einander treffen und einander austauschen. Würden wir ihn ausklammern, wäre der Dialog irrelevant.
DIE FURCHE: Ist es für diesen Dialog wichtig, dass Christen mit den Juden in Israel solidarisch sind?
SCHOON: Es gibt unterschiedliche Arten des Dialogs. Wenn Nachbarn einander treffen, ist das etwas Anderes wie ein Kreis von Freunden;ich gehöre seit 25 Jahren zu einer Dialog-Gruppe in Amsterdam: Wenn man einander nahe ist, kann man über fast alles reden. Im institutionellen Dialog ist die Atmosphäre anders. Aber natürlich muss man alles aussprechen. Christen, Kirchen müssen Solidarität in dem Sinn zeigen, dass sie für das Recht auf einen jüdischen Staat stehen.Wenn sie ihre Solidarität bewiesen haben, dann haben sie natürlich die Möglichkeit, auch zu kritisieren. Das ist unter Freunden normal.

DIE FURCHE: Merken Sie diese Solidarität der Christen mit Israel?
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Werneck, Roland KIRCHEN UND ANTISEMITISMUS

1) Begriff mit tragischer Geschichte
Zunächst zur Definition:
Antisemitismus ist der Oberbegriff für jede Herabsetzung von Juden und Judentum – jede Denkweise oder jedes Verhalten der Verachtung, Feindseligkeit und Hass gegenüber jüdischen Menschen, weil sie Juden sind.
Antijudaismus werden judenfeindliche Einstellungen mit religiös motivierter Abwertung genannt.
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Kathpress CHRISTEN UND JUDEN Interview mit Prälat Johannes Oesterreicher aus dem Jahr 1988

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Vor hundert Jahren, am 2. Februar 1904, wurde Johannes Österreicher in Stadt Liebau in Mähren geboren (Wir berichteten darüber im Dialog-Du Siach 54). In einem Kathpress-Interview aus dem Jahr 1988 erhalten wir einen Einblick in das Denken dieses überzeugten Zionisten und Kämpfers für die christlich-jüdische Verständigung. Zugleich ist es eine Reflexion über Entstehung und Bedeutung der Konzilserklärung Nostra Aetate, die vor 39 Jahren, am 27. Oktober 1965 verabschiedet wurde. Und es bietet eine zeitgenössische Stimme zur Waldheim-Ära, die eine starke Belastung des christlich-jüdischen Dialogs darstellte. Das Gespräch führte Peter Musyl. Wir danken der Kathpress für die freundliche Nachdruckerlaubnis. Aus: Aus: Schalom für Österreich II, 1988 – Wege in die Zukunft

Kathpress: Herr Prälat Oesterreicher, Sie sind einer der Wegbereiter des internationalen christlich-jüdischen Dialogs und waren an der Erstellung der „Juden-Erklärung“ des Zweiten Vatikanischen Konzils maßgeblich beteiligt. Worin liegt Ihrer Ansicht nach die Bedeutung dieses Dialogs bzw. der Konzilsaussagen über das Judentum?mehr …

Himmelbauer, Markus DAMIT MÜSSEN WIR LEBEN. – WIRKLICH?

Judenfeindschaft gibt es nicht. Fragen Sie doch herum! Nicht einmal Herr Haider hat je etwas Antisemitisches geäußert, beteuert er. Die “ordentliche Beschäftigungspolitik“ hatte ja mit Juden rein gar nichts zu tun. (Wir danken der “Presse“ für die nochmalige Veröffentlichung des Protokolls der damaligen Landtagssitzung. Es zeigt, dass es kein “aus dem Zusammenhang gerissenes“ Zitat ist.) Das macht unsere Aufgabe, die christlich-jüdische Verständigung, so einfach. Auch in den Kirchen. Sehen Sie selbst: Judenfeindliche Hetzpredigten von der Kanzel gibt es nicht mehr, und überhaupt, das Judentum ist gar kein Thema.mehr …

Himmelbauer, Markus RETTET DEN EXODUS

Wie günstig, daß Ostern und Pessach heuer auf denselben Termin fielen. Viele Anfragen von christlichen Gruppen und Gemeinden gingen hierorts in jener Zeit ein: Wie können wir Pessach feiern, „richtig“, nämlich genau so wie die Juden es machen? Überraschtes Erstaunen folgte, wenn ich nicht sogleich Feuer und Flamme für dieses Anliegen war. Die Diskussion darüber geht jedenfalls weiter.
Wenn Christinnen und Christen die Juden und das Judentum lieben, sollen die Geliebten bisweilen möglichst so sein, wie wir sie uns wünschen: Folkloristisch, nett, unproblematisch, keinesfalls fordernd. Ja, das kommt gut an. Da spürt man dann kuschelweich, wie über aller Verbrüderung die Gräben schwinden. Und anschaulich soll es sein, sinnlich erfahrbar.
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Dantine, Olivier EIN JAHR STUDIUM IN ISRAEL

Im Studienjahr 1996/96 war ich Teilnehmer eines Studienprogrammes, das seit mittlerweile 20 Jahren Christen, vornehmlich Theologiestudenten, ermöglicht, ein Jahr an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu studieren. Neben dem Erlernen der hebräischen Sprache sind die Ziele vor allem das Studium der rabbinischen Literatur in Talmud und Midrasch. Daneben werden Kurse zur israelisch-palästinensischen Gesellschaft angeboten. In dem folgenden Bericht habe ich versucht, meine vielfältigen persönlichen Erfahrungen des Studienjahres zusammenzufassen.mehr …

Himmelbauer, Markus und Zauner, Josef P. GUTER WILLE – EINGEFAHRENES DENKEN

Abschlussbericht zur Umfrage “Stereotypen über das Judentum in der Messliturgie und im Liedgut der römisch-katholischen Kirche aus der Sicht-weise der Seelsorgerinnen und Seelsorger“

Im Frühjahr 1999 verfasste Josef Peter Zauner eine theologische Diplomarbeit zum Thema “Das Judentum in der römischen Liturgie“ in deren Rahmen Stereotypen über das Judentum in der Liturgie aus der Sichtweise katholischer Seelsorgerinnen und Seelsorger erhoben wurden. Dieser Bericht fasst die Ergebnisse der Umfrage zusammen und versucht, Folgerungen für die notwendige Sensibilisierung zu diesem Thema zu ziehen. Eine Zusammenfassung der theologischen Grundlagen der Untersuchung wurde in der Zeitschrift “Dialog-Du Siach / christlich-jüdische Informationen“ Nr. 36 im August 1999 veröffentlicht: Josef Peter Zauner: Erstes Testament und Judentum in der römischen Liturgie.mehr …