SPURENSUCHE EINES GRÄNZGÄNGERS

„Versöhnung. Spiritualität im Zeichen von Tora und Kreuz. Spurensuche eines Grenzgängers“, so lautete das Thema des Vortrags des Kommunikationswissenschaftlers Maximilian Gottschlich am 20.10.2010 in der Synagoge in Graz.
 
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Die Vorsitzende des Grazer Komitees für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Sabine Maurer, begrüßte Professor Gottschlich herzlich und erwähnte, dass der Vortragende sich selbst als „jüdisch imprägnierten katholischen Christen“ bezeichnet. Sein Zugang zum Thema sei ein ganz persönlicher.
 
In seinem Vortrag hob Gottschlich hervor, dass es die vorrangige spirituelle Aufgabe des Christentums sei, sich um die Versöhnung mit dem Judentum zu bemühen. Ohne die Erinnerung an die Schoa gibt es seiner Meinung nach keine Zukunft des Christentums. In Lehre und Unterricht müsse das Jude Sein Jesu noch mehr als bisher vermittelt werden.
 
Im anschließenden Podiumsgespräch betonten Willy Weisz (jüdischer Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit) und Peter Ebenbauer (Professor an der katholischen Fakultät Graz) die Notwendigkeit und Wichtigkeit des christlich-jüdischen Dialogs. Dieser solle auf Augenhöhe und ohne das Verwischen von bestehenden Unterschieden geführt werden. Gottschlich betonte die Bedeutung der Scham, die Opfer und Täter verbinde. Versöhnung sei die Aufgabe eines jeden Christen und müsse emotional verankert werden, sonst sei sie ohne Wirkung. Ebenbauer und Weisz hoben hervor, dass das Streben nach  Versöhnung mit dem Judentum nur dann glaubwürdig sei, wenn die katholische Kirche dieses Ziel ohne jeglichen missionarischen Hintergedanken verfolge. In punkto gemeinsame jüdisch-christlich liturgische Feiern gingen die Meinungen auseinander. Weisz vermutete, dass sich bei einer gemeinsamen Feier eine der beiden Seiten in ihrem Glauben nicht ausreichend respektiert fühlen werde. Ebenbauer hielt das gemeinsame Feiern auf der Basis von gemeinsamer Sehnsucht und partnerschaftlichem Willen für grundsätzlich möglich und wünschenswert.
 
Die Moderatorin Maurer schloss die interessante Diskussion mit einem Dank an die Podiumsteilnehmer und das Publikum. Zum Ausklang des Abends lud die IKG noch zu Brot und Wein ein. Die BesucherInnen nahmen die Gelegenheit zu Gespräch und Austausch gerne an.
Sabine Maurer

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