Linz

Das christlich-jüdische Komitee OÖ engagiert sich seit 2001 im christlich-jüdischen Dialog, bemüht sich um kritische Reflexion aktueller Entwicklungen, bietet Begegnungs- und Lernmöglichkeiten an und ist Anlaufstelle für Fragen und Kontakte für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Insbesondere der Tag des Judentums, der als Lerntag im Rahmen einer Abendveranstaltung begangen wird, ist ein fest verankerter Teil kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in Linz. Darüber hinaus werden unterschiedliche, weitere Angebote gesetzt, die auch mit externen ExpertInnen und KooperationspartnerInnen durchgeführt werden.

Informationen zum jüdischen Leben in Linz – in Vergangenheit und Gegenwart (in Arbeit)

Leitung:
Mag.a Gudrun Becker, Referentin für Ökumene und Judentum der kath. Kirche

+43 676 8776 3256




Mitglieder im Komitee:
Dr.in Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz
Mag. Dejan Bogicevic, Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Gemeinde Linz
Mag. Günter Merz, Diözesan-Beauftragter für christlich-jüdischen Dialog der evangelischen Kirche OÖ
Mag. Hans Hauer, Kurat im Dekanat Steyr
Dr. Michael Zugmann, Leiter der Abteilung Liturgie und Kirchenmusik (Pastoralamt Diözese Linz)
Mag. Roland Werneck, Evang. Pfarrer / Wels, Delegierter der Evang. Kirche A.B. Österreich in die Lutherisch-Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ)
Univ.-Prof.in Dr.in Susanne Gillmayr-Bucher, Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der KU Linz
Dr. Stefan Schlager, Referent für Theologische Erwachsenenbildung und Weltreligionen, kath. Kirche
Dr. Thomas Schlager-Weidinger, Leiter des Zentrums für Interreligiöses Lernen, Migrationspädagogik & Mehrsprachigkeit der PHDL
Mag. Martin Kranzl-Greinecker, Chefredakteur der Fachzeitschrift UNSERE KINDER (Caritas Linz) und MKÖ-Vorstandsmitglied
Dr. Reinhard Stiksel, theologischer Referent im Bibelwerk Linz
Univ.-Ass. Mag. Dominik Stockinger, Assistent am Institut für Neutestamentliche Bibelwissenschaft KU Linz








Beispiele für das Wirken des Linzer Komitees:

Vor 170 Jahren - im Jahre 1849 - entstand in Linz eine bedeutende jüdische Gemeinde, die allerdings im Zuge des Holocaust 1941-43 vernichtet wurde. Rund 800 Juden lebten 1938 in Oberösterreich, der Großteil in Linz, Steyr und Wels. Unter ihnen waren erfolgreiche Unternehmer, wie die Industriellenfamilien Spitz und Mostny, Ärzte wie Eduard Bloch (er war Hausarzt von Adolf Hitlers 1907 verstorbener Mutter Klara), aber auch viele Familien, die in bescheidenen Verhältnissen lebten.

Im Jahre 1851 wurde den Juden in Linz die Abhaltung von Privatgottesdiensten und die Anmietung eines Gebetsraumes in der heutigen Adlergasse 10 bewilligt. Auch ein Religionsunterricht dürfte dort stattgefunden haben, wie bei einer virtuellen Stadtführung in der Vorwoche berichtet wurde. Anlass war der ökumenische "Tag des Judentums " (17. Jänner). Veranstalter der Führung waren die Katholische Privat-Universität und das Christlich-Jüdische Komitee Oberösterreich. Mehr als 180 Besucher folgten der Einladung, darunter die Bischöfe Manfred Scheuer und Maximilian Aichern sowie der Direktor des Archivs der Stadt Linz, Walter Schuster.

1861 baute die jüdische Gemeinde Linz eine ehemalige Steinmetzwerkstatt zu einem Bethaus um, wie die Theologin, Religionslehrerin und Autorin Verena Wagner berichtete. Dieses Bethaus an der Marienstraße wurde bis 1877 genutzt. Auch die Errichtung eines jüdischen Friedhofes fällt in diese Zeit.

Bereits 1871 begannen die Bestrebungen zur Errichtung einer Synagoge an der Bethlehemstraße. 1877 wurde diese Synagoge, in der es sogar eine Orgel gab, feierlich eingeweiht. Die Einweihung stellte den glanzvollen Höhepunkt in der jüdischen Geschichte in Linz dar. Dieser monumentale Bau, der sich harmonisch ins Stadtbild einfügte, wurde in der Reichsprogromnacht im November 1938 ein Opfer der Flammen und der nationalsozialistischen Zerstörung.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Charlotte Herman, erzählte bei der Stadtführung am 17. Jänner von den "Übergangs-Beträumen" zwischen 1946 und 1968 im Gemeindehaus an der Bethlehemstraße. Noch heute sind im dort befindlichen kleinen Museum die Bänke und der Thoraschrein der damaligen Zeit zu sehen. Außerdem wird dort der Schlüssel der Alten Synagoge aufbewahrt - das einzige, das von ihr noch erhalten ist.

Herman teilte mit dem Auditorium ihre persönlichen Erinnerungen an diese Zeit und auch an die Errichtung und Einweihung der Neuen Synagoge. Sie wurde vom Architekten Fritz Goffitzer geplant und im Inneren mit Fresken von Fritz Fröhlich ausgestaltet. Einen bleibenden Platz in der Synagoge haben die Linzer jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die während des nationalsozialistischen Regimes ermordet wurden und die namentlich auf Gedenktafeln angeführt sind.

Quelle:
kathpress.at